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“Zinszusatzreserve könnte einige Versicherer überfordern”

16.03.2017 – reiner_will_assekurataHeute beginnt der Rheinischer Versicherungsausblick 2017. Pensionskassen, Versicherungen und Versorgungswerke diskutieren über die aktuell schwierigen Zeiten  vor allem über die Zinszusatzreserve (ZZR). Doch wie sehr belastet die ZZR eigentlich? VWheute hat einen Experten um eine Einschätzung gebeten: Reiner Will von der Ratingagentur Assekurata.

Nachdem der Referenzzinssatz zur Bildung der Zinszusatzreserve (ZZR) für 2016 auf 2,54 Prozent gesunken ist, mussten die Versicherer nun erstmals auch für Tarife mit einem Rechnungszins von 2,75 Prozent nachreservieren. In den Wirkungsbereich der ZZR fallen somit mittlerweile fünf Tarifgenerationen (4,00, 3,50, 3,25, 3,00, 2,75 Prozent), deren Anteil an der konventionellen Deckungsrückstellung marktweit rund zwei Drittel beträgt. In der Spitze müssen einzelne Anbieter für etwa 85 Prozent ihres Bestandes Zinszusatzreserven stellen. Den Erfolg dieser Maßnahme verdeutlicht der Umstand, dass die Versicherer seit dem Bilanzjahr 2011 mithilfe der Zinszusatzreserven die Garantiezinsanforderung in ihren Beständen effektiv reduzieren konnten. Diese liegt Ende 2016 unter Berücksichtigung der ZZR bei durchschnittlich 2,32 Prozent. Ohne ZZR lägen die Bestandsgarantien mit 2,89 Prozent um 57 Basispunkte höher.

Allerdings belasten die Zuführungen zur ZZR beträchtlich die Ertragslage und damit den finanziellen Spielraum für höhere Überschussbeteiligungen. Ein Vergleich der Zuführungen zur ZZR mit dem hiernach verbleibenden Rohüberschuss aus dem Jahr 2015 zeigt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt beide Komponenten durchschnittlich etwa gleich hoch ausgefallen waren. Für das Jahr 2016 wird sich dieses Verhältnis weiter zu Lasten des Rohüberschusses verschieben.

Die ZZR-Zuführung im Jahr 2016 summiert sich branchenweit auf einen neuen Höchstwert von 13 Mrd. Euro, so dass der Bestand sich Ende 2016 insgesamt auf nunmehr rund 45 Mrd. Euro summiert. Im Vergleich dazu lag das gesamte bilanzielle Eigenkapital der Lebensversicherer Ende 2016 bei etwa 16 Mrd. Euro. Damit haben die deutschen Lebensversicherer in den vergangenen sechs Bilanzjahren bereits knapp das Dreifache ihres bilanziellen Eigenkapitalbestands als zusätzliche Zinsvorsorge nachreserviert. Um die zukünftige Entwicklung der ZZR abzuschätzen, haben wir in unserer aktuellen Studie zu Überschussbeteiligungen und Garantien in der Lebensversicherung erneut Referenzzinssimulationen vorgenommen.

Unter der Annahme gleichbleibender Zinskonditionen würde der Referenzzins 2017 auf 2,17 Prozent sinken, womit auch erstmals die Verträge mit einem Rechnungszins von 2,25 Prozent von der Zinsnachreservierung betroffen wären. Diese machen mehr als 15 Prozent der gesamten konventionellen Deckungsrückstellung aus. Erholt sich das Zinsniveau auch in den Folgejahren nicht, so wären ab 2019 weitere zehn Prozent der Bilanzverpflichtungen mit einem Rechnungszins von 1,75 Prozent erstmals reservepflichtig. Dabei weisen die Verträge der jüngeren Tarifgenerationen vergleichsweise hohe Durationen auf, weil es sich im Schwerpunkt um Rentenversicherungen mit noch langer Restlaufzeit handelt, die bei anhaltenden Niedrigzinsen auf lange Sicht von der ZZR betroffen sein werden.

Um die langfristige Belastung der Branche durch die ZZR-Anforderungen genauer abschätzen zu können, haben unsere Analysten zusätzliche Szenarien mit einem Prognosehorizont bis zum Jahr 2025 entwickelt. Unter der Annahme eines anhaltenden Niedrigzinsniveaus mit leicht schwankenden Zinsen ergibt sich bis zu diesem Zeitpunkt ein gesamtes ZZR-Volumen von rund 200 Mrd. Euro. Bereits für 2017 rechnen wir unter einem stagnierenden Zinsumfeld mit einer weiteren ZZR-Zuführung von insgesamt 20 Mrd. Euro, was einen neuerlichen Höchstwert in der Branche bedeuten würde.

Diese Prognosen verdeutlichen, dass der handelsrechtliche Aufwand zukünftig einzelne Gesellschaften überfordern könnte. Dies gilt nicht nur in einem anhaltenden Niedrigzinsszenario, sondern auch im Falle deutlich ansteigender Zinsen und einem damit verbundenen Absinken der Bewertungsreserven auf festverzinsliche Kapitalanlagen, die derzeit noch zur Finanzierung der ZZR zur Verfügung stehen. So notwendig und zweckmäßig die Zinszusatzreserve ohne Zweifel ist, sollte aber die Dosierung im Auge behalten werden. Für Abhilfe kann hier der Gesetzgeber sorgen, der die Dotierungsvorschriften zur Zinszusatzreserve zeitnah überarbeiten und für ein stimmiges Bild sorgen sollte.

Foto: Reiner Will (Quelle: Assekurata)

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