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Contenance: Wie die Gesten der Bosse wirken

27.06.2017 – chubb_nyseEin nach oben gerichteter Daumen, die geballte Faust oder eine Führungskraft, die in der Konferenz da steht, wie Cristiano Ronaldo beim Freistoß: Häufig erkennt man das Gemüt eines Managers anhand seiner Gesten. Auch die Versicherungschefs senden ständig nonverbale Signale aus – allerdings nicht immer zu ihren eigenen Gunsten. Casus knacksus sind die Hände.

Bestes Beispiel: Das folgenschwere Victory-Zeichen von Ex-Bankchef Josef Ackermann vor Gericht. “Von einer Führungskraft wird verlangt, dass sie führt – vor allem in Extremsituationen. Hier ist Besonnenheit gefragt”, betont Martina Kloepfer. “Für große börsennotierte Unternehmen kann ein unbedachtes Wort oder eine emotionale, spontane Geste große Folgen haben. Das kann vom Imageschaden bis zu Verlusten am Aktienmarkt reichen.”

Stärke und Macht werden vor allem über den Körper vermittelt. Forscher führen das darauf zurück, dass sich die Sprachfähigkeit des Menschen vor etwa 1,5 Millionen bis 40.000 Jahren herausbildete. “Die stille Kommunikation von Mimik und Gestik, die seit Menschengedenken vorhanden ist, hat einen Vorsprung gegenüber dem gesprochenen Wort”, betonte Emotionscoach Dirk W. Eilert unlängst in der Wirtschaftwoche. “Die vielen, meist subtilen nonverbalen Signale, die wir tagein, tagaus senden, formen und prägen die Wirkung, die wir auf andere Menschen haben – meist unbemerkt.”

Ob Nervosität, Überlegenheit oder Verschlossenheit: Auch die Versicherungslenker senden nonverbale Signale aus – allerdings nicht immer zu ihren eigenen Gunsten. Evan Greenberg zum Beispiel ballte seine Fäuste  2015 vor Freude etwa so stark, als Ace für 28 Mrd. Euro den Traditionsversicherer Chubb samt Namen übernommen hatte, dass er auf den späteren Bildern wie vom Machtrausch befallen wirkte.

furtwaengler_bnpDavid Furtwängler dagegen zeigte sich im Rahmen eines Gesprächs mit dem Business- und Management-Magazin Versicherungswirtschaft weniger aufgeregt. Besonnen schilderte der Deutschland-Chef der BNP Paribas Cardif seine Anliegen, als er über Geschäftspotenziale in der Restkreditversicherung und neue Wettbewerbsfaktoren sprach.

Viel Zeit, um Sympathiepunkte beim Gegenüber zu sammeln, haben die Manager allerdings nicht. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge werden 95 Prozent des ersten Eindrucks von einem Menschen von Aussehen, Haltung, Gestik und Mimik, Sprechgeschwindigkeit, Stimmlage und Dialekt bestimmt. Nur fünf Prozent von dem, was jemand tatsächlich sagt. Die Einschätzung der betroffenen Person erfolgt in einem Zeitraum von weniger als einer Sekunde.

stadler_vigDiesem Anspruch muss auch die Vienna-Insurance-Group-Chefin Elisabeth Stadler als eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Versicherers gerecht werden. Problematisch sei das nach Angaben der gebürtigen Niederösterreicherin nicht. So passt es im wahrsten Sinne des Wortes ins Bild, dass sie sich für die Medien mit gefalteten Händen ablichten lässt – Experten zufolge ein Zeichen für Souveränität und Überlegenheit.

immo_querner_talanxImmo Querner seinerseits zeigt sich in der Öffentlichkeit gerne als bedachter Kapitalanlage-Stratege, der Risiko/Chancen-Verhältnisse immer genauestens abwägt. In Gesprächen tritt der Chief Financial Officer der Talanx-Gruppe in gerader, leicht nach vorne gebeugter Haltung auf; die Hände sind deutlich sichtbar und entspannt beieinander. Vorsicht jedoch ist bei Gegenständen in den eigenen Händen geboten.

Experten deuten etwa das Spiel mit dem Kugelschreiber als Zeichen für Nervosität. Und diese wäre in einer Branche, wo es darum geht, Sicherheit zu geben und Güter zu schützen, sicherlich fehl am Platz. (mst)

Mehr zum Thema erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bildquellen: NYSE, BNP Paribas, Sebastian Reich, VIG, Talanx

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