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Euler Hermes verliert Glauben an Kaufhof

27.07.2017 – Kaufhof_CCFür das Modell “Kaufhaus” könnte es das Ende einläuten: Euler Hermes hat die Garantiezusagen von Lieferungen an Galeria Kaufhof drastisch reduziert. Der wachsende Online-Vertrieb fordert den Einzelhandel wie die Versicherungsbranche enorm heraus. Seit 2015 versucht sich bei Kaufhof ein neuer Besitzer an dem Turn-Around – dieser scheint misslungen.

Vergangene Woche soll Kreditversicherer Euler Hermes die Lieferanten von Galeria Kaufhof per Brief darüber informiert haben, die Warenkreditversicherung um 80 Prozent zu kürzen, berichtet Spiegel Online. Die Auswertung der Geschäftszahlen habe keine andere Entscheidung als die Herabstufung der Bonität zugelassen. Ohne Deckung durch den Kreditversicherer steigt der Liquiditätsbedarf von Kaufhof deutlich an, immerhin müsste der Einzelhändler seine Regale so auf Vorkasse mit Waren füllen.

Ein Sprecher von Kaufhof bestätigt die Herabstufung, fügt jedoch hinzu: “Wir pflegen eine starke Partnerschaft mit unseren Lieferanten.” Man arbeite kontinuierlich daran, die eigenen Marken sowie jene der Geschäftspartner “erfolgreich und innovativ” voranzubringen. Der Ausbau des Europageschäfts sei “rasant” und biete den Lieferanten “zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten.” Geschäftszahlen, die das belegen, veröffentlicht das Unternehmen hingegen nicht.

Konzernmutter muss einspringen

“Uns steht eine globale 2,25 Mrd. US-Dollar Kreditlinie zur Verfügung, die die Kreditlinien der Kreditversicherer bei unseren Lieferanten in Europa ergänzt”, meldet die Muttergesellschaft Hudson’s Bay Company (HBC). Mit Hudson’s Bay wolle man in den Niederlanden sowie mit Saks Off 5th in Deutschland und Holland wachsen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, der kanadische Handelskonzern im vergangenen Jahr ein Minus von rund 360 Mio. Euro einfuhr. Kreditversicherer Euler Hermes wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern.

Die Bonitätskrise bei Kaufhof steht für die Krise einer gesamten Branche. “Der Einzelhandel steht vor einem entscheidenden Umbruch”, erklärt Maxime Lemerle, Leiter der Sektor- und Insolvenzanalyse bei Euler Hermes, in einer aktuellen unternehmenseigenen Studie. Demnach sank die Profitabilität im deutschen Handel von 2011 bis 2016 von sieben auf drei Prozent.

Tablets sollen Online und Offline versöhnen

Zwar konnte der Einzelhandel insgesamt die Verkaufsfläche in den letzten zehn Jahren steigern, für die Jahre 2014/2015 weist der Handelsverband Deutschland (HDE) ein Wachstum von 123,1 auf 123,7 Mio. Quadratmeter aus. Auch konnten die Kaufhäuser ihren Marktanteil auf rund 3,5 Prozent –  wie zuletzt im Jahr 2015 bekannt gegeben – stabilisieren. Jedoch wächst die E-Commerce-Konkurrenz mit starken 11 Prozent, so die Prognose des HDE für das Jahr 2017. Die Hälfte des Wachstums findet damit in Online-Shops statt und nicht in den Kaufhäusern der teuren A-Lagen deutscher Innenstädte.

“1.500 Tablets verbinden unsere Filialen mit dem Online-Sortiment” schreibt Galeria Kaufhof auf ihrer Webseite. In den 97 Filialen soll so die Brücke zwischen klassischem Einzelhandel und Online-Shop geschlossen werden. Einen All-Kanal-Vertrieb zu etablieren, macht Euler Hermes als eine der zentralen Herausforderung des Einzelhandels aus. Der Kunde soll sich frei entscheiden können, ob er das neue Hemd auf der Couch oder nach der persönlichen Beratung  in der dritten Kaufhaus-Etage kauft. “Es gibt nur die eine Wahl für Einzelhandelsunternehmen, sich anzupassen”, folgert Lemerle. “Die Alternative ist die Schließung.”

Bäumchen wechsel‘ Dich!

Ein Indiz, dass der Spagat zwischen Digital und Real Life der 138 Jahre alten Kaufhauskette Mühe bereitet, ist der Besitzerwechsel vor knapp zwei Jahren: Die Metro-Gruppe, zu der Kaufhof seit 1996 gehörte, stieß das Segment im Oktober 2015 ab. Dem kanadischen Handelskonzern HBC waren die Warenhäuser mit dem grünen Logo immerhin 2,8 Mrd. Euro wert. Der im Geschäftsjahr 2013/14 zuletzt publizierte Kaufhof-Umsatz betrug rund 3,1 Mrd. Euro netto.

“Die HBC-Familie ist in den vergangenen Jahren gewachsen und zusammengewachsen”, sagte Kaufhof-Chef Wolfgang Link vor erst knapp zwei Wochen bei der Enthüllung der neugestalteten Hauptverwaltung in Köln. Von hier aus führt HBC neben dem Deutschland-Geschäft von Kaufhof und der auf neun Filialen geschrumpfte Sportarena auch 16 Filialen der belgischen Tochter Galeria Inno, das laut eigener Aussage “einzige Warenhausunternehmen” des Nachbarlandes. Möglicherweise ist es auch das letzte. (de)

Bild: Das ehemalige Warenhaus Leonhard Tietz in Köln ist das Konzern-Flaggschiff von Galeria Kaufhof (Quelle: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

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