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Wie Versicherer in Pilotprojekten das Klima retten

06.06.2017 – Flut by_Karl-Heinz Laube_pixelio.deVon Thomas Loster, Geschäftsführer der Munich Re Foundation. Seit nun gut zehn Jahren entwickeln Akteure wie die Weltbank, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und Entwicklungsbanken in Zusammenarbeit mit führenden Rückversicherern Lösungen für die Auswirkungen des Klimawandels. Unter dem Schlagwort “Climate Risk Insurance”, zu deutsch Klima-Risikoversicherung, sollen künftig Menschen in Schwellenländern Versicherungsschutz für Wetter-Risiken erhalten.

Die Schwellenländer leiden besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels, weil die Auswirkungen in südlichen Ländern oft stärker sind. Sie sind meist auch verletzlicher gegenüber Extremwetterereignissen, denn sie haben weniger Kapazität, Schäden zu puffern. Dass Länder mit hoher Versicherungsdichte Schocks durch Wetterextreme besser verkraften, ist längst erwiesen. Sie sind resilienter und kommen nach Wetterkatastrophen schneller wieder auf die Füße. Die Klima- Risikoversicherung adressiert in der Regel Deckungen für Extremereignisse wie starke Stürme, Überschwemmungen oder Dürren.

Nicht versicherbar sind längerfristige, großräumige Prozesse in der Umwelt, die in einem wärmeren Klima ebenfalls unweigerlich auftreten: der globale Meeresspiegelanstieg, große Gletscherschmelzen – etwa im Himalaja-Gebirge – oder schleichende Wüstenbildung, sprich Desertifikation. Seit Jahren beschäftigen sich die Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen, Entwicklungsbanken sowie Vertreter der Versicherungswirtschaft mit der Frage, wie Versicherungslösungen für Risiken in Verbindung mit dem Klimawandel entwickelt werden können. Das ist für die armen Länder besonders wichtig, aber zugleich oft besonders schwierig. Die Märkte sind teilweise wenig entwickelt, unter Umständen fehlen Regulierungsstandards. Wichtige Daten für notwendige Produkte – etwa im Agrarbereich – fehlen, ebenso Erfahrungen. Diese Märkte sind wenig spezialisiert für Deckungen, wie sie im Zuge der globalen Erwärmung gebraucht werden.

Anfang Juni 2015 fand im bayerischen Elmau der 41. G7-Gipfel statt. Ein Top-Thema auf der Agenda: “Climate Risk Insurance”. Auf diesem Spitzentreffen der Politik wurde das Thema auf die Tagesordnung gehoben. Besser noch, am Ende des Gipfels wurde ein bemerkenswerter Beschluss gefasst: Bis zum Jahr 2020, so lautet das Ziel der Initiative “InsuResilience” der G7-Staaten, sollen zusätzlich mindestens 400 Millionen Menschen gegen klimabedingte Ernteausfälle oder andere Verluste abgesichert sein. Beim Weltklimagipfel COP 21 in Paris im Dezember 2015 sagten dann die G7-Staaten eine erste Unterstützung von 420 Mio. US-Dollar für “InsuResilience” zu. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Deutschland stellte davon 150 Mio. Euro zur Verfügung. 400 Millionen Neuversicherte, das ist ein großes Ziel, haben doch heute weltweit nur etwa 250 Millionen arme Menschen einen einfachen Versicherungsschutz, eine sogenannte Mikroversicherung für Gesundheit, Leben oder Sach. Auch dieses Thema wurde in Elmau diskutiert. Das Ergebnis: Etwa 100 Millionen Neukunden sollen individuell Versicherungspolicen erhalten, die restlichen 300 Millionen können über staatliche Versicherungssysteme berücksichtigt werden.

Derzeit wird sondiert, welche Lösungen sich eignen, um bis 2020 so viele Betroffene in Versicherung zu bringen. Weltweit existieren einige Pilotprojekte und Versicherungsmodelle, welche die zuständigen Behörden nun unter die Lupe nehmen. Beispiele sind:

  • Karibik-Pool: Die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) ist ein staatenübergreifender Versicherungs-Pool in der Karibik, der dort 16 Regierungen gegen Wetterextreme und Erdbeben absichert. Regelmäßige Auszahlungen demonstrieren, dass Versicherung für Großereignisse regelmäßige Geldflüsse für den Wiederaufbau generieren kann.
  • Länderpool Afrika: Die African Risk Capacity (ARC) dient der Absicherung für Wetterrisiken, derzeit überwiegend gegen Dürren in Ländern der Afrikanischen Union. Die Teilnahme an diesem großangelegten Solidarkonzept, das Länder in ganz Afrika einschließt, bedingt, dass Teilnehmerländer eine fundierte Notfallplanung vorweisen können. Das verbessert insgesamt das Risikound Krisenmanagement. Allerdings kam es gerade in jüngster Zeit zum Streit über Dürreschäden in Malawi, was die ARC zurückwerfen könnte.
  • Management-Plattform im Pazifik: Die Pacific Catastrophe Risk Assessment & Financing Initiative beinhaltet eine umfassende Risiko-Management-Plattform, die unter anderem Gefahreninformationen in der Region teilt. Sie enthält ebenfalls einen Versicherungsteil, der im Falle großer Zyklone auf betroffenen Inseln auszahlt.
  • Absicherung von Individuen durch eine Police der MCII: 2005 wurde in München auf Initiative von Munich Re die Munich Climate Insurance Initiative (MCII) gegründet, ein Verbund von Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, die sich seit ehedem mit dem Thema beschäftigen. Auch die MCII testet in einzelnen Ländern der Karibik ein Konzept für die Absicherung armer Menschen im Fall von Starkregen oder -wind. Die Police zum Schutz vor Einkommenseinbußen kann von Kunden in St. Lucia und Jamaika erworben werden. Die Prämien sind erschwinglich und die Schadenauszahlungen helfen, Unwetterschäden rascher zu beseitigen.

Nachdem es bei dieser Art von Versicherung oftmals um neue Produkte geht, die in unterschiedlichen Kulturen zum Einsatz kommen, ergeben sich naheliegende Herausforderungen. Grundsätzlich liegt eine oft schlechte Datenqualität vor. Wetterdaten müssen modelliert und interpoliert werden. Kunden, auch Regierungsvertreter auf staatlicher und kommunaler Ebene, müssen erst mit typischen Versicherungsmechanismen vertraut gemacht werden. In vielen Gesellschaften in Entwicklungsländern ist Sparen als Anlage für Notfälle die vorherrschende Strategie. Von zentraler Bedeutung ist also das Verstehen des Solidarkonzepts Versicherung.

Das bedeutet, dass Schulungsaufwände und Bewusstseinsbildung für die Klimaversicherung in der Regel sehr aufwändig sind. Und ein weiterer Knackpunkt für nachhaltigen Erfolg ist die geographische Streuung der Risiken im Raum oder über die Zeit. Da es sich in der Regel um neue Produkte oder Märkte handelt, stehen Bewährungsproben in den meisten Fällen noch bevor.

bestellen_vwhLesen Sie den vollständigen Beitrag “Solidarkonzept mit Schwachstellen” von Thomas Loster in der Versicherungswirtschaft 05/17. (Zum Beitrag)

Bildquelle: Karl-Heinz Laube / PIXELIO / www.pixelio.de

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