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Cyber-Markt ist “auf der Anbieterseite sehr dynamisch”

13.09.2017 – oliver_schulze_gothaerCyber-Angriffe gehören inzwischen auch für kleine oder mittelständische Unternehmen (KMU) zu den größten Risiken. Dennoch ist die Versicherungsdichte laut aktueller KMU-Studie der Gothaer noch sehr gering. “Der Markt entwickelt sich momentan auf der Anbieterseite sehr dynamisch, auf der Nachfrageseite ist dies noch nicht gleichermaßen der Fall”, konstatiert Oliver Schulze, Produktmanager Financial Lines, gegenüber VWheute.

VWheute: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Versicherer im Bereich Cyber-Versicherung?

Oliver Schulze: Für uns als Versicherer liegt eine zentrale Herausforderung darin, den Risiko-Erfassungsprozess – auch im Interesse unserer Kunden – so schlank wie möglich zu halten ohne aber wesentliche Informationen über das zu versichernde Unternehmen außer Acht zu lassen, die zur Risikoeinschätzung erforderlich sind.

Des Weiteren gilt es, in naher Zukunft eine bessere Vergleichbarkeit der auf dem Markt erhältlichen Versicherungskonzepte zu schaffen, damit Vermittler und Kunden Angebote vergleichen und deren Versicherungsumfang besser beurteilen können. Ebenso müssen sich die Produkte noch mehr an die individuellen Gegebenheiten wie Unternehmensgröße und Sicherheitslevel anpassen.

Dies sehen wir zum einen hinsichtlich der Prämiengestaltung und zum anderen hinsichtlich des Versicherungsumfangs, der sicherlich für einen kleinen Gewerbetreibenden anders zu gestalten ist als für ein Großunternehmen, als wichtig an. Für das versicherte Unternehmen sollte darüber hinaus im Vorfeld klar sein, welchen technischen Standard hinsichtlich der Cyber-Security es über die Dauer des Versicherungsvertrages vorhalten muss.

VWheute: Gibt es Herausforderungen für Unternehmen in diesem Kontext?

Oliver Schulze: Ja, auf jeden Fall. Laut unserer aktuellen Gothaer KMU-Studie 2017 sehen über ein Drittel der befragten 1.000 kleinen und mittelständischen deutschen Unternehmen Cyber-Gefahren wie Hackerangriffe, Trojaner oder Datendiebstahl als eine der größten Bedrohungen an. 35 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass ihr Unternehmen von einem solchen Ereignis konkret betroffen sein könnte.

Dennoch gibt es bei den möglichen Vorsichtsmaßnahmen noch deutliche Lücken: Jedes fünfte befragte KMU verzichtet beispielsweise auf die Installation eines Virenschutzprogramms, jedes Vierte hat immer noch keine Firewall und sogar ein Drittel führt keine professionelle Datensicherung durch. Dies verdeutlicht, dass im Besonderen kleine und mittelständische Unternehmen die Gefahren aus Cyber-Angriffen scheinbar noch nicht in ausreichendem Maße wahrnehmen und nicht entsprechend vorbeugen.

Es besteht also bei vielen Unternehmen noch deutlicher Entwicklungsbedarf. Hierbei ist zu beachten, dass ein nicht oder nur schlecht geschütztes Unternehmen eher Schwierigkeiten haben wird, sich mit einer passenden Cyber-Versicherung zu versorgen, als eines, welches in diesem Bereich bereits gut aufgestellt ist. Die großen Unternehmen sind bei den Schutzmaßnahmen gegen solche Angriffe größtenteils bereits deutlich weiter.

VWheute: Welches Potenzial sehen Sie bei Cyber-Versicherungen?

Oliver Schulze: Eine Cyber-Versicherung haben laut unserer Gothaer KMU-Studie bislang nur neun Prozent der Unternehmen abgeschlossen. Der Markt entwickelt sich momentan auf der Anbieterseite sehr dynamisch, auf der Nachfrageseite ist dies noch nicht gleichermaßen der Fall, obwohl insbesondere nach der WannaCry-Attacke eine deutlich höhere Nachfrage spürbar ist. Ich bin davon überzeugt, dass Cyber-Risiken schon heute eines der wichtigen zu versichernden Risiken sind.

Dies wird sich sicher mittelfristig auch im Kaufverhalten der Unternehmen niederschlagen. Möglicherweise wird sich auch die Produktwelt dahingehend noch anpassen, dass die reine Versicherung des Cyber-Risikos nur ein Baustein in einer ganzheitlichen Absicherung von Unternehmen gegen alle Risiken aus diesem Bereich sein wird. Dann könnte der Kunde gleichzeitig mit einer Versicherung auch Zusatzleistungen wie Mitarbeiterschulungen, Prävention oder auch eine dauerhafte, professionelle Überwachung seiner Systeme einkaufen.

Bild: Oliver Schulze, Produktmanager Financial Lines – Spezialprodukte bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG, spricht heute auf der MCC-Konferenz Cyber Risks 2017 in Bonn. (Quelle: Gothaer)

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Versicherer und Ermittler gemeinsam gegen Cyber-Crime
Als Teil der Kritischen Infrastrukturen muss die Assekuranz spätestens 2018 weitreichende Anforderungen an die Sicherheit ihre IT-Systeme erfüllen wie etwa die Prävention vor externen und internen Angriffen. Doch dabei allein soll es nicht bleiben. In Düsseldorf wurde am Dienstag ein bundesweit bisher einzigartiger Krisenplan vorgestellt. Damit wollen die Versicherer künftig bei Cyber-Angriffen enger mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten.

“Starke Nachfrage im Bereich der Cyber-Policen”
Der Schutz gegen Cyberattacken scheint bei immer mehr Unternehmen eine wichtige Rolle zu spielen. “Wir sehen eine starke Entwicklung und Nachfrage im Bereich der Cyber-Policen”, konstatiert Lucas Will von Marsh gegenüber VWheute. “Wir beobachten, dass derzeit viele Unternehmen intensiv damit beschäftigt sind, ihre Cyber-Risiken zu quantifizieren und zu analysieren, um die Grundlagen für ein effektives Cyber-Risikomanagement zu schaffen”.

Allianz denkt über Kfz-Rabatte für Autonomes Fahren nach
“Wer oft so fährt, dass die Systeme die Fahrzeugsteuerung übernehmen, könnte einen günstigeren Tarif bekommen”, sagt Joachim Müller, Vorstand der Allianz Sachversicherung. In einer möglichen Zukunft will das Unternehmen Kunden mit Rabatten für autonomes Fahren belohnen. Bis dorthin, schicken die Münchener eine neue, computeranimierte Werbefigur ins Rennen um wechselwillige Kunden.

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