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Fachkräftemangel: Versicherer suchen den IT-Superstar

19.03.2018 – Fachkraeftemangel_Job_Beruf_Bewerbung_LieC_pixelio.deAlle suchen die eierlegende Wollmilchsau. Keine Woche vergeht, in der nicht eine große Wochenzeitung wortreich auf den Fachkräftemangel hinweist und einen Wirtschaftsvertreter selbigen betrauern lässt. VWheute hat bei den Großen der Branche inklusive AGV nachgefragt, wie sie die Situation handhaben. Die Lösungen sind bei gemeinsamer Stoßrichtung verblüffend individuell.

Seit über einem Jahr gibt es hierzulande weniger als drei Millionen Arbeitslose, Leih- und Teilzeitarbeit sei Dank. Doch die vorhandenen Arbeitskräfte in Deutschland und der EU scheinen nicht auszureichen, um den Bedarf der brummenden deutschen Wirtschaft zu stillen. Die Personal Experten der Unternehmen rechnen mit einer sich weiter zuspitzenden Situation bei der Rekrutierung von Spitzenkräften.

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In einer zunehmend computergestützten Wirtschaft wird der Wettbewerb speziell um IT-, Data-, und IT-Spezialisten immer intensiver, wie Michael Gold, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) bestätigt: “Tatsächlich verändert das Thema Digitalisierung die Suche nach Fachkräften. Vor allem IT-Experten, wie Informatiker, Softwareentwickler, Datenanalysten bzw. -spezialisten sind begehrte Fachkräfte und in allen Branchen gesucht.”

Die Versicherer sind ständig auf der Pirsch nach den richtigen Köpfen, doch das gestaltet sich mitunter problematisch. Die Talentgewinnung sei “schwieriger geworden” bestätigt die Talanx, insbesondere bei den “Positionen in der IT oder der Versicherungsmathematik”. Die Swiss Re ist auf der Suche nach Talenten im Underwriting sowie im Bereich Digitalisierung, und die Allianz spürt den Fachkräftemangel in einem “enger werdenden Markt” insbesondere in der IT sowie beim Führungskräftenachwuchs. Mit fast identischen Worten bestätigt Axa Deutschland, dass Mathematiker (Aktuare), besondere Profile im Online Marketing, aber auch Data Scientisten oder Fachkräfte für bereichsübergreifende Führungspositionen gesucht werden.

So gehen die Versicherer vor

Mathematiker, IT- und Datenspezialisten sowie Führungskräfte stehen also ganz oben auf den Suchzetteln der Versicherer. Die Branche hat das Problem adressiert und Lösungen erdacht, um Hochqualifizierte zu binden, denn die “Digitalisierung ist nur von den besten Talenten zu stemmen”, wie die Allianz anmerkt.

Die Besten Digitalisierungstalente findet man bei (erfolgreichen) Start-ups und Insurtechs, glaubt Michael Gold: “Ein Weg die Lücken zumindest indirekt zu schließen, sind Kooperationen der Versicherer mit Start-ups, Fin- und Insurtechs.” Dieser Ansatz ist sehr logisch, denn viele Insurtech-Gründer und Top-Talente wollen ihre eigenen Ideen umsetzten und streben nicht den vermeintlich sicheren Weg bei einem großen Haus an. Eine Abwerbung ist daher schwierig und die Rekrutierung gelingt nur in Ausnahmefällen, wie bei Dennis Just und Ergo Direkt. Dominik Groenen, Gründer von Flyyper, brachte den Grundgedanken vieler Insurtech-Macher mit dem Satz: “Wir werden vieles besser machen als die Etablierten”, auf den Punkt. Wenn eine Anwerbung nicht gelingt, ist eine Kooperation oft ein gangbarer und mittlerweile etablierter Weg.

Wo ein Wille ist

Die Versicherer haben einen breiten Mix an Rekrutierungsoptionen entwickelt, mit dem sie Hochqualifizierten an sich binden wollen. Die Swiss Re setzt unter anderem auf Social Media, Graduates Programme, Hochschulmessen und Case Study Events, die Axa nutzt eine Mischung aus “Employer Branding zur Stärkung der Arbeitgebermarke und professioneller Talentsuche”. Die Allianz will ehemalige Praktikanten und Werkstudenten über Talentpools, Inhouse-Veranstaltungen und regelmäßige Kontaktaufnahmen gewinnen und spricht daneben gezielt Begabte auf Universitätsveranstaltungen an, während die Talanx neben der direkten Ansprache über Social-Media, den Blick “auch nach innen” richtet. Die Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeiter soll dabei helfen, “besser auf Herausforderungen des Marktes” zu reagieren. Ein ebenso löblicher wie nachvollziehbarer Gedanke, denn niemand kennt die eigenen Anforderungen besser als Unternehmen und Interns.

Die genannten Wege sind nur ein sehr kleiner Auszug aus den Optionen, der Versicherer. Interessant ist, dass nahezu alle Großen auf den persönlichen Kontakt (Allianz, Talanx) setzten oder die Kontaktaufnahme mit Kandidaten wie bei der Axa durch interne Kräfte erfolgt. Ein wichtiger Punkt, alle Unternehmen setzen auf die Ansprache per Social Media.

Das Warten auf eine schriftliche Bewerbung ist in der Branche längst passee, auch kann ein großer Geldsack heutzutage alleine nicht mehr die Bedürfnisse des High-Potentials decken. Die technisch-versierten Talente  wollen neben dem monetären Aspekt eine Perspektive, die eigene Kreativität ausleben und Veränderung herbeiführen. Sind das Attribute, die die Versicherungsbranche bieten kann?

“Für viele junge Menschen wirkt die Branche auf den ersten Blick weniger attraktiv. Lassen sie sich jedoch auf das Thema Versicherungen ein, stellen sie schnell fest, dass die Versicherer als Arbeitgeber sehr viele spannende, innovative Aufgaben bieten, insbesondere rund um das Thema Digitalisierung”, stellt Michael Gold fest.

Das sehen die Versicherer ähnlich, die Angebote an die Top-Talente sind zahlreich und individuell. Die Axa will ein Umfeld schaffen, in dem sich “die Menschen wohlfühlen” und “mit Begeisterung arbeiten.” Die Arbeitswelt der Zukunft ist dabei ein Schritt des Unternehmens. Die Allianz setzt auf “vielseitige Entwicklungsmöglichkeiten, flexible Arbeitsmöglichkeiten” sowie ein “attraktives Gehalt und Zusatzleistungen”. Die Talanx schaut neben dem Anwerben externe Kräfte auch auf den eigenen Talentpool und möchte “insbesondere im Hinblick auf agile Methoden” fördern.

Nicht verzagen, Versicherer fragen. Die Großen der Branche haben viele Ideen und Konzepte, die gehen nach Eigenaussage auch auf. Die Anwerbung des High-Potentials ist für Versicherer schwierig, aber letztendlich meist erfolgreich. Und im Zweifelsfall bleibt immer noch die Kooperation. (vwh/mv)

Im nächsten Teil der Serie “Arbeitswelt Versicherung” wird sich VWheute dem Thema Frauen in der Branche widmen.

Bild: Fachkräftemangel (Quelle: LieC / www.pixelio.de / PIXELIO)

Grafik Statista

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