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Allianz erklärt, warum sie in den Paradise Papers steht

10.11.2017 – Allianz Baete - quelle kasparAuch wenn die Allianz auf der heutigen Finanzkonferenz das Zahlenwerk des abgelaufenen Quartals in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt, so überlagern doch Spekulationen im Zusammenhang mit den “Paradise Papers” die Nachrichtenlage. Mit der Bermuda-Kanzlei Appleby habe man normale Geschäftsbeziehungen, betont der Versicherer. “Die Allianz zahlt ihre Steuern dort, wo sie ihr Geschäft macht”, erklärt ein Sprecher.

Größere Ausreißer im Geschäftsverlauf wurden von den Analysten im Vorfeld der heutigen Veröffentlichung nicht erwartet. Auch wenn sich die Gewinnschätzung für das laufende Fiskaljahr auf rund 16,09 Euro pro Aktie beläuft (Vorjahr 15,14 Euro) und ein Umsatz von rund 116 Mrd Euro (122,4 Mrd Euro im Vorjahr) erwartet wird, so ist wohl, im Vergleich zum Vorjahresquartal, ein Umsatzrückgang von knapp fünf Prozent im Bereich des Wahrscheinlichen, urteilen zahlreiche Analysten und Marktbeobachter. Nicht auszuschließen ist daher, dass auch beim Ergebnis je Aktie ein Rückgang von bis zu acht Prozent auf durchschnittlich 3,72 Euro (Vorjahr 4,08 Euro) hinzunehmen ist.

Das hat auch Konsequenzen für die Kursziele und Ratings der Allianz-Aktie: So stehen acht Kaufempfehlungen mit Kurszielen von bis zu 228 Euro, 14 neutrale bzw. “underperform”-Ratings gegenüber die einen Boden für das Papier bei 150 Euro sehen. Derzeit schwankt die Aktie leicht um den Wert 200 Euro, Tendenz fallend.

Flügel könnten der Allianz-Aktie allerdings die jüngsten Naturkatastrophen beschehren. Die Analysten von JP Morgan sehen in diesem Zusammenhang das Potenzial von steigenden Prämien, von denen neben den Rückversicherern auch gewerbliche Sachversicherer profitieren könnten. Und auf die große Dynamik in Asien hat das Unternehmen erst vor zwei Tagen mit der Eröffnung einer neuen Niederlassung in Peking reagiert.

Bermuda ist ein Versicherungsstandort, wo die Allianz nicht fehlen darf

Eine ungewollte Dynamik kann jedoch noch die derzeit fokussierte Berichterstattung um die sogenannten Paradise Papers auslösen. Diese zeigen, wie Konzerne und Superreiche Steueroasen nutzen. In den 13,4 Millionen Dokumenten finden sich Spitzensportler und große Unternehmen. Die vom internationalen Rechercheverbund ICIJ ausgewerteten Daten stammen zu einem großen Teil von der Kanzlei Appleby – allein dieser Quelle sind rund 6,8 Millionen Dokumente zuzurechnen. Nach eigenen Angaben ist die Kanzlei auf den Bermuda-Inseln mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. Euro Marktführer in der juristischen Offshore-Beratung. Appleby macht keinen Hehl daraus, dass sie ihren Mandanten hilft, die Steuerlast so weit zu drücken. Allerdings sind viele Steuertricks legal oder bewegen sich in rechtlichen Grauzonen. Demnach gehört nicht jedes Unternehmen, das in den Daten auftaucht, zum Kreis der Steuerbetrüger.

Ohne konkrete Beschuldigungen tauchten auch die Großkonzere Siemens, Bayer, Deutsche Post und die Allianz in den Paradise Papers auf. Auf Nachfrage von VWheute sagte Unternehmenssprecher Christian Kroos, Bermuda sei ein großer Versicherungsstandort über den selbstverständlich auch die Allianz Transaktionen durchführe, jedoch nicht zum Zwecke der Steuervermeidung. Auch arbeite man dabei mit örtlichen Kanzleien und Beratungsunternehmen zusammen, was ein ganz normaler Vorgang sei.

Im Übrigen profitiere die Allianz nicht von niedrigen Steuerquoten, was allein schon die kommunizierte eigene Steuerquote von rund 30 Prozent anzeige. “Die Allianz verfolgt keine eigene Off-Shore-Strategie”, so Kroos weiter, zudem gebe es keine konkreten Anschuldigen und Vorwürfe gegen das Unternehmen und auf eine bloße Nennung in einem Papier würde man nicht reagieren. “Die Allianz zahlt ihre Steuern dort, wo sie ihr Geschäft macht” und weitere Fragen könnten heute auf dem Conference Call gestellt werden, so der Sprecher abschließend. (vwh/ak/dg)

Bild: Mit Spannung wird erwartet, was Allianz-Chef Oliver Bäte über die Beziehung der Allianz zur Beratungskanzlei Appleby auf den Bermudas zu sagen hat. (Quelle: Alexander Kaspar)

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