Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 


- Anzeige -

Werden klassische Kfz-Policen bald überflüssig?

14.06.2017 – Auto Zukuft Mobilitaet, Elektroauto, autonom - dgAssistenzsysteme für Autofahrer und automatisierte Fahrfunktionen sollen nach Ansicht ihrer Erfinder für mehr Sicherheit und weniger Unfälle im Straßenverkehr sorgen. In einer aktuellen Studie kommt der GDV nun zu dem Schluss, dass die Schadenleistungen der Kfz-Versicherer bis 2035 um bis zu 15 Prozent sinken werden. Aus Sicht von Fidelity werden klassische Kfz-Policen gar überflüssig.

Für seine Untersuchung hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherer nach eigenen Angaben insgesamt sechs Systeme nämlich das Spurhaltesystem, Spurwechselassistent, Notbremsassistent, Park- und Rangierassistent, Autobahnpilot, sowie den City-/Landstraßenpilot – analysiert. Dabei legte der Branchenverband für seine Berechnungen die Schadenleistungen im Jahr 2015 mit insgesamt rund 22 Mrd. Euro zugrunde.

Das Ergebnis der Umfrage in Kurzform: Den größten Effekt auf Kfz-Haftpflichtschäden haben laut GDV-Studie demnach die Notbremsassistenten sowie die Park- und Rangierassistenten, die bis 2035 jeweils zu Einsparungen von rund fünf bis zehn Prozent führen könnten. In der Kaskoversicherung rechnet der Branchenverband bis 2035 hingegen mit Einsparungen von rund vier bis knapp acht Prozent.

Assistenten wirken sich unterschiedlich auf die Schadenbelastung aus

Die größten Auswirkungen hätte demnach der Park- und Rangierassistent. Dieser erkennt Hindernisse rund um das Fahrzeug und würde nach GDV-Berechnungen in der Kfz-Haftpflicht je nach Verbreitung bis 2035 zu Einsparungen zwischen 4,9 und 10,5 Prozent, in der Kaskoversicherung zwischen 3,7 und 79 Prozent führen. Ähnliche Einsparungen sieht der GDV auch beim Notbremsassistenten: In der Kfz-Sparte rechnet der Verband demnach mit Einsparungen zwischen 4,9 und 9,5 Prozent, in der Kaskoversicherung lediglich zwischen 1,3 und 2,6 Prozent.

Deutlich niedriger sieht der Branchenverband die Auswirkungen des Spurwechselassistenten auf die Kfz-Versicherer: Gerade einmal 1,4 bis 2,5 Prozent belaufen sich die Einsparungen für die Autoversicherer. In der Kaskosparte liege der Spareffekt lediglich bei 0,7 bis 1,2 Prozent. Praktisch keine Auswirkungen sieht die GDV-Studie hingegen bei den Spurhaltesystemen (0,3 bis 0,6 Prozent in der Kfz- und 0,2 bis 0,4 Prozent in der Kaskosparte), dem Autobahnpilot (0,1 Prozent in der Kfz- und 0,0 Prozent in der Kasko-Sparte) sowie beim City- und Landstraßenpilot (0,8 Prozent in der Kfz- und 0,3 Prozent in der Kaskosparte).

Gleichzeitig befürchtet der Branchenverband aber auch neue Gefahren wie Hacker-Angriffe auf vernetzte Fahrzeuge, falsche Interpretationen der Verkehrssituation, im Mischverkehr zwischen automatisierten und konventionellen Systemen, defekte Sensoren, Softwarefehler oder die mangelhafte Abstimmung zwischen Mensch und Maschine. Zudem hätten Assistenzsysteme – erwartungsgemäß – keinen Einfluss auf Schäden durch Steinschlag, Hagel oder Marderbisse, so der GDV.

“Die neuen Systeme machen das Autofahren zwar sicherer, sie verbreiten sich im Fahrzeugbestand aber nur langsam und machen Reparaturen im Schadenfall teurer. Auf absehbare Zeit hat der technologische Fortschritt also nur geringen Einfluss auf das Schadengeschehen”, kommentiert Bernhard Gause, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, die Studie.

Fidelity: Versicherer müssen Geschäftsmodell überdenken

Wesentlich radikaler sind hingegen die Prognosen von Fidelity International. Nach Ansicht der Fondsmanager werden klassische Kfz-Versicherungen mit autonom gelenkten Fahrzeugen langsfristig überflüssig, da der Mensch als wichtigste Ursache von Unfällen wegfalle. Dennoch rechnet Fidelity bis dahin damit, dass Kfz-Policen für die Anbieter mittelfristig sogar profitabler werden.

So werde die Zahl der Unfälle durch unachtsames Fahren in den kommenden Jahren mithilfe verbesserter Sicherheitssysteme zwar zurückgehen. Allerdings werde gleichzeitig die Schadensumme je Unfall steigen. Den Grund sehen die Fondsmanager vor allem darin, dass moderne Sicherheitssysteme teuer sein. Dementsprechend hoch seien dann die Reparaturkosten. So würden die Unfallopfer dank der modernen Technik zwar häufiger überleben, dennoch müssten die Versicherer mehr für Behandlungen und Rechtsstreitigkeiten, auch gegenüber Herstellern, einkalkulieren, betont Fidelity.

“Autonome Autos beherrschen den Straßenverkehr der Zukunft. Wir werden uns daran gewöhnen, dass der Automatisierungsgrad Schritt für Schritt zunimmt, bis der Computer das Auto am Ende eigenständig steuert. Der Mensch fällt damit als Unfallverursacher weg. Diese Entwicklung verändert das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherungen tiefgreifend”, erläutert Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.

Allerdings würden die eigenen Analysen zeigen, dass innovative Versicherer den Wandel am besten bewältigen würden, glaubt Fidelity. “Nur wer Ideen für passende Dienstleistungen entwickelt, kann sich im Wettbewerb behaupten. Das autonome Fahren schafft in jedem Fall kreative Investmentchancen auf dem Versicherungsmarkt. Das sollten Anleger in den kommenden Jahren im Blick behalten”, prognostiziert Roemheld. (vwh/td)

Bildquelle: dg

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten