Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Altlasten diskret entsorgen

14.02.2017 – mana_wissen_1.inddUnter dem Motto “Wie geht es weiter?” findet heute zum vierten Mal die SZ-Fachkonferenz “Run-Off” statt. Vielen Gesellschaften geht es noch zu gut, als dass sie sich auf derartige Transaktionen besinnen würden, in einem weichen Markt und bei Verschärfungen von Solvency II wäre allerdings mit steigender Nachfrage zu rechnen. Die Motivation des Abgebenden liegt auf der Hand, aber warum finden sich so viele Firmen, die bereit sind, sich mit derartig Lästigem und Ungewissen über Jahrzehnte zu befrachten?

Die Spezialisten und die hinter ihnen stehenden Financiers (z.B. Pensionsfonds) trachten danach, etwas zu erwerben, das entsprechend der Betriebskosten und der Eigenkapitalanforderungen des Abgebenden bepreist ist. Gelingt es ihnen, den Run-off, was die Verwaltungs-Kosten oder die Schäden angeht, günstiger zu bewerkstelligen als der Abgeber plante, so ist dies ihr Gewinn.

Ebenfalls von Vorteil ist es, wenn sie die Abwicklungsgeschwindigkeit steigern können und so das benötigte Kapital weniger lang als geplant vorhalten muss. Schließlich trachten sie auch danach, hinsichtlich der Investments härter am aufsichtsrechtlichen Wind zu segeln, als dies der Veräußerer zu tun wagte. So werden unrentierliche Staatsanleihen durch Infrastruktur- und Alternative-Energy-Bonds ersetzt oder direkte Hypotheken vergeben. Insbesondere bei Haftpflicht-, Lebens- oder Rentenportefeuilles kommen rasch Milliarden an anlagefähigen Mitteln zusammen. Synergien ergeben sich aus der Kombination mehrerer Portefeuilles von verschiedenen Abgebern. Dies betrifft nicht nur die operativen Kosten, sondern auch das Eigenkapital, jedenfalls wenn sich bei Zusammensetzung der Portefeuilles Diversifikationseffekte genutzt werden.

247 Mrd. Euro im Run-Off

Denkbar sind drei Vorgehensweisen. Zum einen gibt es reine Rückversicherungslösungen. An der Bruttohaftung für die Reserven ändert sich nichts, aber der Rückversicherer übernimmt diese entweder proportional (100-prozentige Quote) oder nicht-proportional (Adverse Development Cover). Üblich sind auch Portefeuilleübertragen mit aufsichtsbehördlicher Genehmigung. Der Übernehmer, eine zugelassene Versicherungsgesellschaft, tritt dann privativ in bestehende Schuldverhältnisse ein, ohne dass es noch der Zustimmung der betroffenen Versicherungsnehmer bedürfte. Als drittes ist auch der Erwerb einer ganzen Gesellschaft üblich. In der Regel bedarf der Übergang der Kontrolle der aufsichtsbehördlichen Genehmigung, die handelnden Personen werden einem Fit & Proper Test unterworfen. Schließlich gibt es noch ein hybrides, zweistufiges Vorgehen, so praktiziert im Fall der Übernahme von Equitas durch Berkshire Hathaway: Zunächst eine Rückversicherungslösung, einige Jahre später dann der rechtlich komplexere Totalerwerb.

PwC beziffert das europäische Run-off Volumen auf 247 Mrd. Euro an technischen Rückstellungen. 48 Prozent hiervon werden passiv verwaltet, 28 Prozent aktiv durch den bisherigen Besitzer, 24 Prozent sind extern vergeben. Während für die Veräußerer von Portefeuilles derartige Transaktionen außerordentlichen Charakter haben und mit einiger interner Agonie einhergehen (Bruch mit der Vergangenheit, Wegfall von Arbeitsplätzen, Protest des Betriebsrats), sind die Übernehmer meist Serientäter. Sie versuchen jedes halbe Jahr einen derartigen Deal in die Scheune zu fahren.

Kein Interesse am Storno

Das neue deutsche Vehikel Frankfurter Leben hat jetzt 128.000 Verträge der Bad Homburger Basler Leben AG mit einer Versicherungssumme von 2,68 Mrd. Euro und Kapitalanlagen von 1,72 Mrd. Euro übernommen, die Genehmigung der Bafin (§ 13 VAG) liegt inzwischen vor.

Während die erste deutsche Lebenstransaktion der Fosun/BHF in rechtlicher Hinsicht eine Portefeuilleübertragung war, kommt die zweite in der Gestalt einer Firmenübernahme daher. Arag SE veräußerte zu einem nicht genannten Preis (laut Insurance Day weniger als 30 Mio. Euro) 92 Prozent (die übrigen acht Prozent liegen bei Dritten) der Aktien der Arag Lebensversicherungs-AG. Erwerber der Aktien ist die Zeus Leben Management & Service GmbH & Co. KG. Diese gehört wiederum indirekt einem Luxemburger Fonds. Die Arag Leben wird dann eine Schwester der Frankfurter Leben. Sie bleibt als eigenständiges Lebensversicherungsunternehmen erhalten.

Der Bestand der Arag Leben umfasst 322.000 Versicherungsverträge mit 2,8 Mrd. Euro Kapitalanlagen und 220 Mio. Euro Beiträgen. Bernd Neumann, Vorstand des Run-off-Versicherers Frankfurter Leben erläutert: “Weitere Zukäufe sind geplant. Eventuell hohe Garantien finden ebenso wie die derzeitige Niedrigzinsphase beim Erwerb Berücksichtigung. Auch Portefeuilles, die Rentenversicherungen junger Kunden enthalten, sind kein Ausschlusskriterium. Es wird nicht versucht, Versicherungsnehmer zu einem vorzeitigen Storno zu motivieren. Umgekehrt besteht das Interesse, die Bestände möglichst lange zu halten. Stattdessen gewinnt die Gruppe insbesondere bei Skaleneffekten und über eine Industrialisierung in der Verwaltung.” (cpt)

bestellen_vwhLesen Sie den vollständigen Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft (zum Beitrag)

Bildquelle: Shutterstock

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten