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Catch me if you can: Huk baut Vorsprung zur Allianz aus

05.04.2017 – Auto rike pixelioEinst hatte der Branchen-Primus der Assekuranz mit der Einführung der Wegfahrsperre die gesamte Autobranche und sogar die Verkehrspolitik umgekrempelt. Heute hechelt die Allianz erfolglos seinem Erzrivalen Huk-Coburg in der Kfz-Sparte hinterher – auf fast drei Millionen versicherte Autos ist die Kluft inzwischen angewachsen. Einzige Hoffnung versprechen Telematik-Tarife, doch selbst da scheinen die Oberfranken die Nase vorn zu haben.

2016 ist der Bestand der Huk-Coburg um fünf Prozent auf 11,2 Millionen Fahrzeuge angestiegen, die Allianz verharrt unverändert bei 8,3 Millionen versicherten Autos. Die Oberfranken sprechen vom “besten Neugeschäft der Unternehmensgeschichte” (siehe UNTERNEHMEN & MANAGEMENT). Allerdings stieg die Schaden-Kostenquote auf 101 Prozent – was u.a. auf eine Verteuerung von Fahrzeugteilen zurückgeführt wird. Zudem verzichtete die Huk 2016 auf eine Anhebung des Beitragsniveaus.

Nicht überraschend, denn der Kfz-Markt ist hart umkämpft, alljährlich wechselt eine Millionenschar von Autofahrern ihren Versicherer. Die Einnahmen in der Kfz-Versicherung liegen derzeit bei 26 Mrd. Euro, 2010 waren es knapp 20 Mrd. Euro. In diese Richtung könnte es wieder gehen, wenn sich die Mobilitätskultur durch die digitale Technik verändert. Die Eckpfeiler des Geschäfts, die Kundenschnittstelle und die Datenkompetenz werden angegriffen. Vor allem entstehen weniger Unfälle durch Carsharing und Assistenzsysteme – dafür höhere Kosten für Versicherer.

Nun sollen die Telematik-Tarife die Branche retten. “Alles muss auf dem Smartphone funktionieren, sonst bauen wir es nicht mehr”, kündigte Manfred Knof an. 2016 hat der Deutschland-Chef der Allianz einen Telematik-Tarif (“Bonus-Drive”) für Fahrer bis 29 Jahre eingeführt. Man erhoffte sich 20.000 bis 25.000 Kunden im ersten Jahr. 21.000 sind es am Ende geworden – laut Knof ist die Allianz damit Marktführer in diesem Bereich. Die Huk-Coburg ihrerseits hat mit dem “Smart Driver” bis 25 Jahren erst 10.000 Kunden, den Telematik-Tarif aber später eingeführt. Auch der im April 2016 gestartete Unfallmeldedienst verzeichnet bei der Huk mittlerweile über 50.000 Kunden, die Allianz verkaufte nicht mehr als 10.000 Stück, berichtete VWheute.

Seit 16 Jahren sind die Oberfranken mit dem Online-Versicherer Huk24 auf dem Markt, die Verwaltungs- und Vertriebskosten sind deutlich niedriger als bei der Allianz. Doch das bedeutet nicht, dass das Kfz-Geschäft, vor allem mit Telematik, ein Selbstläufer wird. Beide Schwergewichte zählten nicht zu den ersten Versicherern, die 2016 einen derartigen Tarif auf den Markt gebracht haben, aber die größten, die das Produkt endgültig zu ihrem Durchbruch verhelfen sollten. In den meisten europäischen Ländern haben sich Telematik-Produkte nicht durchgesetzt, nur Großbritannien und Italien verbuchen Erfolge.

Allianz und Huk setzen bislang auf junge Fahrer – für Experten ein Indiz, dass Versicherer befürchten, ihnen könne die Prämieneinnahmen wegbrechen, wenn in Massen vorsichtig gefahren wird und alle nur von Rabatten profitieren. Diese Rabatte müssen irgendwie finanziert werden, sodass auf lange Sicht die Preise für Telematik-Tarife steigen werden, lautet stets die Argumentation beim Bund der Versicherten.

Die VHV bietet den Tarif unabhängig vom Alter an, bislang ist der Absatz enttäuschend. “Das Produkt ist erklärungsbedürftig”, sagte VHV-Vorstand Thomas Voigt. Keine guten Voraussetzungen also für einen Bestseller. (dg)

Bildquelle: Rike / PIXELIO / www.pixelio.de

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