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Axa und die hohen Ambitionen des Thomas B.

03.08.2017 – thomasBuberl_akWenn der Axa-Konzern heute sein Halbjahres-Fazit zieht und die aktuellen Geschäftszahlen vorlegt, wird die Stimmung positiv sein in der Pariser Zentrale. Was Thomas Buberl in Köln begonnen hat, führt er als CEO in Frankreich konsequent weiter – ohne die ganz großen Deals, dafür aber mit alten Bekannten. Doch reicht das für den Aufbruch veralteter Strukturen?

Die zentralen Fragen Buberls an sich selbst und den Versicherer: “Wie schaffen wir es, das bestehende Geschäftsmodell so zu optimieren, dass wir die negativen Effekte des Marktes kompensieren können, und wie schaffen wir es, uns zu transformieren in ein neues Kundenerlebnis, in eine Beziehung zum Kunden, wo wir uns von der Zahlstelle zum Partner des Kunden entwickeln.”

Die digitale Transformation hat ähnlich wie bei seinem Allianz-Kollegen Oliver Bäte auch für Buberl höchste Priorität. “Wir müssen das Geschäft nach rechts und links aufbrechen”, machte er bereits vor seinem Amtsantritt zum Axa-Chef deutlich. Und: “Wir müssen in den Unternehmen die Lehmschicht aufbrechen, damit die kreativen Ideen aller Mitarbeiter Gehör finden.”

Um diese Ziele zu erreichen legte Buberl ein milliardenschweres Sparprogramm auf mit dem Ziel, die jährlichen Kosten um 2,1 Mrd. Euro vor Steuern senken zu wollen. Gleichzeitig strebt der starke Mann an der Konzernspitze für die Jahre 2016 bis 2020 ein Gewinnzuwachs von drei bis sieben Prozent an. Immerhin: Die erste Klippe hat Buberl bereits Anfang des Jahres mit der Präsentation der Geschäftszahlen für 2016 erfolgreich gemeistert. So steigerte die Axa dank eines starken Leben-Geschäfts den Nettogewinn um vier Prozent auf 5,83 Mrd. Euro, der Umsatz legte 2016 um zwei Prozent auf 100,19 Mrd. Euro zu.

Partnerschaften und keine Fusionen

Beim Thema Fusion gibt sich Buberl hingegen vorsichtig. Vor allem mit Großübernahmen fremdelt der Axa-Chef besonders auffällig. So erteilte Buberl bereits Anfang des Jahres kursierenden Gerüchten für eine Übernahme der Generali eine klare Absage. “Thomas, wenn du das tust, wirst du gekreuzigt. Ich will aber weiterleben”, soll er einem führenden Versicherungsanalysten gesagt haben.

Ohnehin scheinen die direkten Konkurrenten für den Axa-Chef bislang keine allzu große Rolle zu spielen. Vielmehr sieht er sich mit ganz anderen Gegnern konfrontiert: “Ich habe sehr klare Indizien, dass die Wettbewerber von morgen Google, Apple und Facebook heißen”, betonte er gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Vielmehr seien Versicherer als Investoren geradezu prädestiniert: “Wir müssen in Partnerschaften denken. Start-ups haben super Ideen, wie aber nicht, wie groß sie werden sollen. Wir haben keine Ideen, aber wir haben die Größe. Wenn man beides zusammenbringen kann, entstehen optimale Synergien”, betont Buberl. Als Beispiel nannte er das Investment in Biobeats, welches sich mit Stressmessung und -bewältigung beschäftigt. “Biobeats hat jetzt so viele Kunden, wie sie es alleine nicht geschafft hätten”, so Buberl.

Umlackieren und Reifenwechsel gleichzeitig

Bereits seit acht Jahren führt die Axa im Marken-Ranking von Interbrand unter den Versicherern. Aufgeben will der Axa-Chef diese Spitze zwar nicht, jedoch das Branding radikal und bei voller Fahrt umbauen: “Unsere Marke wird als die eines starken, robusten und vertrauenswürdigen Versicherers wahrgenommen”, sagt Buberl im Interview mit dem Nachrichtenportal Stratégies.fr.

Nach einer solchen Markenwahrnehmung würde sich mancher Konkurrent die Finger lecken, doch der Deutsche am Steuer des französischen Branchenprimus sieht sein Unternehmen zu sehr auf die „alte Welt“ fokussiert, sprich auf den Wert Stabilität. “Unsere Positionierung ist zu technisch, zu wenig menschlich”, analysiert Buberl. Direkter an den Kunden heran strebt er mit seiner Marke, die Versicherungsnehmer sollen Axa mit Transparenz und Einfachheit assoziieren.

Aller Wandel kommt von Innen

Die Veränderung in der Wahrnehmung von außen muss im Innern des französischen Weltkonzerns beginnen, davon ist Buberl überzeugt. Was Axa Deutschland unter der Ägide von Personalvorständin Astrid Stange derzeit erlebt, die Transformation der gesamten Organisation hin zu einem “New Way of Working”, soll im gesamten Konzern umgesetzt werden. Bis zum Jahr 2020 sollen Open-Space-Arbeitsplätze entstehen, die offenen Räumlichkeiten sollen Eigenverantwortung und interdisziplinäre Zusammenarbeit der Mitarbeiter stärken. Dass die Deutschland-Tochter die “Ambition 2020″ besonders erfolgreich umsetzt, legt der Wechsel Stanges in den Konzernvorstand nahe.

Während die Axa-Mitarbeiter näher zusammenrücken entschwindet die IT in die firmeneigene Cloud, das soll mehr Effizienz und eine App-Entwicklung innerhalb weniger Tage ermöglichen. Es ist ein absolutes Novum in der Versicherungsbranche. 250 Mio. Euro hat der Konzern in die Hand genommen, um drei Rechenzentren in Europa und eines in den USA errichtet, berichtet das Nachrichtenportal Agefi.fr. Bei dem Umzug in die Wolken hilft IBM.

Den Faktor Mensch will Buberl auch dadurch stärken, indem er die Verbraucherbedürfnisse in den Blick nimmt: “Die Geschäftspraxis von Amazon wird zum Standard, was die Beziehung zum Kunden angeht.” Das gelte auch in einer so formalen und komplexen Branche wie der Versicherungswirtschaft. “Wir müssen alle unnötigen Akten und unbegründete Komplexität abschaffen”, gibt der Axa-Chef vor.

Großer Sprung nach Indien

Parallel dazu will Buberl augenscheinlich gezielt in neue Märkte investieren. Demnach will die Axa beispielsweise in den kommenden Jahren zu den Top-Ten-Versicherern in Indien aufsteigen. “Indien ist ein sehr großer und wachsender Markt. Es ist ein Schwerpunkt für uns. Wir haben langfristig einen Joint-Venture-Partner und sind ein vertrauenswürdiger Partner. (…) Es ist eine gute Basis, um unsere Position in Indien größer zu machen. Wir wollen in den nächsten Jahren ein Top-Ten-Player werden”, betont er in einem Interview mit der Economic Times.

Für die heutigen Geschäftszahlen scheint jedenfalls vorsichtiger Optimismus angesagt. So hatte die Deutsche Bank unlängst das Kursziel der Axa von 25,20 auf 26 Euro angehoben. Demnach seien “eine starke Bonität und solide Margenentwicklungen eine gute Voraussetzung, damit sich die Aktien von global ausgerichteten Versicherern weiterhin besser entwickeln als der breite Markt”, schreibt Analyst Hadley Cohen. Bei der Axa seien die Voraussetzungen gut, dass die Zahlen den zugrunde liegenden Trend bestätigen werden. (td/de)

Bild: Thomas Buberl, seit September 2016 Vorstandschef der Axa. (Quelle: ak)

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