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Die Klimaleiden der Versicherer

14.03.2017 – Klima_mattnadoodle_pixelioDer Klimawandel ist da und er ist ein reales Risiko für die Versicherer. Die Munich Re etwa hat ausgerechnet, dass die gesamwirtschaftlichen Schäden aus Naturkatastrophen 2016 mit 175 Mrd. US-Dollar auf den höchsten Wert seit vier Jahren gestiegen sind. Wenn der DWD heute seine Klimabilanz 2016 für Deutschland vorlegt, dürften die Unwetterereignisse im vergangenen Frühjahr voraussichtlich eine nennenswerte Rolle einnehmen.

Alleine Elvira & Co. haben die deutschen Schadenversicherer um vergangenen Jahr rund 1,2 Mrd. Euro gekostet. “Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht”, konstatierte GDV-Präsident Alexander Erdland.

Besonders schwer erwischt hat es die SV SparkassenVersicherung. Unwettertief “Elvira” sorgte im Geschäftsgebiet der SV für Schäden an rund 12.000 Gebäuden und Autos mit einem Volumen von über 100 Mio. Euro. Der Schadenaufwand für Sturmtief “Neele” beträgt 37,9 Mio. Euro. Auch den Rückversicherern Swiss Re und Munich Re machten die Launen der Natur im vergangenen Jahr besonders zu schaffen.

Auch Landwirtschaftsversicherer leiden unter dem Wettergott

Doch nicht nur die Schadenversicherer leiden derzeit unter den aktuellen Wetterphänomenen: Auch den Landwirtschaftsversicherern scheint der Wettergott heuer nicht besonders zugetan zu sein. “War bis zur Jahrtausendwende Hagel noch beinahe die einzige Bedrohung für die Landwirtschaft, hat sich die Risikolage in den letzten Jahren, besonders auch in 2016, verschärft”, konstatiert die Vereinigte Hagel auf Anfrage von VWheute.

Das Problem: “Trockenheit zur Herbstaussaat, ein milder Winter mit Auswinterungsfolgen, vor allem aber extreme Regenmengen sowie Hagelunwetter führten zu teils erheblichen Schäden in der Pflanzenproduktion. Als Versicherer haben wir festgestellt, dass die Folgen des Klimawandels durch weitere Wettergefahren zunehmend spürbar werden und vor allem Schäden durch Starkregen und Sturm zugenommen haben”, betont der Landwirtschaftsversicherer weiter.

Zudem beobachtet die Vereinigte Hagel ein weiteres Phänomen: “Wurden früher vor allem die ‘klassischen Hagelgebiete’ im Süden und Südwesten Deutschlands von Unwettern heimgesucht und sprach man andernorts von ‘hagelfreien Regionen’, wäre diese Einschätzung heutzutage grob fahrlässig. Die Statistik des letzten Jahres zeigt wetterbedingte Ernteschäden von Dithmarschen bis Oberbayern oder auch vom Rheinland bis nach Vorpommern quer durch die Republik. Zudem weisen die Wetterextreme eine höhere Frequenz auf als früher. Die Zahl der Unwettertage hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.”

2016 gehört zu den schadenträchtigsten Jahren

Dass die Naturgewalten nicht nur den deutschen Versicherern zu schaffen machen, zeigt eine aktuelle Naturkatastrophen-Statistik der Munich Re: Demnach sind die gesamtwirtschaftlichen Schäden aus Naturkatastrophen nach den Berechnungen des Rückversicherers im vergangenen Jahr deutlich angestiegen und haben mit 175 Mrd. US-Dollar den höchsten Wert seit vier Jahren erreicht. Gemessen an den inflationsbereinigten Schäden zählt 2016 gar zu den zehn schadenträchtigsten Jahren seit 1980.

Dabei hat die Munich Re nach eigenen Angaben insgesamt 750 Ereignisse als relevante Naturkatastrophen eingestuft und in die Anzahlstatistik aufgenommen. Damit lag die Anzahl deutlich höher als im Mittel der vergangenen zehn (590) bzw. 30 Jahre (470). Besonders waren die Schäden aus Naturkatastrophen in den USA und Asien, die allein 84 Prozent der weltweiten Schadenssumme ausmachen.

Besonders ins Gewicht fiel dabei der Waldbrand im kanadischen Fort Murray mit einem versicherten Schaden von 2,9 Mrd. US-Dollar. Damit gilt die Feuersbrunst als bislang teuerster versicherter Schaden in Kanada, welcher durch einen
Waldbrand verursacht wurde. Zudem verzeichnete China im vergangenen Jahr die größte Hochwasserkatastrophe seit 1998. Demnach betrug der gesamtwirtschaftliche Schaden der Hochwasser nach Angaben der Munich Re rund 28 Mrd. US-Dollar, von denen lediglich zwei Prozent versichert waren. Fast 600 Menschen waren bei den Überschwemmungen ums Leben gekommen.

Trend der Erderwärmung hält an

Dabei scheint der Trend zu wärmerem Wetter durchaus anzuhalten. Laut Deutschem Wetterdienst zählt der Winter 2016/17 mit etwa 210 Sonnenstunden (136 Prozent des Solls von 155 Sonnenstunden) zu den sonnenscheinreichsten Wintern seit dem Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1951.

Während Schleswig-Holstein gemeinsam mit Bremen im vergangenen Winter mit einer Durchschnittstemperatur von 2,6 Grad Celsius (0,9 Grad) das wärmste Bundesland war, schien die Sonne im Süden von Bayern und Baden-Württemberg mit teils mehr als 350 Stunden am längsten. Kältestes Bundesland war übrigens Bayern mit einer Durchschnittstemperatur von minus 0,1 Grad. Der deutschlandweit kälteste Ort war Reit im Winkl mit einer gemeldeten Temperatur von minus 26,3 Grad am 7. Januar 2017.

Ein weiteres Indiz für den voranschreitenden Klimawandel scheint auch die zunehmende Erwärmung der Ozeane zu sein. Laut einer aktuellen Studie hat sich das Wasser an der Oberfläche der Weltmeere seit 1997 im Schnitt um 0,12 Grad pro Jahrzehnt aufgeheizt. Allein in ihren obersten drei Metern halten die Ozeane so viel Wärme wie die gesamte Lufthülle der Erde, berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel Online.

US-Administration zweifelt am wissenschaftlichen Konsens

Nur die aktuelle US-Administration unter Donald Trump scheint von Phänomen des Klimawandels weiterhin nicht viel zu halten. So zweifelt der neue Chef der US-Imweltschutzbehörde EPA, Scott Pruitt, am wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel.

“Den menschlichen Einfluss auf das Klima präzise zu messen, ist eine große Herausforderung. Die Einschätzungen über das Ausmaß des Einflusses gehen erheblich auseinander. Ich glaube deswegen nicht, dass Kohlendioxid einer der Hauptverursacher der Erderwärmung ist, die wir erleben”, sagte er jüngst gegenüber dem US-Nachrichtensender NBC. Demnach soll das Budget seiner Behörde um ein Viertel und die Zahl der Mitarbeiter um ein Fünftel gekürzt werden. Nach Angaben der Washington Post sollen der EPA künftig nur noch nur noch 6,1 Mrd. US-Dollar zur Verfügung stehen.

Was US-Präsident Trump übrigens vom Klimawandel hält, machte er bereits 2012 über Twitter klar: Demnach sei diese Idee “von den und für die Chinesen erfunden, um der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den USA zu schaden”. (vwh/td)

Link: Topics Geo 2016 der Munich Re (PDF)

Bildquelle: mattnadoodle / pixelio.de

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

China lässt die Muskeln spielen und alle schauen zu
Nach Hochrechnungen von Allianz Research ist das globale Prämienvolumen im vergangenen Jahr auf die Rekordsumme von 3.650 Mrd. Euro (ohne Krankenversicherung) gestiegen. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug 4,4 Prozent. Bemerkenswert ist, von dem Prämienzuwachs von rund 150 Mrd. Euro entfiel fast die Hälfte, 70 Mrd. Euro, auf China.


Helvetia profitiert von Übernahmen

Die Helvetia Gruppe steigerte das Ergebnis aus ihrer Geschäftstätigkeit im Jahr 2016 um zwölf Prozent auf 492 Mio. Schweizer Franken nach Steuern. Im Ergebnis sind Synergien aus den Übernahmen von Nationale Suisse und Basler Österreich in der Höhe von 118 Mio. Schweizer Franken enthalten. Das Geschäftsvolumen stieg leicht um 2.6 Prozent auf 8,513 Mrd. Schweizer Franken.

“Verpflichtende Betriebsrente ist gefährlich”
Am letzten Freitag ging das Gesetz zur Stärkung der Betriebsrenten in die erste Lesung des Bundestags. Während für die GroKo ein “historischer Moment” erreicht ist, hält die Linke eine “Pokerrente für ehrlicher”. Longial-Geschäftsführer Michael Hoppstädter sieht vor allem in der Anhebung der Lohngrenze für Geringverdiener den richtigen Schritt, um über die zusätzlichen Förderungen noch mehr Arbeitnehmer im unteren Einkommensbereich zu erreichen.

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