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AGCS-Chef Hirs: “Ein Weiter-so genügt nicht”

06.09.2017 – fischerAuf dem GVNW-Symposium diskutieren Industrieversicherer vier Tage über neue Risiken und anspruchsvolle Deckungsszenarien. “Wir befinden uns in einem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld, das auf absehbare Zeit von Niedrigzinsen, Prämiendruck und Überkapazität bestimmt sein wird”, betont AGCS-Vorstandsvorsitzender Chris Fischer Hirs im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft.

VWheute: Anfang des Jahres kündigten Sie an, Geschäftsmodell und Aufstellung der Allianz-Industrietochter runderneuern zu wollen. Den Start in das laufende Jahr kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Wie sieht die Zielrichtung für die kommenden Jahre aus?

Chris Fischer Hirs: Ein Weiter-so hätte nicht genügt, um bisherige Erfolge fortzuschreiben. Im vergangenen Jahr haben wir unsere komplette Organisation auf den Prüfstand gestellt. Die zentrale Frage war: Machen die richtigen Leute an den richtigen Orten die richtigen Aufgaben? Jetzt sind wir dabei, Prozesse zu vereinfachen und neu zu ordnen. Bestimmte Aufgaben wandern von Underwriting zu Operations, andere lagern wir in Allianz Shared-Services- Einheiten aus oder automatisieren sie mit Hilfe von Robotern.

VWheute: Welche Marktakteure werden dem harten Wettbewerb in der Industrieversicherung langfristig nicht standhalten können? Bleiben am Ende nur noch die Großen?

Chris Fischer Hirs: Das wird der Markt entscheiden. Im Moment ist in der Versicherungsbranche vieles in Bewegung. Es gibt Übernahmen und Konsolidierung – zugleich fordern Insurtechs die Platzhirsche heraus. Größe durch einen globalen Pool an Talent, ein weltweites Netzwerk, Kapitalstärke und ein nachhaltig diversifiziertes Portfolio bleibt die Grundlage für eine starke Marktpräsenz und hohe Produktivität. Aber Größe allein garantiert im volatilen, komplexen Geschäftsumfeld von heute nur dann Erfolg, wenn sie mit Kundenzentrierung und Agilität gepaart ist. Das bedeutet natürlich einen enormen Kulturwandel, wie ihn die Allianz mit der Renewal Agenda angestoßen hat.

Für die großen Versicherer ist es auch immer wichtiger, die eigenen Fähigkeiten durch Partnerschaften zu erweitern. Das können hochspezialisierte Start-ups im Bereich Big Data oder IT-Forensiker sein.

VWheute: Ein wichtiges Differenzierungsmerkmal ist die berühmte Partnerschaft auf Augenhöhe mit dem Industriekunden. Umgekehrt sollte aber auch dieser fair und offen agieren im Verhältnis zu seinem „Partner in Risk“. Was tun Sie, um böse Überraschungen zu vermeiden?

Chris Fischer Hirs: Natürlich gibt es in dem einen oder anderen Schadenfall Diskussionen oder Kunden wünschen sich schnellere Entscheidungen oder eine unkompliziertere Zusammenarbeit. Wir nehmen solche Rückmeldungen ernst und sehen sie als Anknüpfungspunkt für weitere Verbesserungen. Neuen Kunden bieten wir beispielsweise Szenario-Workshops an, dabei spielen wir mit dem Unternehmen die typischen Abläufe im Schadenfall durch. Dadurch lassen sich dann unliebsame Überraschungen vermeiden.

VWheute: Was passiert, wenn eine der anderen Seite elementare Informationen vorenthält?

Chris Fischer Hirs: Das wäre nicht im beiderseitigen Interesse, denn dies könnte im Schadenfall zu Schwierigkeiten führen und schlimmstenfalls dazu, dass der Versicherer nicht regulieren muss. In unserer Praxis sind solche Fälle jedoch die absolute Ausnahme. Risikoprüfung in der Industrieversicherung ist kein Laiengeschäft. Auf beiden Seiten sind Professionalität, Sachkompetenz und Rechtsverständnis stark ausgeprägt.

VWheute: Wie sehr sind milliardenschwere Industriekonzerne auf Versicherer angewiesen?

Chris Fischer Hirs: Es gibt einige sehr kapitalstarke Konzerne, die Risiken über Captives oder höhere Selbstbehalte selbst tragen und nur noch Spitzenrisiken an den Versicherungsmarkt weitergeben. Hier kommen wir dann über den alternativen Risikotransfer ins Spiel. Die Mehrheit der Unternehmen sieht jedoch im traditionellen finanziellen Risikotransfer an den Versicherer weiterhin ein effektives Mittel, die eigene Kapitalbasis zu entlasten und die Bilanz vor Großschäden zu schützen. Noch wichtiger ist die Unterstützung im Schadenfall – nicht jedes Unternehmen hat selbst Experten, um einen Schaden über mehrere Länder und Rechtsräume hinweg zu regulieren.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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