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Autonomes Fahren steht vor Stadt-Test

05.07.2017 – Autonomes Fahren - quelle VolvoHeute beginnt in Berlin die Messe ConCarExpo 2017, die Connected Car und das (teil-) autonome Fahren in den Mittelpunkt stellt. Das Institut für Mobilitätsforschung schätzt, dass autonome Fahrzeuge im Jahr 2035 einen der Marktanteil zwischen 17 und 42 Prozent einnehmen werden. Dafür müssen noch rechtliche, versicherungstechnische und infrastrukturelle Probleme gelöst werden.

Autonomes Fahren ist nicht gleich autonomes Fahren. Die Fahrzeugbranche hat den Weg zum selbstfahrenden Auto in drei Abschnitte unterteilt: Die Teilautomatisierung (Assistenten wie Spurwechselassistent, Einparkhilfe), Vollautomatisierung (elektrisches Lenken, Hände am Steuer) und Autonomie (Fahrzeug fährt selbstständig, ohne menschlichen Eingriff). Teilautomatisierung ist zumindest in den oberen Fahrzeugklassen bereits Alltag und auch die Vollautomatisierung befindet sich auf einem guten Weg.

Roboter regulieren

Ein Gesetz, das teilautomatisiertes Fahren ermöglicht, passierte bereits erfolgreich Bundestag. Das wichtigste bei der neuen Regelung, die letzte Verantwortung trägt weiterhin der Mensch. Die Automatisierungssysteme müssen “jederzeit durch den Fahrzeugführer übersteuerbar oder deaktivierbar” sein, schreibt der Gesetzgeber. Um bei einem Unfall die Schuldfrage klären zu können, werden wesentliche Fahrdaten wie beim Flugzeug in einer Black Box gesammelt und können so im Nachhinein ausgewertet werden. Verkehrsminister Alexander Dobrindt bezeichnete das Gesetz bescheiden als “modernstes Straßenverkehrsrecht der Welt”.

Radikalen Wechsel in der Kfz-Haftpflicht

Für den GDV wird das bestehende Modell der Kfz-Versicherung auch beim teilautomatisierten Fahren Bestand haben, “Die Versicherung deckt sowohl die Verschuldenshaftung des Fahrers als auch die Gefährdungshaftung, die sich aus der Betriebsgefahr eines jeden Fahrzeugs ergibt.” Das beinhaltet auch das automatisierte Fahren. Ob dabei immer noch dieselben Margen erreicht werden können, steht auf einem anderen Blatt. Der Autobauer Volvo rechnet mit “viel geringeren Beiträgen”.

Während der GDV von einem Fortbestand der Kfz-Versicherung ausgeht, glaubt das Beratungsunternehmen McKinsey an einen radikalen Wechsel. “Das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherungen steht vor massiven Änderungen. Bisher stehen individuelle Versicherungen aller Verkehrsteilnehmer gegen menschliches Versagen im Fokus. Künftig liegt das Augenmerk auf der Versicherung weniger Autohersteller sowie Flottenorganisationen gegen technisches Versagen der Fahrzeuge”, schreiben die Berater. Diese Meinung teilt Andrej Cacilo, Experten im Bereich Technologieinnovationen beim Fraunhofer Institut.

“Ambitioniertes Ziel”

Bevor das Problem der Haftung und die Frage nach der Kfz-Versicherung akut werden kann, muss die Infrastruktur ausgebaut werden, denn (teil-) autonome Fahrzeuge sind auf ständigen Dateninput- und Austausch angewiesen. Das digitale Testgebiet ist die A9, auf der gestern ein verheerender Busunfall geschah, bei dem die Unglücksursache noch nicht geklärt ist. Die Autobahn verfügt über eine eigene Sensorik und Intelligenz. Vielen Autofahren dürften auf der Strecke schwarz-weiße Schilder aufgefallen sein, die scheinbar keinen Nutzen bieten. Das sind so genannte Landmarkenschildern, an denen sich die (teil-) autonomen Fahrzeuge orientieren können. Auf der A9 können Forschungseinrichtungen und private Unternehmen Technik und Systeme im Realverkehr testen, dazu gehören beispielsweise Sensoren, Messeinrichtungen, die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander oder mit der Infrastruktur.

Als städtisches Testgebiet fungiert Karlsruhe. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) befindet sich aktuell in der Planungsphase, um das Testfeld im nächsten Jahr an die genannten Firmen und Unternehmen übergeben zu können, die sich einmieten können. Ein Insider sprach von einem “ambitionierten Ziel”, denn die Umsetzung sei “technisch anspruchsvoll” und die Übergabe bereits zum “Ende des laufenden Jahres” geplant.

Zum Fortschritt des Projekts sagt Christian Hubschneider, Mathematiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum für Informatik : “Das Konsortium hat schon erste, detaillierte Teststrecken in Karlsruhe und Heilbronn ausgewählt. Im nächsten Schritt werden für diese festgelegten Routen hochgenaue Karten angelegt. Aktuell sind wir außerdem im Begriff, die Infrastruktur an ersten ausgewählten Kreuzungen mit Sensorik auszustatten, damit wir detailliert die Lage und Fahrtrichtung der Fahrzeuge erfassen können. Auch die Lichtsignalanlagen erweitern wir um Kommunikationshardware, um die Kommunikation zwischen Ampel und Fahrzeug zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir viele rechtliche Fragen, zum Beispiel zum Datenschutz, klären, bevor wir das Testfeld in Betrieb nehmen können. Aber auch Fragen der Haftung bei der Kommunikation von Infrastruktur mit autonomen beziehungsweise hochautomatisierten Fahrzeugen sind noch endgültig zu klären.”

Es steht also noch viel Arbeit ins Haus, bis wirklich die ersten Autos ohne menschliches Zutun über die Straßen rollen. Wer mehr zum Thema autonomes Fahren wissen möchte, der sollte die entsprechende Artikelserie in der aktuellen Versicherungswirtschaft lesen. (vwh/mv)

Bild: autonomes Fahren (Quelle: Volvo)

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