Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Audi-CEO schwer belastet: D&O-Versicherer erleichtert

22.08.2017 – Stadler Winterkorn Zetsche - IAA 2015Auf 28 Seiten will der inhaftierte Ex-Audi-Ingenieur Giovanni P. belegen, dass Audi-Chef Rupert Stadler über die Diesel-Abgasprobleme seit zehn Jahren Bescheid wusste. Das dürfte D&O-Versicherer erfreuen, weil sie bei Vorsatz nicht zahlen müssen. Derweil können Diesel-Käufer bei der Entschädigung ihrer Fahrzeuge nicht auf Angela Merkel zählen – nur auf Zivilgerichte. Heute fällt ein Urteil, ob ein VW-Händler haften muss.

Der frühere Audi-Techniker Giovanni P., der in München-Stadelheim in Untersuchungshaft sitzt, will beweisen, dass er nur  ein Rädchen im System gewesen ist. Über seine Anwälte legte er der Staatsanwaltschaft München II ein Papier vor, das NDR, WDR und SZ vorliegt und den Namen “Dokumente über Kenntnisse der Vorgesetzten von Herrn P.” trägt. Darin gehe es um Mails, Sitzungen und Vorträge, die bei Audi zwischen März 2006 und Juli 2014 verschickt worden seien beziehungsweise stattgefunden haben sollen. Sollten die Angaben stimmen, wussten viele Beschäftigte bis hin zu Spitzenmanagern von den manipulierten Schadstoffmessungen. Und der von Audi-Chef Rupert Stadler geleitete Vorstand hätte demnach das Problem gekannt, dass die Abgasreinigung mit dem Harnstoff Adblue nicht richtig funktionierte und die strengen Grenzwerte in den USA nicht eingehalten werden konnten.

Deckungssummen bei D&O-Policen sind noch zu gering

Ob diese Vorwürfe Anlass geben, gegen den Vorstand zu ermitteln, bleibt abzuwarten. Es könnte aber für ein Bußgeld gegen Stadler & Co. reichen, sofern die Vorstandsmitglieder sich nicht ausreichend gekümmert und somit ihre Amtspflichten verletzt hätten. Das wiederum könnte zu Schadenersatzforderungen von Audi führen. Ein Bußgeldverfahren gegen den Vorstand läuft bereits, die Staatsanwaltschaft hat aber noch keinen Manager namentlich eingetragen.

Der Mutterkonzern Volkswagen hat alle seine Top-Manager bei einem Versicherungskonsortium von etwa 20 bis 30 Firmen – darunter auch die Allianz und Zurich – mit einer Directors- and Officers-Versicherung (D&O), ausgestattet. Nach dem Abgas-Skandal wird der Konzern allerdings nur einen Bruchteil der Milliardenkosten von der Managerhaftpflichtversicherung zurückholen. Die Deckungssummen der meisten Dax-Konzerne liegen unter 500 Mio. Euro. “Sehr viel größere Schadenssummen gibt der Markt derzeit nicht her”, betont Diederik Sutorius, Geschäftsführer des Kölner D&O-Versicherers VOV GmbH.

In den meisten Fällen verweigern die Versicherer ohnehin die Überweisung der Schadenssumme. Es folgen lange juristische Auseinandersetzungen, schließlich wollen die Anbieter möglichst keine Fakten schaffen, auf die sich andere Unternehmen berufen könnten. Wird jedoch nachgewiesen, dass Stadler vorsätzlich handelte, müssen die D&O-Versicherer nicht zahlen.

Deutschland zählt, neben den USA und Australien, zu den Ländern mit den meisten D&O-Schadenfällen. Diese sind zuletzt stark gestiegen: So verdreifachte sich die Zahl der deutschen D&O-Schadenfälle von Großunternehmen, an denen die AGCS beteiligt ist, in den vergangenen zwanzig Jahren von 40 auf rund 120 jährlich. Wesentliche juristische Ursachen für D&O-Fälle sind laut einer Analyse von 576 AGCS-Schäden weltweit (2011 bis Mitte 2016): Compliance-Verstöße, Sorgfaltspflichtverletzungen bei unternehmerischen Entscheidungen und Fehler in der Unternehmensführung.

Merkel schimpft auf Autoindustrie

Derweil geht die Diskussion um die Entschädigung der Autobesitzer weiter. In den USA werden VW-Diesel-Käufern bis zu 16.000 US-Dollar zurückerstattet. Warum das nicht auch in Deutschland möglich sei, fragte ein Bürger die Kanzlerin Angela Merkel beim RTL-Townhall-Meeting. Der Hinweis auf unterschiedliche Rechtslagen dies- und jenseits des Atlantik reichte dem Autobesitzer nicht aus. Sein Diesel-Golf, rechnet er vor, ist jetzt viel weniger wert als vorher. “Ich versteh’ ja Ihre Wut”, antwortete Merkel. “Dass hier richtig hintenrum betrogen wurde, darauf bin ich auch richtig sauer. Dafür können sie sich aber nix kaufen.” Als Umweltministerin habe sie ihre Erfahrung mit den Autobossen gemacht: “Ich habe das alles miterlebt, wie die Automobilindustrie zum Teil sagt, was sie alles nicht kann und dass hier hintenrum richtig betrogen wurde. Dass man die Vorgaben ausgenutzt hat, darüber bin ich sauer.”

Für Merkel gehe es aber jetzt erst einmal darum, Fahrverbote zu vermeiden, wegen der Arbeitsplätze und weil der Diesel ja noch gebraucht werde aus Klimaschutzgründen. VW-Käufer wehren sich derweil vor deutschen Gerichten. Das Oberlandesgericht entscheidet heute, in welchem Form die Händler, die Autos mit manipulierter Software verkaufen, haften können. Der Kläger wirft dem Händler arglistige Täuschung vor. Laut Gericht ist in seinem Auto ein Motor mit einer Software eingebaut, die den Stickoxidausstoß auf dem Prüfstand beeinflusst. Er hat daher den Kaufvertrag angefochten und sein Geld zurückverlangt, bislang ist er damit aber vor Gericht gescheitert. Das Landgericht Ellwangen hatte entschieden, dass der VW-Händler den Kläger nicht selbst getäuscht hat und sich eine etwaige Täuschung durch die Volkswagen AG nicht zurechnen lassen muss (Az.: 1 U 153/16).

Morgen beginnt ferner vor dem OLG Nürnberg ein weiterer Zivilprozess im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre. Die Besitzerin eines VW hat das Autohaus in Ansbach verklagt, bei dem sie den Wagen gekauft hat. Das Landgericht Ansbach hatte die Klage in der Vorinstanz aus formalen Gründen abgewiesen. (vwh/dg)

Bild: (v.l.n.r.) Audi-CEO Rupert Stadler, Daimler-Chef Dieter Zetsche und der ehemalige Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Martin Winterkorn (Quelle: IAA)

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Kopfgeldvorwurf: AachenMünchener kontert Bild-Zeitung

Seit Juni ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes in Ballenstedt (Harz). Zwei Monate nach dem Brandanschlag auf einen 45-Jährigen fehlt jede Spur vom Täter. Um diesen zu fassen, habe die AachenMünchener angeblich ein “Kopfgeld” in Höhe von 5.000 Euro ausgesetzt, schreibt die Bild. Im Gespräch mit VWheute erklärt der Versicherer, dass es sich um eine Belohnung für Hinweise handelt. Das Vorgehen sei durchaus üblich.

Ottonova: Sind besserer Versicherer dank digitaler Tools
Duales Gesundheitssystem, Digitalisierung oder die Wahlfreiheit für Beamte – die Zukunft der PKV beherrscht derzeit die Schlagzeilen. Dabei bieten gerade die digitalen Möglichkeiten große Chancen: “Der ideale Krankenversicherer ist eben nicht der, der nur im Leistungsfall da ist”, betont Ottonova-Gründer Roman Rittweger im VWheute-Interview. “Der ideale Krankenversicherer ist auch Gesundheitspartner”.

Auslandsmärkte und Kapitalerträge pushen HDI Global
Zum 30. Juni 2017 hat die HDI Global SE ihre gebuchten Bruttoprämien mit 2,8 (VJ: 2,7) Mrd. Euro um 3,3 Prozent gesteigert. Hierzu trugen insbesondere die Niederlassungen in Frankreich, Belgien und Japan bei. Die französische und die belgische Depandance verzeichneten einen Prämienzuwachs von rund zehn Prozent. In Japan nahmen die Beitragseinnahmen um mehr als 40 Prozent zu.

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten