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Coya: “Wir starten nicht, um uns aufkaufen zu lassen”

06.12.2017 – muenkelCoya setzt sich hohe Ziele. Das Start-up will nach eigenen Aussagen zum führenden internetbasierten Versicherer Europas heranwachsen. Selbstbewusst prescht auch dessen Vorstandschef Thomas Münkel nach vorne. Der Green-Field-Project-Experte sieht aktuell keinen Player, der diesem Platz nur nahe kommt. Ein Top-Investor aus dem Silicon Valley habe sich bereits engagiert. Im Interview spricht der CEO über unternehmerische Ambitionen.

VWheute: Klingt es nicht ein wenig überheblich, wenn Sie sagen, als erstes Unternehmen die Technologien des 21.Jahrhunderts einzusetzen?

Thomas Münkel: Das mag tatsächlich etwas provokant formuliert sein. Es gibt heute in der Versicherungslandschaft sicher schon sehr gute moderne IT-Systeme. Deren Basis entstand aber vor fünf bis zehn Jahren. Heute gibt es weiter entwickelte Technologien, die neue Möglichkeiten für IT-Kernsysteme eröffnen. Die Tatsache, dass sich einer der Top-Investoren aus dem Silicon Valley stark bei Coya engagiert hat, sehe ich als Bestätigung dafür, dass unser Technologieansatz spannend ist.

VWheute: Sie haben bei Investoren zehn Mio. Euro eingesammelt. Mit welchen Argumenten haben Sie die knallharten Rendite-Jäger überzeugt?

Thomas Münkel: Da gibt es mehrere Aspekte. Investoren schauen zunächst vor allem auf die Qualität des Teams, dann auf die angedachten Technologien und natürlich auf das geplante Geschäftsmodell. Wir haben ein erfahrenes und sehr ambitioniertes Team. Andrew Shaw und weiteren Teammitgliedern ist es bereits in der Vergangenheit gelungen, ein Fintech schnell und erfolgreich zu starten und auch schnell zu skalieren.

Andere Kollegen hatten bereits eigene erfolgreiche Start-ups oder waren Entwickler in einigen der führenden deutschen Start-ups. Unser Data Science Team hat schon in der Vergangenheit innovative Algorithmen für die Finanzbranche entwickelt und in der Praxis umgesetzt. Auch auf der Versicherungsseite konnten wir hervorragende Experten gewinnen. Außerdem würdigen die Investoren unseren Ansatz, einen eigenen Risikoträger aufzubauen und auf der Kundenseite neue Wege zu gehen. Unsere Investoren wissen, dass Versicherung ein langfristiges Investment ist.

VWheute: Können Versicherer persönlich sein?

Thomas Münkel: Ich bin seit Jahrzehnten begeistert von dem Thema Versicherung. Was unserer Branche allerdings in all den Jahren kaum gelungen ist, ist die Bedeutung des Produkts Versicherungen positiv in das Bewusstsein der Kunden zu bringen. Versicherung wird meist mit einem Problem assoziiert. Überspitzt formuliert, „Keiner will es, jeder braucht es“.

Auch erklärt der Versicherer sein Produkt dem Kunden nicht direkt. Das überlässt er fast immer dem Vermittler. Mit der Digitalisierung aber haben wir die Möglichkeit, unmittelbar und sehr individuell mit vielen Kunden gleichzeitig in Kontakt zu treten. Das geht in einer Intensität und Geschwindigkeit, die früher undenkbar war. Umgekehrt ist das Unternehmen durch den Kunden stärker gefordert. Unser Anspruch ist es, nicht nur im Notfall, sprich Schadenfall zu helfen, sondern ihn darüber hinaus in bestimmten Situa­tionen im Alltag zu begleiten.

VWheute: Wie bereitet sich Coya auf den offiziellen Geschäftsstart vor?

Thomas Münkel: Wir wollen als kompletter Versicherer starten. Daher gibt es tausend Dinge zu beachten. Auf der technischen Seite machen wir uns – neben dem Aufbau der Infrastruktur –Gedanken über die Gestaltung unserer Angebote. Auch die Anforderungen auf der regulatorischen Seite sind sehr anspruchsvoll. Wir müssen qualifiziertes Personal, z.B. für die Key Functions, vorhalten.

Eine der schwierigsten Aufgaben ist es, die richtigen Leute an Bord zu holen. Wir wollen natürlich auch auf der Kostenseite Maßstäbe setzen, d.h. mit möglichst wenig Personal auskommen. Gerade deshalb sind die Qualität der Mitarbeiter und deren Motivation so wichtig. Unsere interne Sprache ist Englisch, weil unsere Leute über Grenzen hinweg arbeiten und in vielen europäischen Regionen ansässig sind und nicht nur vor Ort hier in Berlin.

VWheute: Was sind für Sie in der Gründungsphase die größten Baustellen?

Thomas Münkel: Wir brauchen schnell die richtigen Mitarbeiter. Die Technologie muss funktionieren, und die Produkte müssen beim Start die Kunden wirklich überzeugen. Hinzu kommt die Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen. Wir müssen sicherstellen, dass wir unter Solvency II-Maßstäben genügend Kapital vorhalten. Stellen Sie sich uns als Großbaustelle mit vielen Gewerken vor. Sie müssen sehen, dass alles ineinandergreift und gleichzeitig koordiniert abläuft. Gleichzeitig brauchen wir Improvisationstalent und Mitarbeiter, die anpacken können.

VWheute: Wenn Sie wachsen, brauchen Sie mehr Kapital. Wie sorgen Sie da vor?

Thomas Münkel: Zum einen haben wir Investoren, die si­gnalisiert haben, dass sie großes Interesse daran haben, langfristig beteiligt zu bleiben. Gerade aufgrund der Anforderungen durch die Bafin wird es auch in diesem Jahr noch eine weitere Finanzierungsrunde geben, in der wir zusätzliche Investoren ansprechen. Was wir nicht wollen, ist ein strategischer Investor, wie zum Beispiel Versicherungsgesellschaften.

VWheute: Es gibt InsurTechs, die machen sich „schön“, um dann, wenn sie erfolgreich sind, sich aufkaufen zu lassen. Ist das auch Ihr Ziel?

Thomas Münkel: Nein, das ist sicher nicht unser Ziel. Wir betreiben ein langfristiges, nachhaltiges Geschäftsmodell. Das wissen und unterstützen auch unsere Investoren.

VWheute: Sie haben sich sicher Ziele für 2018 gesteckt. Wo wollen Sie am Jahresende stehen?

Thomas Münkel: Eines unserer Ziele ist selbstverständlich, im Laufe des nächsten Jahres die Zulassung zum Geschäftsbetrieb zu erhalten, um danach erfolgreich in den Markt einsteigen zu können. Das hängt dann auch davon ab, wie gut unser Marktauftritt vorbereitet ist. Über genaue Termine will und kann ich jetzt nicht spekulieren. Das hängt u.a. von der Intensität des Prüfungsverfahrens bei der Bafin ab. Allein der Lizenzantrag umfasste rund 1.000 Seiten. Wir sind zwar kein großer Versicherungskonzern, dennoch sind die Basis­anforderungen genau so umfangreich. Das dürfte einer der Gründe dafür sein, dass es bisher noch nicht so viele Start-ups gibt, die es wagen, als neue Risikoträger aufzutreten.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bild: Thomas Münkel, Vorstandsvorsitzender Coya (Quelle: Coya)

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