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Wilder Gockel-Angriff: Versicherer zahlt Entschädigung

02.02.2018 – hahn_pixelio“Auf seinem Misthaufen ist der Hahn König”, lautet ein altes deutsches Sprichwort. Dass das geflügelte Federvieh sein Territorium mitunter mit aller Vehemenz verteidigt, musste nun ein Bauaufseher leidlich am eigenen Körper erfahren. Zugetragen hat sich die Geschichte bereits vor viereinhalb Jahren in der bayerischen Gemeinde Egmanting im Landkreis Ebersberg.

So hatte das heute 53-jährige Opfer an einem Sommertag im Juli 2013 die Bauaufsicht für Straßenbau-Arbeiten in der genannten Gemeinde. Diese Arbeiten fanden just nahe dem Grundstück eines Ehepaares statt, auf dem sich der durchaus renitente Hahn frei bewegen konnte. Dabei sei der Mann wie aus heiterem Himmel von dem Federvieh derart aggressiv attackiert worden, dass er rückwärts stolperte, mit einem Fuß die Straßenkante erwischte, das Gleichgewicht verlor und zu Boden fiel.

Das Ergebnis: ein Bruch im Lendenwirbelbereich. Doch nicht genug des Ganzen, setzte das Tier laut Aussage seine Angriffe flügelschlagend und kreischend fort. Dabei sei dem Mann nur mit knapper Not und massiven Schmerzen gelungen, sich in ein benachbartes Haus zu retten. Die Folgen spürt das “Opfer” des wild gewordenen Federviehs nach eigener Aussage bis heute.

So habe er sich aufgrund seiner Verletzungen über mehrere Wochen hinweg in stationäre Behandlung begeben müssen, gefolgt von fast einem Monat in einer Reha. Zudem befinde er sich noch heute in orthopädische und physiotherapeutischer Behandlung. Außerdem könne er beruflich nur noch im Innendienst mit eingeschränkter Arbeitszeit eingesetzt werden. Einen Nebenjob als Hausmeister in einer Kirchengemeinde habe der Mann nach eigener Aussage sogar ganz aufgeben müssen. Das schlimmste Übel sei jedoch die tägliche Einschränkung im Alltag infolge des hinterlistigen Angriffs durch den Gockel. So sei es ihm beispielsweise noch heute unmöglich, einen Kasten Bier zu heben, klagte der Mann.

Wenig verwunderlich also, dass der 53-Jährige das Ehepaar auf Schadenersatz verklagte. So machte der Mann vor dem zuständigen Landgericht neben 12.000 Euro Verdienstausfall auch ein Schmerzensgeld von 18.000 Euro geltend, weil er durch die massiven Schmerzen ein Korsett tragen musste und durch den Vorfall psychisch belastet sei. Dem folgten die zuständigen Richter jedoch nur teilweise: So sprachen diese ihm zwar ein Schmerzensgeld über 10.000 Euro zu, lehnten allerdings den Anspruch auf Verdienstausfall ab, weil er diesen nicht ausreichend erklären konnte.

Im Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht München bekam der 53-Jährige nun Recht: In einem Vergleich einigten sich die beiden Parteien auf eine Summe von 27.500 Euro – und zwar zusätzlich zum Schmerzensgeld von 10.000 Euro aus erster Instanz. Bezahlen muss das Ganze wohl nun der Haftpflichtversicherer des betroffenen Ehepaars. Dies hat übrigens schon ernste Konsequenzen aus den dramatischen Ereignissen gezogen und die Hühnerhaltung “ganz aufgegeben”. Der aggressive Gockel wurde übrigens geschlachtet. (vwh/td)

Bildquelle: Cornerstone / PIXELIO (www.pixelio.de)

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