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Cobol gegen Scrum: Versicherer bieten Insurtechs die Stirn

13.10.2017 – Boxer_FotoliaEin Versicherungsunternehmen mit Bafin-Lizenz zu gründen, ist nicht trivial. Das Insurtech “Element” hat das vollbracht – mithilfe erfahrener Versicherungsmanagern, die die Seiten wechselten. An die seltsamen Namen Ottonova, Coya und Flypper wird man sich gewöhnen. Es scheint, dass die Branche ohne Insurtechs die Digitalisierung nicht schafft. Dabei zeigt ein Blick in das IT-Innenleben der Axa, dass auch etablierte Versicherer die kreative Zerstörung vorantreiben.

“Wir sind natürlich IT-mäßige Dinosaurier”, bekannte zum Beispiel SDK-Chef Ralf Kantak auf dem Stuttgarter Versicherungstag. Schließlich sitzen die großen Riesen auf IT-Systemen aus den 1970er Jahren, die auf den Namen Cobol hören. Was fast nach einem Hausgeist klingt ist die Abkürzung für Common Business Oriented Language, eine Programmiersprache aus den 1950er Jahren, Kantak nennt sie eine “Altlast”.

Die wendigen Start-ups hingegen arbeiten in der Cloud, sie setzen alle und erfolgreich Lean Start-up oder Scrum ein. Benutzerfreundlichkeit sowie schlanke und schnelle Entscheidungswege gehören zu ihrer DNA, Durchstarten statt Altlasten – so lautet der Nimbus um die Neuen im Markt. Können die Insurtechs, was andere im Markt nicht können?

“Ich möchte Software schreiben, die Menschen benutzen”, sagt André Kuntze. Seit dem Jahr 2000 arbeitet der Kölner in der IT der Axa, erst als Fachinformatiker, dann studierte er auf dem Ticket des französischen Versicherers weiter. Inzwischen Scrum Master in einem sechsköpfigen Team, entwickelte er u.a. für die Axa-Tochter DBV das Portal Fit4Ref.de, ein Portal für Lehramtsreferendare, oder Axa Smartschutz, eine Handyversicherung. Von Scrum zum ersten Mal gehört hat Kuntze allerdings nicht bei der Axa, sondern während des Studiums. Dort bekamen Entwicklerteams schon vor der Insurtech- Welle mehr Beinfreiheit und durften sich in agilem Projektmanagement versuchen. Seit über fünf Jahren setzen die Axa-Entwickler dabei auch Scrum ein.

Hindern die Gravitationskräfte des Konzerns die Axa-Entwickler-Teams beim Start der digitalen Rakete? Informatiker Kuntze gibt zu: “Bei der Produktentwicklung auf der grünen Wiese ist es durchaus ein Vorteil, mit einem ganz neuen IT System, einem ganz neuen Methoden-Set beginnen zu können.” Doch auch Erfahrung dürfe nicht unterschätzt werden, meint Kuntze. “Gerade erfahrene Kollegen bringen in die Arbeit mit neuen Entwicklungsmethoden noch einmal ganz neue Impulse ein.”

Warum die Axa für Programmierer sexy ist

Wie die Axa versucht, ihre Digitalisierung anzuschieben? “Wir haben verschiedene Innovationseinheiten wie Transactional Business, Innovation Campus, bei dem wir mit Start-ups zusammenarbeiten und das Data Innovation Lab”, sagt Kuntze. Zum Teil wurden diese bewusst ausgegründet, um den Digitaltöchtern in einer anderen Organisationskultur mehr Beinfreiheit zu erlauben. Zwar beeinflussen 97 Prozent solcher Digital Innovation Units die digitale Transformation von Unternehmen, das belegt eine Studie der Beratungsfirma Infront und der Zeitschrift Capital. Doch stellen nur 15 Prozent dieser Unternehmenseinheiten die treibende Kraft der Digitalisierung dar. Auch Axa-Entwickler Kuntze sieht die größte Bewegung an anderer Stelle.

“Die eigentlich interessante Wandlung sehe ich jedoch darin, dass die Leute überall bei Axa viel stärker iterativ arbeiten und dem Kunden etwas vorstellen möchten, um sich ein Feedback zu holen”, sagt Kuntze. “In den letzten anderthalb Jahren kommt das immer mehr – da nehme ich Axa breit gefächert als innovativ wahr.” Das Unternehmen, welches Sicherheit immerhin zum Kerngeschäft hat, traue sich, auch den Kunden gerade so funktionsfähige, sogenannte Minimum Viable Products (MVPs), vorzuzeigen – und das nicht nur in den ausgegründeten “Innovations-Leuchttürmen”.

Diesen Kulturwandel versucht die Axa aktiv zu gestalten, konzernweit wurde hierzu ein “New Way of Working” ausgerufen, der nicht nur Änderungen in der Arbeitsorganisation, sondern auch einige Büro-Umbauten beinhaltet. Die “neue Arbeitswelten” bestehen auch – aber nicht nur – aus Einzelarbeitsplätzen. Sie bieten zudem Kommunikationsflächen und Stillarbeitsbereiche, Homeoffice garantiert die Axa ihren Mitarbeitern an bis zu zwei Tagen. “Einfach mal ausprobieren, testen und daraus lernen zu dürfen”, sei der Grund, sagt Kuntze, der ihn als Entwickler bei dem Versicherungskonzern schon so lange halte (siehe KÖPFE & POSITIONEN). (de)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Oktober-Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Fotolia

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