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Ergo vollzieht die Kehrtwende und Munich Re schwächelt

10.08.2017 – wenning_riess_akGeringe Großschäden, wenige Naturkatastrophen und kaum von Menschen verursachte Schäden sorgen bei Munich Re für ein ausgeglichenes versicherungstechnisches Ergebnis zur Jahreshalbzeit, allerdings unter Vorjahresniveau. In seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz lobt Vorstandschef Joachim Wenning die Anstrengungen von Markus Rieß, der die Ergo nach Jahren wieder in profitableres Fahrwasser führt.

Insgesamt musste der Rückversicherer jedoch einen spürbaren Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr ausweisen. Dennoch alles neu bei der Munich Re: Joachim Wenning präsentiert erstmals als Vorstandsvorsitzender des weltweit größten Rückversicherers ein eigenverantwortetes Zahlenwerk im neu erbauten Tagungszentrum Raum “Europa”, das Ganze überschrieben von einem neuen Claim mit der Aussage: “We drive business as one”. Wobei “business” wörtlich zu nehmen ist, gemeint ist die Generierung von neuem Geschäft und das soll ab sofort im Einklang zwischen Erst- und Rückversicherer funktionieren, wie Wenning auf Nachfrage von VWheuteTV erläutert:

Die ersten Früchte dieses “interlocked business model” wurden bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Beispiel der Tochter Ergo deutlich. In der Vergangenheit stetiger Quell von Unruhe und Kritik, zeichnet sich nun unter der strengen Herrschaft von Markus Rieß die Trendwende ab: Nach einem Verlust von 17 Mio. Euro im Vorjahr glänzt Ergo nun mit einem Gewinn von 104 Mio. Euro, einer Steuergutschrift sei Dank. Trotz eines Rückgangs des operativen Ergebnisses von 463 auf nunmehr 260 Mio. Euro bleibt Rieß weiter optimistisch und erwartet nun einen leicht höheren Gewinn von 200 bis 250 Mio. Euro am Ende des Jahres.

Niedrige Zinsen und weitere Zuflüsse an “Alternativem Kapital” drückten indes den Gewinn der Konzernmutter. Für das Gesamtjahr geht Wenning von einem Gewinn von 2,0 bis 2,4 Mrd. Euro aus, das wäre der vierte Rückgang in Folge. Das operative Ergebnis lag im zweiten Quartal mit 1,156 Mrd. Euro unter dem des Vorjahresquartals (1,463 Mrd. Euro). Ausgelöst von Dividendenzahlungen, Aktienrückkäufen und Währungseffekten verringerte sich das Eigenkapital zum 30 Juni 2017 auf 30,1 Mrd. Euro. Die gebuchten Bruttobeiträge lagen mit 11,8 Mrd. Euro ungefähr auf Vorjahresniveau.

Der Anteil des Geschäftsfeldes Rückversicherung am Konzernergebnis belief sich im zweiten Quartal auf 629 Mio. Euro (Vorjahr: 991 Mio. Euro). Im ersten Halbjahr 2017 steuerte die Rückversicherung 1,095 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,440 Mrd. Euro) zum Konzernergebnis bei. Das operative Ergebnis betrug 896 Mio. Euro (Vorjahr: 999 Mio. Euro).

Dazu Torsten Jeworrek, zuständig für die Sparte Rückversicherung: “Wir sehen Potenzial für profitables Wachstum, nicht nur durch innovative Lösungen oder neue digitale Geschäftsmodelle, sondern auch im traditionellen Bereich. Die Versicherungslücke ist selbst in entwickelten Märkten gewaltig. Entsprechend bestehen auch im derzeitigen Marktumfeld Chancen, profitables Geschäft zu zeichnen:

Abschließend sah Wenning den Konzern “auf einem guten Weg” um die hoch gesteckten Erwartungen auch am Ende des Jahres erfüllen zu können, denn “wir sind im Konzern strategisch auf Kurs, und wir sind zu den vor einem Jahr kommunizierten Zahlen voll im Plan 2017″. Das gilt auch für Ergo, die mit einer verbesserten Schaden-Kosten-Quote von 98 Prozent (Vorjahr: 99 Prozent) punkten konnte: “Die Bandbreite der Ergebniserwartung steigt hier um 50 Mio. Euro, was aber wegen steuerlicher Einmaleffekte nicht überinterpretiert werden sollte”, so Wenning weiter. Gleichzeitig wird die Ertragserwartung in der Rückversicherung in der Sparte Leben um genau den gleichen Betrag gesenkt und damit auf Konzernebene neutralisiert:

Das alles gilt natürlich vorbehaltlich eines weiteren “normalen” Geschäftsverlaufs für das zweite Halbjahr 2017, wobei traditionell die größten Schäden erst in der zweiten Jahreshälfte auftreten: In Nordamerika steht jetzt ganz aktuell die Hurricane-Saison an, sogenannte “Landfalls” werden erwartet. (vwh/ak)

Bild: Joachim Wenning (links) und Markus Rieß (rechts) bei der Präsentation der Halbjahreszahlen in den neuen Räumen. (Quelle: Alexander Kaspar)

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