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Ergo will sich aktiv gesund sparen

02.06.2017 – markus_riess_uskDas umfassende Strategieprogramm der Ergo Group läuft nach Aussage des Managements überwiegend planvoll ab. Der Versicherungskonzern baut systematisch Personal im Außendienst und Innendienst ab und strukturiert sich umfassend neu. Damit sollen hohe Kostenersparnisse erzielt werden. Allein in diesem Jahr sind 100 Mio. Euro geplant. Gleichzeitig wird in neue Produkte und digitale Technik investiert.

“Wir sind gut unterwegs und haben alle Meilensteine des Gesamtprogramms erreicht”, sagte Markus Rieß, Vorsitzender des Vorstands der Ergo Group AG anlässlich einer Pressekonferenz. Unter dem Motto “Ein Jahr Ergo Strategieprogramm – Ergo liefert”, stellte Rieß erste Erfolge dar. So wurden fünf verschiedene Ausschließlichkeitsorganisation zu einer Einheit zusammengeführt. Insgesamt will der Versicherer 1.300 Stellen im Vertrieb streichen. Aktuell sei 75 Prozent dieses Personalabbaus bereits vollzogen worden. Umgerechnet haben somit bereits rund 975 Außendienstler das Unternehmen zwangsweise verlassen müssen. Zudem wurde von 119 Regionaldirektionen 54 geschlossen. Künftig will sich die Ergo auf 55 Standorte “fokussieren”. Diese Standorte sollen aber so ausgewählt werden, dass trotzdem eine “hohe Präsenz in der Fläche garantiert“ wird.

Trotz starker Einschnitte beim Außendienst will der Versicherer im Vergleich zum Vorjahr bereits mehr Verträge verkauft haben. „Wir haben doch noch gute Vertriebsergebnisse erzielt“, sagte Rieß. So sei etwa bei der Selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung der Marktanteil “verdoppelt” worden. In der Verwaltung – hier sollen laut Strategieprogramm 500 Stellen gestrichen werden – wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits ein Drittel oder rund 167 Stellen wegrationalisiert.

“Für 2017 rechnen wir mit einer Nettokostenersparnis von 100 Mio. Euro”, sagte Christoph Jurecka, Chief Financial Officer der Ergo Group. Operativ sei die Ersparnis sogar schon höher. “Viele Sparmaßnahmen, die wir angestoßen haben, wirken sich kostenmäßig erst später aus”, so Jurecka. Aus klassischen Lebensversicherungen hat sich die Ergo in allen Bereichen zurückgezogen. Das gilt auch für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und die staatlich geförderte Riester-Rente.

Trotzdem werde das Unternehmen weiterhin, sowohl im Ausland als auch im Inland Altersvorsorge anbieten. Als Innovation nannte Rieß die Einführung einer kapitalnahen Riester-Rente ohne Abschlussprovision, die so besonders wettbewerbsfähig sei. Das Produkt soll als notwendige Kundenbindung vom Außendienst verkauft werden. Ein reiner Online-Verkauf ist nicht geplant. Rieß: “Das funktioniert.” Rund 2.000 Riester-Verträge seien bereits verkauft worden. “Vermittler sind nämlich keine Provisionsmaschinen”, stellte der Ergo-Chef klar.

Im Neugeschäft sollen kapitalmarktnahe und biometrische Produkte ausgebaut werden. Für 2018 kündigte Rieß “neuartige” bAV-Produkte an. Neues gibt es seit März für Privatkunden im Bereich Haftpflicht, Kraftfahrt, Hausrat und Unfall. Künftig könne günstiger Basisschutz modular erweitert werden. Die Produkte wären von der externen Rating-Agentur Franke & Bornberg positiv bewertet worden. “Makler und Vermittler nehmen die Produkte an”, so Rieß. Es sei aber noch zu früh, um die realen Vertriebsergebnisse zu veröffentlichen.

Umstrukturierungen sorgen für Unmut

Die massive Umstrukturierung des Konzerns führt aber auch zu Problemen. So gebe es weiterhin unter der deutschen Belegschaft große Unruhe. Wie es um die Zufriedenheit der Mitarbeiter bestellt ist, zeigte eine Betriebsversammlung am Hamburger Standort im vergangenen Sommer. “Wie man im Vetrieb mit Menschen umgegangen ist, die ihren Arbeitsplatz verlieren, ist beispiellos. Vielen fühlten sich regelrecht entsorgt”, kritisierte Marco Nörenberg, Betriebsrat am Standort und Betriebsratsvorsitzender der Ergo-Group, in der Mai-Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft. Demnach seien betriebsbedingte Kündigungen bei der Ergo mitnichten ein Fremdwort, sie werde bei den Verhandlungen ganz offen in Aussicht gestellt. Nachhaltigkeit sei vor allem ein Thema für Investoren, zeigte sich Nörenberg überzeigt.

Rieß betont jedoch: “Natürlich belastet die Umstrukturierung unser Haus das will ich nicht schönreden. Wir können nicht alle mitnehmen.” Trotzdem gäbe es sehr viele die umdenken und die Veränderungen aktiv mit tragen würden. “Bei 13 Programmen mit zehn bis 30 Unterarbeitssträngen und 300 Meilensteine, gibt es immer welche die rot werden”, erläuterte Rieß. Doch bisher hätte das Unternehmen durch ein regelmäßiges Monitoring alles wieder auf “grün” stellen können. Eine Entscheidung hat das Ergo-Management aber noch nicht getroffen. So sei die Transformation der bisherigen Bestandsführungs- und Leistungs-IT das größte Problem. Es sei noch nicht entschieden, ob die Migration selbst durchgeführt werden soll oder das System extern abgelöst werde.

Klar ist hingegen, wohin das Unternehmen steuern möchte. So soll die Kostenquote von derzeit 36 Prozent auf unter 30 gesenkt werden. Bis es soweit ist, steigen die Kosten aber durch die bis zum Jahre 2021 geplanten Investitionen in Höher von einer Milliarde Euro erst einmal an. Diese Investitionen will die Ergo aber aus eigener Kraft stemmen. Die Mutter Munich Re soll keinen direkten Kapitaleinschuss leisten. Ihre Aktionäre müssen aber während der Zeit des Strategieprogramms auf eine Dividende verzichten. Schon in diesem Jahr hofft die Ergo, erste Früchte der Umstrukturierung zu ernten. Nach einem Ergebnis von Minus 40 Millionen Euro in 2016 soll 2017 mit einem Plus von 150 bis 200 Mio. Euro abgeschlossen werden. Ganz vergleichbar sind die beiden Jahre aber nicht, denn ins aktuelle Jahr hat der Konzern alle Auslandsergebnisse und die Munich Health Erstversicherung einberechnet. (usk)

Bild: Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Ergo (Quelle: usk)

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