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Allianz: Von Getriebenen und Treibern

04.08.2017 – thomas_naumann_allianzDie Allianz blickt mit viel Optimismus nach vorne. Für dieses Jahr nimmt der Münchener Konzern einen Betriebsgewinn von mehr als elf Mrd. Euro ins Visier. Die Stimmung dürfte prächtig sein – doch sie ist es nur bedingt. Vor allem in der Belegschaft. Chefstratege Thomas Naumann seinerseits mahnt, dass es intern um Menschen und nicht um Mengengerüste. Den Fuß will der Versicherer aber nicht vom Gaspedal nehmen.

VWheute: Oliver Bäte ist dabei, den Allianz-Konzern mit “Düsengeschwindigkeit” umzubauen. Warum ist das notwendig?

Thomas Naumann: Wenn sich die Welt um einen herum ändert, muss man sich mindestens mit der gleichen Geschwindigkeit ändern, um nicht an Boden zu verlieren. Es geht schließlich um die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens. Eine langfristige Perspektive ist im Interesse aller Beteiligten, also Kunden, Mitarbeitern, Vertriebspartnern und Aktionären. Wir wollen erforderliche Veränderungen aus einer Position der Stärke angehen und nicht mit Verspätung und aus einer Not heraus. Und wir wollen mitgestalten und nicht von der Veränderung getrieben sein.

VWheute: Auch althergebrachte Hierarchien sind nicht mehr gefragt. Wie stellt sich die Allianz in der Führung neu auf?

Thomas Naumann: Auf uns wirken eine ganze Reihe von Trends ein, die nach meiner Einschätzung nicht vorübergehend sind, sondern strukturell. Das verändert natürlich auch die Anforderungen an unsere Mitarbeiter. Wichtiger wird beispielsweise das Wissen um Technologie, um die Bedeutung von Produktivität, und Kreativität. Entscheidend wird sein, wie wir Erkenntnisse und Ideen aller Mitarbeiter, unabhängig von ihrer Funktion und Stellung in der Hierarchie, ohne Zeitverzug einbeziehen. Zum Beispiel haben Mitarbeiter im Kundenkontakt sehr viel Wissen und gute Lösungen beizutragen.

VWheute: Digitalisierung und Automatisierung kosten Arbeitsplätze. Welche Folgen hat das für die Allianz

Thomas Naumann: Ich möchte daran erinnern, dass Produktivitätsfortschritte seit jeher wichtig sind, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Die Allianz käme ihrer Verantwortung nicht nach, wenn sie sich als Marktführer einfach zurücklehnen und abwarten würde. Der technische Fortschritt wird in den nächsten Jahren das Arbeitsbild auch bei uns erheblich verändern. Das heißt beispielsweise, dass wir in einigen Bereichen wachsen werden, uns in anderen hingegen verkleinern müssen. Um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müssen sich alle Allianz-Gesellschaften stets an sich verändernde Marktverhältnisse und Kundenbedürfnisse anpassen.

VWheute: Digitalisierung/Automatisierung entstehen aber auch neue Arbeitsplätze. Werden diese ausreichen, den Stellenabbau zu kompensieren?

Thomas Naumann: Das weiß ich nicht. Ich finde es aber nicht so relevant, ob sich die beiden Entwicklungen in einem Unternehmen zahlenmäßig ausgleichen, denn wir sprechen hier über Menschen, nicht über Mengengerüste. Wichtig ist, dass sich alle – Mitarbeiter und Führungskräfte – im Rahmen ihrer Möglichkeiten fit für die Zukunft machen. Wir müssen uns mit neuen Technologien vertraut machen, neue Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen und offen für Neues sein. Hierbei handelt es sich um eine Aufgabe, die wir nicht auf einzelne oder den Staat abwälzen, sondern unseren Beitrag leisten.

VWheute:Brauchen wir in absehbarer Zeit überhaupt noch Vertriebe, oder wird künftig alles nur noch digital abgewickelt?

Thomas Naumann: Nein, die stationären Vertriebe werden nicht verschwinden, auch wenn die Digitalisierung weiter voranschreitet. Wir stärken unser bewährtes Vertriebsnetz, indem wir es mit den neuen, digitalen Möglichkeiten verknüpfen. Dadurch haben wir einen enormen Wettbewerbsvorteil und schaffen neue Wachstumschancen für unsere Agenturen und die Allianz. Wir verknüpfen mit der „digitalen Agentur“ Online-Services mit der persönlichen Betreuung durch den Vertreter.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Link: Allianz erhöht Gewinnprognose nach erfolgreichem Quartal (Tagesreport vom 28.07.2017)

Bild: Thomas Naumann, Konzernstratege der Allianz. (Quelle: Allianz)

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