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Bootet die Debeka systematisch Makler aus?

17.07.2017 – Debeka_HVDer Koblenzer Versicherer Debeka warnt Kundin eines Maklers in einem Schreiben vor den Folgen einer Maklervollmacht. Für Anwalt Jürgen Evers ist der Brief “nicht vertretbar” und Anlass, “die Bafin zu kontaktieren”. Der Versicherer spricht von einem einmaligen Fehler, der Versicherungsmakler von Diffamierung seines Berufsstandes. Es steht Wort gegen Wort.

Ein offener Brief an den Debeka-Vorstandsvorsitzenden Uwe Laue erreichte die Redaktion. Der Versicherungs- und Finanzmakler Christopher Schätzl beschwert sich darin über das Vorgehen der Debeka gegenüber einem seiner Kunden. In dem Brief, der VWheute vorliegt, heißt es: “(…)mit Schreiben vom 10.07.2017 “warnt” Ihr Haus unsere Mandantin geradezu vor angeblichen Folgen, die eine uns gegenüber erteilte Vollmacht haben könnte.”

Und tatsächlich könnte man das Schreiben so interpretieren. Die Koblenzer schreiben: “Die Vollmacht beinhaltet, rechtsverbindliche Willenserklärungen abzugeben bzw. entgegenzunehmen sowie über Verträge wirtschaftlich zu verfügen und Zahlungen zu erhalten. Somit ist der Bevollmächtigte berechtigt, z.B. Verträge zu kündigen und Versicherungsleistungen zu erhalten.”

Ist ein solcher Passus zulässig? Schließlich verbieten mehrere Paragrafen dem Makler die Annahme von Versicherungsleistungen. Für Jürgen Evers, Rechtsanwalt für Vertriebsrecht, ist die Sachlage eindeutig: “Es dürfte nicht mehr vertretbar sein, die Vollmacht dahin zu interpretieren, sie enthalte auch eine Geldempfangsvollmacht. Denn zwischen der Geltendmachung der Versicherungsleistung und deren Einziehung bestehen schon noch erhebliche Unterschiede. Die Vollmacht ist im Wortlaut eindeutig: Sie berechtigt den Makler nur dazu, Versicherungsleistungen geltend zu machen […].”

Weiter schreibt Evers: “Die Auffassung der Debeka ist daher nicht einmal vertretbar – und könnte sogar veranlassen, die Bafin zu verständigen, da der Versicherer ankündigt, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erbringung der Versicherungsleistung an den VN außer Acht zu lassen. Wegen ihres Verhaltens könnte Debeka sogar vom Makler abzumahnen sein. Der Makler steht mit dem Versicherer im Wettbewerb, soweit es um die Erbringung von Betreuungsleistungen geht. Debeka stellt die irreführende Behauptung auf, der Makler sei auf Grund der Vollmacht zum Geldempfangsvollmacht berechtigt oder sie behauptet irreführend, Versicherungsleistungen mit schuldbefreiender Wirkung gegenüber dem VN an den Makler erbringen zu können […].”

Auffassung der Debeka grob gesetzeswidrig

“Zusammengefasst ist die Auffassung der Debeka grob rechts- und gesetzeswidrig. Was damit bezweckt wird, dürfte klar sein“, erklärt Evers. „Der Debeka ist es ein Dorn im Auge, dass ihre Kunden das Angebot von Maklern in Anspruch nehmen, die Interessen der Kunden fachmännisch zu vertreten. Leider gibt es einen Kreis von Versicherern, die nicht mit Maklern arbeiten und die Maklern auch unfreundlich gesonnen sind. Dies gibt den Versicherern aber nicht das Recht, irreführend zu handeln.”

Ähnlich wie der Anwalt beurteilte auch Schätzl, Mitglied der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler, (IGVM) das Verhalten der Debeka. In seinem offenen Brief schreibt er, die Debeka wolle möglicherweise “mit Falschaussagen” den “Berufstandes des Maklers diffamieren.” Gegenüber VWheute bestätigte er, dass ein solcher Brief kein Einzelfall sei

Die Debeka ihrerseits hat in mehreren Mails und Telefonaten ein systematisches Vorgehen ausgeschlossen. Der Makler habe zunächst einen Brief erhalten, indem die Vollmacht bestätigt wurde. “Fälschlicherweise” sei drei Tage später ein Brief für einen Bevollmächtigten an die Kundin herausgegeben worden – es handelt sich dabei um das oben zitierte Schreiben.

Das zweite Schreiben sei falsch gewesen und mit der Fachabteilung wurden Maßnahmen verabredet, die verhindern sollen, dass solche Briefe nicht noch einmal herausgeschickt werden, erklärte Dr. Gerd Benner, Leiter Unternehmenskommunikation der Debeka. “Es war ein Irrtum, dass dieser Brief vom 10. Juli herausgeschickt wurde, wir werden das dem Makler natürlich auch noch einmal mitteilen. Zudem werden wir alle Vorkehrungen treffen, das so etwas nicht noch einmal vorkommt, aber in der Sache war es ein Irrtum.”

Auf Nachfrage von VWheute, ob der Brief tatsächlich ein Einzelfall wäre, antwortete Benner: “Die Fachabteilung hat mir glaubhaft bestätigt, dass es nicht die gängige Praxis ist. Die beiden Aspekte Maklervollmacht und Bevollmächtigter wurden hier miteinander vermischt, weil der Sachbearbeiter sie durcheinander gebracht hat.” Die Debeka würde sich bei Beweisen eines systematischen Vorgehens “darum kümmern.”

Es steht Wort gegen Wort. (vwh/mv)

Bildquelle: Debeka

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