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“Die Fantasien der Märkte sind uns zugute gekommen”

12.06.2017 – Donnet Feth - quelle fethDie Generali hat einen Ruf zu verlieren. Ob Rückschläge an der Börse oder Übernahmegerüchte – nicht immer wirkte der Versicherer aus Triest in den vergangenen Monaten unangreifbar. Und doch ist CEO Philippe Donnet von der inneren Stärke des Unternehmens überzeugt. Im Interview mit der Versicherungswirtschaft spricht er über erste Früchte seines Stärkungsprogramms und internationale Fußabdrücke. Deutschland spielt eine tragende Rolle.

Bei allem Wind, den seine Entourage entfacht, bleibt Philippe Donnet, seit März 2016 Vorstandschef der internationalen Generali-Group, bescheiden. Effekthascherei ist nicht die Sache des 56-jährigen Franzosen, der als erster Nicht-Italiener an der Führungsspitze des Triester Traditionshauses steht.

Der Manager bekennt sich zur Expansion und der Eroberung neuer Märkte. Dass er mit dieser Positionierung auf interne Widerstände stößt, ist nicht überraschend. Die Bewahrer der “Italianità” des Triester Löwen haben versucht, den Manager seit seinem Amtsantritt systematisch auszubremsen.

In den Führungsgremien, so ist zu hören, kam es immer wieder zu Konflikten; so dürfte auch der Rücktritt des Generali-CFO Alberto Minali Ende Januar im Zusammenhang mit diesem Kapitel stehen.

Indes gilt Generali traditionell als einer der Hauptfinanziers des italienischen Staates. Kaum ein Infrastrukturprojekt oder Investitionsfond der öffentlichen Hand kommen ohne die Finanzkraft der mächtigen Assekuranzgruppe aus. Zumindest die nationale Systemrelevanz ist geblieben. Gerade in der Politik gibt es ein erhebliches Interesse daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Am Rande einer internationalen Generali-Tagung in Rom haben wir mit Donnet gesprochen.

Versicherungswirtschaft: Herr Donnet, Sie sind seit nun über einem Jahr Vorstandschef eines der führenden Versicherungsunternehmen weltweit. Wie lautet Ihre persönliche Bilanz?

Philippe Donnet: Ich bin sehr zufrieden. Wie Sie wissen, wurde ja ein ehrgeiziges Programm zur wirtschaftlichen Stärkung unseres Unternehmens entwickelt, der sogenannte „Industrial Strengthening Plan“. Es geht dabei um unsere Führung auf operativem Gebiet (leadership in operating performance) und um langfristige Wertschöpfung (long-term value creation). Mit der Implementierung wurde im April 2016 begonnen, aktuell befinden wir uns etwa in der Halbzeit. Und da liegen wir erfreulicherweise voll im Plan.

Versicherungswirtschaft: Welche Hauptaufgaben erwarten Sie in naher Zukunft? Was sind die wichtigsten Projekte und Aufgaben?

Philippe Donnet: Da gibt es sechs Punkte, an denen wir arbeiten. Wir wollen unseren internationalen Fußabdruck optimieren; wir konzentrieren uns auf diejenigen Märkte, auf denen wir eine relevante Größe, profitables Geschäft und hohe Wachstumsaussichten haben. Wir sind dabei, unsere operative Funktionsweise zu rationalisieren, d.h. Restrukturierung, Integration und Vereinfachung unserer Strukturen, um signifikant Kosten zu sparen.

Damit verbindet sich die Verstärkung unserer technischen Möglichkeiten, etwa eine Neuaufstellung unserer traditionellen Produktpalette. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch eine neue Ausgewichtung unseres Portfolios: Wir wollen unsere Einnahmen und Profitquellen stärker diversifizieren, etwa auf dem Gesundheitssektor wachsen und unser Asset Management ausweiten. Für unsere Kunden und Agenten schaffen wir derzeit eine neue digitale Plattform, um dem heutigen Nutzungsverhalten Rechnung zu tragen. Last but not least sind wir dabei, unseren Markennamen international zu stärken und noch sichtbarer zu machen.

Versicherungswirtschaft: Der Generali-Konzern hat 2016 nach eigenen Angaben das beste Ergebnis seiner Geschichte erzielt. Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Philippe Donnet: Das sind die Früchte unseres Programms, mit dessen Ausführung wir genau im Zeitplan liegen. Allein die Optimierung unserer internationalen Geschäftsstrukturen hat uns eine Milliarde Euro zusätzlich eingebracht. Das Einsparungsziel von 200 Mio. Euro durch die Rationalisierung unserer operativen Strukturen haben wir von 2019 auf 2018 vorgezogen. Und auch unsere Neujustierung im Asset Management geht schneller voran als erwartet.

Versicherungswirtschaft: … was hat man sich darunter vorzustellen?

Philippe Donnet: Wir wollen den Fokus stärker auf institutionelle Anleger richten. Eine wichtige Zielgruppe ist dabei auch die Versicherungswirtschaft, die gerade in Zeiten niedriger Zinsen eine hochspezialisierte Investmentpolitik braucht − und dafür stehen wir. Wir werden ja auf den Kapitalmärkten auf längere Zeit mit niedrigen Zinsen leben müssen.

Versicherungswirtschaft: Der Name Generali scheint die Phantasien der Börsianer seit jeher zu beflügeln. Immer wieder wird wild über Fusionen oder Übernahmen spekuliert. Erst Anfang des Jahres wurde die Branche durch die Übernahmeabsichten der Banca Intesa Sanpaolo aufgeschreckt. Ist die Sache ausgestanden?

Philippe Donnet: Nun, die Fantasien der Märkte sind uns ja letztlich zugute gekommen. Aber das ist eine “causa finita”. Wir hatten ja definitiv keinerlei Gespräche mit Intesa Sanpaolo geführt, sondern von deren Absichten nur aus den Medien erfahren. Und was da zu lesen war, machte nicht gerade viel Sinn. Wir brauchen keine Bank, die uns das Versicherungsgeschäft erklärt.

Versicherungswirtschaft: In Ihrer Zeit hat sich die Gruppe von einigen Tochterunternehmen im Ausland getrennt. Sie setzen, wie schon erklärt, auf eine geographische Fokussierung des Kerngeschäfts: Was bedeutet das für Generali Deutschland?

Philippe Donnet: Deutschland ist – international gesehen – einer unserer wichtigsten Märkte: Rund 23 Prozent unserer weltweiten Prämieneinnahmen von mehr als 70 Mrd. Euro kommt aus dieser Ländergesellschaft. Auch in Zukunft wird Deutschland eine wichtige Rolle spielen. Dank der strategischen Neuausrichtung, die wir vor rund zwei Jahren eingeleitet haben, konnte die Generali in Deutschland ihr Operating Result im vergangenen Geschäftsjahr auf 847 Mio. Euro steigern.

Das Fragen stellte VW-Korrespondent Michael Feth.

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Philippe Donnet, CEO Generali (links), und Michael Feth, VW-Korrespondent (Quelle: mf)

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