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Wie funktionieren Kapitalanlagen nach dem BRSG?

08.12.2017 – bav Altersvorsorge by_Bernd Kasper_pixelio.deMit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wird erstmalig die Möglichkeit geschaffen, in Deutschland reine Beitragszusagen zu realisieren. Mit der “Befreiung” betrieblicher Altersversorgung von Garantien sollen – neben einer Verbreiterung der zweiten Säule der Altersversorgung – attraktive Kapitalanlageergebnisse und damit hohe Rentenleistungen erreicht werden, glaubt Sandra Güth, Leiterin Asset Liability & Overlay Management bei HSBC.

Gleichzeitig wird angestrebt, auch ohne Garantien ein hohes Maß an Planbarkeit und Kontinuität der Renten zu gewährleisten. Um ausgehend vom aktuellen Marktzinsniveau attraktive Renditen zu erzielen, muss ein Großteil der Anlagemittel in Anlageklassen mit hohem Renditepotenzial und entsprechend hoher Volatilität, zum Beispiel Aktien, investiert werden. Eine zentrale Aufgabe im Rahmen der Gestaltung einer reinen Beitragszusage ist daher, trotz überwiegend volatiler Investments die angestrebte Stabilität der Rentenleistungen sicherzustellen. Zur Stabilisierung können sowohl die im Betriebsrentenstärkungsgesetz hierzu vorgesehenen Spielräume bei der Gestaltung der Zusage als auch die auf der Kapitalmarktseite bestehenden Möglichkeiten zur Risikosteuerung genutzt werden.

Zu den für die Planbarkeit und Kontinuität relevanten Spielräumen auf der Verpflichtungsseite zählen in erster Linie die Option zur Kollektivbildung in der Anwartschaftsphase, die Möglichkeit zur Vereinbarung von Sicherungsbeiträgen seitens der Arbeitgeber sowie die Freiheitsgrade bei der Festlegung des Rechnungszinssatzes für die Verrentung. Wesentliche Risikosteuerungsinstrumente auf der Anlageseite sind Diversifikation – sowohl zwischen verschiedenen Anlageklassen als auch über die Zeit – sowie Maßnahmen zur Einhaltung vorgegebener Risikobudgets, wie Stop-Loss-Mechanismen oder Verlustbegrenzungen mittels Put-Optionen.

Maßnahmen zur Einhaltung von Risikobudgets sind mögliche Instrumente zur Abfederung von Kapitalverlustrisiken bei Kapitalmarkteinbrüchen oder zur Begrenzung des Rückschlagpotentials kurz vor Renteneintritt. Der Einsatz solcher Instrumente sollte allerdings begrenzt werden, da er im Widerspruch zu der Grundidee langfristiger Investments steht, aufgrund der zu erwartenden langfristigen Ausgleichseffekte eine substanzielle kurzfristige Volatilität in Kauf nehmen zu können.

Zudem sind Maßnahmen zur Einhaltung von Risikobudgets zwar nicht gleichbedeutend mit Leistungsgarantien, können aber wie Garantien mit substantiellen (Opportunitäts-)Kosten verbunden sein. Ein massiver Einsatz solcher Maßnahmen konterkariert damit das Ziel des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, durch den Abbau von Garantiekosten Renditepotenzial zu schaffen.

Das wesentliche Instrument zur Risikosteuerung auf der Anlageseite ist daher Diversifikation. Um die an den Kapitalmärkten zu erzielenden Diversifikationseffekte möglichst weitgehend zu nutzen, sollte die Kapitalanlage über ein breites Spektrum an Anlageklassen gestreut und möglichst langfristig ausgerichtet werden. Inwieweit Diversifikation auf Ebene der Kapitalanlage aber tatsächlich zu der gewünschten Stabilisierung der Rentenleistungen führt, hängt von der Gestaltung der Zusage ab.

So ist beispielsweise eine Kollektivbildung in der Anwartschaftsphase eine notwendige Voraussetzung dafür, auch mit kurz vor dem Renteneintritt erfolgenden Beitragszahlungen unmittelbar an langfristigen Ausgleichseffekten von Kapitalmärkten zu partizipieren. Zudem ist über die Kapitalanlage nicht steuerbar, wann Ausgleichseffekte auftreten. Auch in einem Kollektivmodell kann eine Glättung der Entwicklung des Versorgungskapitals bzw. der Rentenleistungen nur dann zuverlässig erfolgen, wenn ausreichend Kapitalpuffer zur Verfügung steht, um auch längere negative Kapitalmarktphasen kompensieren zu können.

Insbesondere in der Startphase einer reinen Beitragszusage, in der noch kein Puffer aus Kapitalanlageergebnissen vorliegen kann, trägt es erheblich zur Stabilität bei, wenn durch Sicherungsbeiträge der Arbeitgeber oder die Wahl des Verrentungszinssatzes Kapitalpuffer geschaffen werden. Die Kapitalanlage kann dann darauf ausgerichtet werden, über die zur Verfügung stehenden Puffer hinausgehende Schwankungen – unter Berücksichtigung der Renditezielsetzungen – möglichst weitgehend zu vermeiden.

Aufgrund der Abhängigkeit der Stabilität der Rentenleistungen von der Anlage- und der Verpflichtungsseite lassen sich die mit der Einführung der reinen Beitragszusage verfolgten Ziele nur durch eine enge Verzahnung von Pensionszusage und korrespondierender Kapitalanlagestrategie erreichen. Die Kapitalanlage ist dabei nicht nur Instrument zur Realisierung eines Versorgungsmodells, sondern zentraler Bestandteil des Modells selbst.

Bild: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)

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