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Wie die Pflegemafia die Kassen abzockte

31.08.2017 – Pflege_Rainer Sturm_pixelio.Vor dem Düsseldorfer Landgericht begann gestern ein Mammut-Prozess wegen des Verdachts des systematischen Abrechnungsbetrugs in der Pflege. Den neun größtenteils aus Russland und der Ukraine stammenden Angeklagten wird vorgeworfen, über mehrere Jahre bei den Kranken- und Sozialkassen Abrechnungen für nicht erbrachte Leistungen eingereicht zu haben. Auch korrupte Ärzte machten mit.

Im September vor einem Jahr rückten als fast 500 Polizisten, Steuerfahnder und Zollbeamte zu einem der größten Einsätze im Kampf gegen Pflegebetrug aus. Sie durchsuchten insgesamt 108 Objekte und beschlagnahmten mehrere hundert Umzugskisten mit Akten sowie 70 Terabyte an digitalen Daten, stellten außerdem mehrere Waffen sicher.

Ergebnis: Jahrelang rechnete die Mafia mit mehreren Pflegediensten für rund 250 Patienten teure medizinische Leistungen ab, die jedoch nie erbracht wurden. Laut Anklageschrift beschäftigten die Firmen nur für Härtefälle einen ausgebildeten Pfleger. Die meisten Patienten hingegen bekamen nur selten Besuch von den kriminellen Pflegediensten. Statt einmal pro Tag ein Pfleger schaute eine ungelernte Putzkraft bei ihnen vorbei, half ihnen ein bisschen beim Haushalt und verschwand wieder.

Am Ende des Monats mussten Patienten Pflegenachweise mit angeblichen Leistungen wie Blutdruckmessen, Baden oder das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen abzeichnen. Nur mit diesen konnte die Bande die teuren Leistungen abrechnen. Alleine in den Jahren 2013 bis 2016 könnte den Kassen ein Schaden in Höhe von rund 2,2 Mio. Euro entstanden sein. In der Anklageschrift steht, dass auch viel Geld an korrupte Ärzte floss. Diese verordneten im Gegenzug etwa Kompressionsstrümpfe und Arzneien oder Pflegeleistungen, die gar nicht nötig waren und entsprechend auch nicht eingekauft bzw. erbracht wurden – aber abgerechnet wurden sie schon.

Ermittler sagen, das Geschäft mit der Pflege sei inzwischen lukrativer als Drogenhandel oder Prostitution. Bayerische Kriminalbeamte beobachten, dass immer mehr Frauen aus Osteuropa nicht mehr für das Sexgewerbe nach Deutschland geholt würden, sondern für den Pflegebetrieb. (vwh/dg)

Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO / www.pixelio.de

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