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Axa überbietet Allianz: Buberl kauft XL für 15 Mrd. Dollar

06.03.2018 – thomasBuberl_akThomas Buberl hat größeren Übernahmen stets eine Absage erteilt und nun dieser überraschende Coup: Der Axa-Konzern übernimmt für 15,3 Mrd. Dollar den in den Bermudas beheimateten Sach- und Rückversicherer XL. Das Ziel des Versicherers ist der Aufbau eines nordamerikanischen Standbeins mit dem Fokus auf Großkunden und Rückversicherung. Auch die Allianz wurde als Käufer gehandelt.

Doch scheinbar wollte Konzern-Chef Oliver Bäte jedoch nicht so tief in die Kasse greifen wie die Franzosen. Bäte hatte erst vor wenigen Tagen auf der Jahrespressekonferenz betont, dass die Preise “noch sehr hoch” seien. Übernahmen müssten ökonomisch und strategisch passen. Für die Axa ist es hingegen die größte seit dem Kauf der Schweizer Versicherung Winterthur im Jahr 2006 für damals 8,9 Mrd. Euro.

Satte 15,3 Mrd. US-Dollar ist Axa-Chef Thomas Buberl die nun XL Group wert. Der Kaufpreis soll durch drei Finanzierungsquellen sichergestellt werden. Vorhandene liquide Mittel in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar, dem Erlös aus dem separaten Börsengang der US-Lebensaktivitäten, sechs Mrd. US-Dollar, sowie durch nachranginge Bonds mit einem Wert von drei Mrd. US-Dollar. Der Erlös aus dem Börsengang muss erst einmal zwischenfinanziert werden.

Addiert liegt der Kaufpreis um 33 Prozent über dem letzten Aktienkurs von XL. Ein derartiger acquisition goodwill drückt später auf die Eigenkapitalrendite und müsste im Sinne eines impairment tests später abgeschrieben werden – vorausgesetzt, die vor dem Erwerb erstellten Prognosen erweisen sich als zu optimistisch. Nach der Verkündung des Kaufangebots sank der Axa-Kurs zwischenzeitlich um bis zu zehn Prozent auf 22,55 Euro ab. Das war der tiefste Stand seit mehr als einem Jahr.

Analysten kritisierten vor allem die Größe des Deals. “Der Preis sieht sehr hoch aus, selbst nach Synergieeffekten”, teilte das Bankhaus Lampe mit. Der Konzernchef sieht das anders. “Diese Transaktion ist eine einmalige strategische Gelegenheit”, glaubt Buberl. Die Übernahme der XL Group solle im zweiten Halbjahr 2018 abgeschlossen sein.

Käufer und Gekaufter

Die XL Group Ltd. besteht seit 1968 und war im Zuge einer Haftpflichtkrise von 68 US-Industrieunternehmen gegründet worden. Im Januar 2015 hatte XL für 4,1 Mrd. US-Dollar die in Lloyds tätige Catlin Group Limited übernommen. Im Bereich der Erstversicherung führt XL 70 Prozent der 3.500 weltweiten Programme, an denen sie beteiligt ist.

Die gezeichnete Bruttoprämie betrug 2016 rund 15 Mrd. US-Dollar, wovon zwei Drittel auf die Erst- und ein Drittel auf die Rückversicherung entfiel. Das Eigenkapital lag bei 13,0 Mrd. US-Dollar. Die Ratings der meisten Gruppengesellschaften liegen bei S&P A+ und AM Best A.

Der Axa-Konzern wurde vom Polytechnicien, Aktuar und Großwildjäger Claude Bébéar (Amtszeit 1975 bis 2000) aus Vorgängerunternehmen wie Ancienne Mutuelle, Drouot, UAP, Winterthur und Equitable gezimmert, deren Ursprünge bis auf das Jahr 1817 zurückreichen. Der Konzernumsatz lag 2016 bei rund 100,2 Mrd. Euro, das Eigenkapital betrug zum Ende des Jahres 70,6 Mrd. Euro. Axa wird von S&P und Fitch derzeit mit einem AA- benotet.

Der Fokus des Kaufs liegt im Bereich der industriellen Erst- und der Rückversicherung und besonders in der globalen Perspektive. Auf diesem Mark kann Know-how ohne weiteres von einem auf den nächsten Markt übertragen werden, im Gegensatz zum LV-Markt mit seinen vielen regulatorischen, voneinander abweichenden Vorgaben. Synergien ergeben sich aus dem Kauf von Rückversicherungskapazitäten, dem dank Diversifikation verringerten Kapitalbedarf - beziffert auf 30 Prozent der bisherigen XL Solva-Anforderungen – sowie von Admin und EDV-Lösungen, von Axa mit 0,4 Mrd. US-Dollar pro Jahr angegeben.

So wäre es derzeit möglich, den Firmensitz der kombinierten Gruppe gänzlich in die steuerfreien Bermudas zu verlagern. Allerdings könnten der bermudianische und den europäische Arm der kombinierten Gruppe als rechtlich selbstständige Gesellschaften weite bestehen, an denen die Aktionäre in Form von “stapled shares” beteiligt werden. Der französische Körperschaftssteuersatz wird zudem von jetzigen 28 Prozent bis 2025 auf 25 Prozent sinken. Allerdings unterliegen die Dividenden noch einer Quellensteuer.

Mergers & Acquisitions unter Versicherern nehmen zu

Übernahmen stehen derzeit hoch im Kurs. So haben japanische Versicherer bereits ein Lloyd’s-Syndikat nach dem anderen geschluckt. AIG will Validus Re für 5,6 Mrd.US-Dollar übernehmen und Softbank möchte für zehn Mrd. US-Dollar zum größten Aktionär der Swiss Re aufsteigen. Marktbeobachter erwarten, dass Versicherer ohne entsprechende Großakquisitionen nun noch unter Druck kommen dürften, um mit ihren proaktiveren Konkurrenten gleichzuziehen – womöglich sogar zu noch weniger rational begründbaren Preisen.

Dem Vernehmen nach hatte auch Allianz sich mit dem Gedanken eines Erwerbs von XL getragen, war jedoch nicht bereit gewesen allzu viel an acquisition goodwill zu bezahlen. Überdies hatte Axa auch einen früheren leitenden Mitarbeiter und damit eine Art trojanisches Pferd im Vorstand von XL: Claus-Michael Dill, Ex-Vorstandschef von Axa Deutschland. (cpt)

Bild: Thomas Buberl (Quelle: ak)

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