Versicherungswirtschaft-heute

            Mobilsite

 

Arag-Chef Faßbender bleibt “unternehmenslustig”

07.06.2018 – paul-otto_fassbender_lieBis zu seinem für 2020 angekündigten Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender der Arag SE hat Paul-Otto Faßbender mit seinem Familienunternehmen noch einiges vor. “Es gibt noch einige Aufgaben zu lösen, um die Arag meinem Nachfolger fit zu übergeben”, sagte Faßbender am Mittwoch in der Bilanzpressekonferenz auf Nachfrage von Journalisten zu den schon lange währenden Spekulationen zu seiner Person.

Ein Jahr im Voraus will Faßbender den Nachfolger benennen – und diesem später auch die volle Verantwortung für das Geschäft überlassen. “Denn ich werde kein Back-Feed-Treiber sein”, so Faßbender. Ganz konkret wird die vor allem stark in der Rechtsschutzversicherung vertretene Gruppe ihr USA-Geschäft ausbauen. Nachdem dort nun für alle Bundesstaaten eigene Lizenzen vorliegen, sei man der Erschließung des Marktes ein großes Stück näher gekommen.

2017 wurden in den USA rund 110 Mio. US-Dollar (plus zwölf Prozent) erzielt. Für dieses Jahr ist ein Umsatz von 121 US-Dollar geplant – und mittelfristig soll dieses Geschäft jährlich um neun Prozent zulegen. Auch auf dem australische Kontinent will die Gruppe zunächst ein Managing-General-Agent-Modell wie sie dies in Großbritannien und Kanada betreibt, Fuß fassen und für den asiatischen Markt steckt man in der Vorsondierungsphase.

Die branchenweite “Schicksalsfrage digitale Transformation” will Faßbender als “echten Glückfall” für das eigene Haus ummünzen. “Mit ihr bekommen wir alle Trümpfe in die Hand, unsere Stärken als innovativer, schneller und pfiffiger Versicherer voll auszuspielen – eben, weil wir keine gewaltige und träge Massen-Organisation bewegen müssen“, sagte er. Konkret wird ein “Smart Insurer Programm” aufgelegt. Dabei gehe es nicht darum, so digital wie möglich zu handeln, sondern smart im Sinne der Kunden.

Dafür werden die IT-Investitionen in den nächsten drei Jahren auf 80 (50) Mio. Euro erhöht. “Wir müssen zu einem Smart Insurer werden, weil wir in den nächsten zehn Jahren mehr als 30 Prozent unserer Belegschaft in Deutschland durch das Erreichen der gesetzlichen Altersgrenzen und Fluktuation verlieren werden.” Diese gewaltige Veränderung mit dem damit verbundenen Verlust von Know-how und Expertise ließen sich durch Umorganisation alleine nicht auffangen. So ist denn bei der Arag mit der Digitalisierung kein Stellenabbau verbunden, wie betont wurde.

Auf der Produktseite versucht es die Arag mit etwas, das die Grenzen des Rechtsberatungsgesetzes noch wahrt. In den Niederlanden bietet man mit der Plattform-Technologie von Justix aus Köln Legal-Tech-Aktivitäten unter der Marke HelloLaw an. Dies soll nun auch, so weit es die hier geltenden Regeln zu lassen, auf Deutschland übertragen werden. Dabei geht es darum, Nicht-Rechtsschutz-Versicherte bei Rechtsproblemen über Services mit Anwälten zusammenzubringen. Faßbender meint, dass der deutsche Markt hier gerade deutlich in Bewegung gekommen sei.

Bis 2022 will der Arag-Chef die Beitragseinnahmen von zuletzt 1,58 Mrd. Euro auf über zwei Mrd. Euro steigern. Bis 2020 soll der Beitragsverlust aus dem Verkauf der Lebensversicherung (2016: 214 Mio. Euro Prämie) kompensiert sein. Im ersten Halbjahr 2018 dürften die Beiträge voraussichtlich um 3,4 Prozent auf 830 Mio. Euro steigen. Dabei wird mit einem Plus im heimischen Markt von 3,6 Prozent gerechnet.

Beim deutschen Rechtsschutzgeschäft, bei dem 2017 wieder leicht Marktanteile zurück gewonnen werden konnten, wird ein Plus von 5,6 Prozent erwartet. Diese stammt zu einen aus Nachlaufeffekten der Beitragsanpassung 2017, zum anderen aus Neugeschäft, das von allen Vertriebswegen getragen werde. Rund ein Viertel ihre Neugeschäftes in der Rechtsschutz macht die Arag bereits über das Netz.

Das Geschäftsjahr 2017 lief für die Arag-Gruppe ertragsmäßig besser als noch im Dezember auf Basis der ersten drei Quartale prognostiziert. Die Kranken- und Kompositversicherungen brachten mehr, während allerdings der Rechtsschutz durch höhere Schaden- und Kostenaufwendungen – auch im Zusammenhang mit dem Dieselskandal – belastet war. Nach einem versicherungstechnischen Ergebnis von 73,5 (66,7) Mio. Euro beträgt der Konzernüberschuss 27,8 (43,19 Mio. Euro.

Wegen des Verkaufs der Lebensversicherung sind die Zahlen des Konzerns mit den Vorjahreswerten nur bedingt vergleichbar. Mit anrechenbaren Eigenmitteln von 1,12 Mrd. Euro kommt die Gruppe eigenem Bekunden nach ohne Übergangsmaßnahmen von 250 (170) Prozent. Die Verbesserung der Solvabilität gehe auf den Verkauf des Lebensversicherers zurück. (lie)

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten