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Baden-Baden: Rückversicherer streiten um Underwriting

23.10.2017 – jj_henchoz_swissreNiedrige Preise, zu wenig Schäden: Der Leidensdruck für die Rückversicherer ist derzeit groß. So geht es bei der heute beginnenden Erneuerungsrunde in Baden-Baden mehr denn je um zukunftsfähige Lösungsansätze. Zudem könnte die jüngste Hurrikan-Saison wieder etwas mehr Bewegung in den Preiskampf bringen. Mit welchen Entwicklungen die Rückversicherer rechnen müssen, skizziert Jean-Jacques Henchoz von der Swiss Re.

Der Rückversicherungsmarkt war in den letzten Jahren hart umkämpft und das vorhandene globale Überangebot an Kapital hat zu einer sinkenden Profitabilität in der Branche geführt. Die europäischen Erstversicherer konnten vom aktuellen Marktzyklus profitieren, aber viele von ihnen schätzen auch langfristige Partnerschaften und wollen die Kontinuität in ihren Rückversicherungspanels sicherstellen.

Um über den Marktzyklus hinweg profitabel zu bleiben, braucht es im heutigen Umfeld eine disziplinierte Underwriting-Strategie. Hurrikane “Harvey” und “Irma” erinnern uns einmal mehr daran, dass die Prämienniveaus auf die zugrunde liegenden Risiken abgestimmt sein müssen (siehe MÄRKTE & VERTRIEB). Bei Swiss Re werden wir weiterhin unser Kernportfolio schützen und uns gleichzeitig auf maßgeschneiderte Lösungen konzentrieren, die unseren Kunden beim Erzielen eines effektiven Wachstums und einer überdurchschnittlichen Performance unterstützen.

Generell ist es noch zu früh, Prognosen zur Preisentwicklung zu machen, da die Marktdynamik vom globalen Schadensverlauf, von der Underwriting-Performance und der Verfügbarkeit von Kapazitäten für Groß- und Katastrophenschäden abhängig ist. In der anstehenden Erneuerungsrunde zum Jahresende werden wir natürlich unsere Kunden unterstützen. Gleichzeitig halten wir an unserem disziplinierten Underwriting-Ansatz fest. Dieser bleibt für den Erfolg im aktuellen Umfeld entscheidend.

Zukünftig wird es essentiell wichtig sein, das veränderliche Marktumfeld und die Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen stattfinden, im Auge zu behalten. Dies wirkt sich auf die Strategien unserer Kunden aus, die sich neuen Technologien zuwenden, um ihr Versicherungsgeschäft entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie das Verbraucherengagement zu optimieren, die Preise stärker auf die Risiken abzustimmen, die Administration effizienter zu gestalten und die Schadenbearbeitung zu verbessern.

Als Folge dieser Veränderungen steigt die Nachfrage nach maßgeschneiderten und schlüsselfertigen Lösungen und Dienstleistungen, die über das traditionelle Kerngeschäft der Rückversicherung hinausgehen. Erstversicherer suchen nach Lösungen, mit denen sich neue Risikopools erschließen lassen, zum Beispiel Cyberrisiken. Längerfristig gehen wir davon aus, dass es zu weiteren Konsolidierungen in der Rückversicherungsbranche kommen wird. Um sich zu behaupten, werden Marktteilnehmer zunehmend eine starke globale Bilanz sowie Transaktions- und Lösungskompetenz vorweisen müssen.

In der Erstversicherung werden wir weiterhin rege M&A-Aktivität sehen. Die Unternehmen werden unrentable Geschäftssegmente angehen oder strategische Wachstumschancen nutzen – Konstellationen, in denen wir sie auch mit individuellen Rückversicherungslösungen unterstützen können. Die größte Chance für die Versicherungsbranche ist die globale Deckungslücke. Sie bleibt sowohl in der Leben- als auch in der Nichtlebenversicherung ein wesentlicher Faktor. Vor allem in Schwellenländern sind die meisten Familien oder Kleinunternehmen immer noch nicht versichert oder unterversichert.

Wir haben in einer Sigmastudie quantifiziert, dass die globale Deckungslücke bei den Sachversicherungen jährlich über 220 Mrd. US-Dollar beträgt. “Harvey” und “Irma” haben uns gerade erst wieder vor Augen geführt, dass auch in Industrieländern ein großer Bedarf besteht, Deckungslücken zu schließen.

Bild: Jean-Jacques Henchoz ist CEO Reinsurance EMEA der Swiss Re. (Quelle: Swiss Re)

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