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“Die Transformation wird und muss 2018 weitergehen”

14.12.2017 – Marcus Nagel_Zurich_MV_12.2017_kleinEs ist noch nicht vorbei. Beim Kamingespräch der Zurich Deutschland stand der Vorstandsvorsitzende Marcus Nagel Rede und Antwort über das zurückliegende, aber vor allem das kommende Jahr. Die Transformation zum schnellen, innovativen und kundenorientierten Versicherer ist noch nicht abgeschlossen und führt mitunter zu Missstimmung im Unternehmen. Der CEO bekennt Farbe, auch bei seiner Wachstumsforderung im Bereich Leben.

Vor einem Kamin saßen mehrere Journalisten in bequemen Sesseln und lauschten den Ausführungen Nagels, der offen und freimütig bekannte, dass die Transformation hin zu mehr Digitalität und Kundenorientierung im Unternehmen nicht nur auf Zustimmung stößt. Mit einer Investition im dreistelligen Millionen-Bereich wird die IT modernisiert und eine neue digitale Struktur etabliert, die vom Antrag, der Schadenbearbeitung bis zur Verwaltung alle Bereiche im Konzern modernisieren soll. Ungeachtet des vernehmlichen Murrens von Teilen der Belegschaft “muss und wird die Transformation im Jahr 2018 weitgehen”. Der Chef der deutschen Zurich ist sich sicher, dass sich die Stimmung, bessern wird, wenn der “Umbau abgeschlossen ist”.

Die Lebensversicherung

Abgeschlossen ist das Kapitel klassische Lebensversicherung für die Zurich Deutschland. Die Verzinsung im Bereich der Lebensversicherung wird dennoch auf dem Niveau des Vorjahres gehalten, also bei 2,1 Prozent laufende Verzinsung und 2,7 Prozent inklusive Überschüsse. Das Geschäft werde nicht in den Run-off überführt, diesen Schritt habe man im “Jahr 2012 erwogen”, sich aber dagegen entschieden. Der Beitrag zur Zinszusatzreserve werde “etwas weniger als erwartet” sein, aber “ordentliche” und “aus eigenen Tasche” beglichen. “Klassische LV” war dann auch die Antwort des CEOs auf die Frage, was die Zurich nicht so gut könne, was zu einigen Lachern bei den Journalisten führte.

Neue digitale Möglichkeiten und Rückzug

Nach Einschätzung Nagels kann die Zurich Digitalität sehr gut. Neben der Ankündigung eines neuen Insurhack im kommenden Jahr setzt der Versicherer unter anderem auf Picsurance. Mit dieser Anwendung können Interessenten Fotos von Dingen einstellen und bekommen direkt eine passende Versicherung vorgeschlagen. Im Zuge einer besseren Schadenbearbeitung setzt die Zurich unter anderem auf Chatbots und Abwicklung per Bilderkennung. Die Bearbeitung von Schäden soll so vereinfacht und beschleunigt werden und kann laut Nagel ein “positives Kundenerlebnis” sein.

Über den Audio-Lautsprecher Alexa können Kunden bereits Berechnungen von Hausratversicherungen vornehmen, allerdings fehlt noch die direkte Abschlussmöglichkeit, die “in Arbeit sei”. Ausgebaut werden soll im Zuge der Digitalisierung die Dunkelverarbeitung. Der momentane Anteil von rund zehn Prozent beim Zurich Privat Schutz soll auf 90 bis 95 Prozent erhöht werden. Die Anstrengungen in diesem Bereich sollen im kommenden Jahr “weiter vorangetrieben und ausgebaut” werden.

Neue digitale Lösungen bei der Schadenbearbeitung, die Nutzung moderner Kommunikationsmittel wie Alexa, werden Innendienstmitarbeiter und Vertriebler bald ersetzt? Nagel winkt ab.

Persönlicher Kontakt bleibt wichtig

Der Abbau von Stellen, der im Jahr 2016 angekündigt wurde, schreitet wie geplant voran. Von den angekündigten 859 Stellen werden bis Ende 2018 noch 280 abgebaut. Darüber hinaus sei keine weitere Reduktion geplant, so der oberste Chef der Zurich Deutschland.

Aktuell sind rund 4600 Mitarbeiter beschäftigt, es waren vor wenigen Jahren über 7000. Einen Zuwachs von Arbeitskräften aus dem Ausland, den Mario Greco in Aussicht stellte, erwähnte Nagel nicht.

Nicht von Abbau bedroht scheint der Außendienst, den man stärken will. Dazu sollen größere Regionaldirektionen gebildet werden, denen sich kleinere Einheiten anschließen können. Diese Großeinheiten würden laut Nagel mit technischem Support, Geld zum Ausbau und speziellen Trainingsmöglichkeiten unterstützt, was auch den sich anschließenden Kleineinheiten zu Gute kommen soll. Einige entsprechende Pilotprojekte hätten sich “erfreulich entwickelt” und würden ausgebaut. Ein Ziel aller Vertriebsanstrengungen sei das Erreichen “junger Kunden”, um die hohe Altersstruktur der momentanen Kundenschicht nach unten zu drücken.

Eine Benachteiligung von kleinen Agenturen sei die Stärkung der größeren Regionaldirektionen nicht, denn auch “diese werden weiter unterstützt”. Generell sei der “persönliche Kontakt zum Kunden weiterhin sehr wichtig”. Als möglich bezeichnet Nagel den Verkauf von Leads an die Vertriebler, Priorität habe aber das “Zusammenbringen von On- und Offlinegeschäft”.

Vorsichtige Andeutung der Zahlen und Umzug

Gut schien das Geschäft der Zurich im bald endenden Jahr gelaufen zu sein. Wegen des Status als Aktiengesellschaft konnte und wollte der CEO keine allzu genauen Zahlen nennen, ließ aber durchblicken, dass er von einer positiven Gewinnerwartung ausgeht. Das überrascht wenig, denn die Halbjahreszahlend er Zurich waren gut, unter anderem stieg der Gewinn um 13 Prozent. Zufrieden zeigte er sich mit der Margenentwicklung und der Schadenquote, während man beim Umsatz noch nicht da sei, “wo man hinwolle”.

Mit planmäßig beschreibt Nagel die Umzugspläne der Zurich. Die Errichtung des Standorts Rheinland soll im letzten Quartal 2019 abgeschlossen sein und der Umzug dann beginnen. Am neuen Standort werden dann nach und nach die Mitarbeiter der bisherigen Direktionen Bonn und Köln zusammengefasst, insgesamt rund 2600 Mitarbeiter. Ebenso mit an Bord wird die Belegschaft der Bonnfinanz sein. Der Umzug nach Köln Deutz soll in 2020 abgeschlossen werden.

Der Standort Rhein-Main wird bereits im ersten Quartal 2018 die Mitarbeiter aus Wiesbaden, Oberursel und Frankfurt aufnehmen. Insgesamt sollen es ungefähr 1000 Personen sein, unter denen sich auch Mitarbeiter der aufgelösten Baden-Badener befinden werden.

Die Arbeitsplätze an den neuen Standorten sollen höchsten Anforderungen genügen und mit einer Vielzahl von technischen und baulichen Maßnahmen das Arbeiten in kleinen Fachgruppen erleichtern.

Erwartungen für 2018

Als sich die Journalisten bereits gedanklich auf das vorbereitete Essen oder das heimische Bett freuten, ließ Nagel ein Bömbchen platzen. Er erwartet für das kommende Jahr im Bereich Schade/Unfall- ein Wachstum “mit dem Markt”, im Bereich Leben zwischen drei und vier Prozent. Erreicht werden soll das über den Vertrieb mit der Deutschen Bank, der sich “erholt habe”, und zudem über Pensionsfonds und das Sozialpartnermodell. Die Zeichnung von Einmalgeschäft wurde von Nagel nicht ausgeschlossen.

Die für Versicherungen untypischen schnellen Vorstandswechsel der letzten Zeit wollte Nagel nicht überbewerten. Gerhard Frieg, Jörg Bolay und Alexander Libor verließen nach einer durchschnittlichen Unternehmenszugehörigkeit von drei Jahren das Unternehmen, neu dazugekommen werden aus dem eigenen Konzern Yves Betz und von der Generali Torsten Utecht.

“Wo gehobelt wird, da fallen Späne”, betonte Nagel mit Blick auf den weiteren Umbau des Konzerns im kommenden Jahr. Das “Gesamtpaket der Transformationen war gut und eine der größten Herausforderungen.” Das Jahr 2018 wird zeigen, ob der Umbau Früchte trägt. (mv)

Bild: Marcus Nagel (Quelle: mv)

Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde am 14.12.2017 leicht geändert, Absatz “Vorsichtige Andeutung der Zahlen und Umzug” und Absatz “Erwartungen für 2018″

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