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Weiler: “Weiterbildung ist ein ganz zentrales Thema”

17.04.2018 – wolfgang_weiler_gdvDie Zukunft der Lebensversicherung, die Entwicklungen auf dem Kfz-Markt oder die digitalen Auswirkungen auf die Versicherer gehören derzeit zu den größten Baustellen der Branche. So sieht GDV-Präsident Wolfgang Weiler “in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren ziemliche Veränderungen bezüglich der Arbeitsinhalte auf uns zukommen”. Weiterbildung sei dabei ein “zentrales Thema”.

VWheute: Die Lebensversicherung steht durch Solvency II, Zinsumfeld und Digitalisierung so stark unter Druck wie noch nie. Hat die Branche überhaupt schon die richtigen Antworten auf diese existenziellen Themen?

Wolfgang Weiler: Selbstverständlich hat die Branche die richtigen Antworten. Nehmen wir die Niedrigzinsen: Vor allem die Lebensversicherer sehen sich durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank enormen Herausforderungen gegenüber. Die Unternehmen haben hier robuste Abwehrmechanismen entwickelt. Die deutschen Lebensversicherer erfüllen die Anforderungen von Solvency II in hohem Maße.

Die Bedeckungsquote als ein wichtiger Parameter lag nach unserer Schätzung Ende des Jahres bei 350 Prozent – nach 344 Prozent zum Vorjahreswert. Wenn ich negative Prognosen von vor fünf oder sechs Jahren im Rückblick bewerte: keines der vorhergesagten Schreckensszenarien ist eingetreten. Unstrittig ist, dass dies erheblicher, durchaus schmerzhafter Anstrengungen bedurfte.

VWheute: Die Zinszusatzreserve (ZZR) entwickelt sich zu einem gefährlichen Ballast für die Lebensversicherer. Was erwarten Sie hier von einer neuen Bundesregierung?

Wolfgang Weiler: Um es klar zu sagen. Das Instrument der Zinszusatzreserve ist seinerzeit nach Vorschlägen aus der Branche entstanden. Das wird immer wieder gern vergessen. Ich halte es für ein ausgesprochen wichtiges bilanzielles Instrument vor dem Hintergrund des lang anhaltenden Niedrigzinsumfeldes. Nun hat sich das Zinsumfeld aber doch noch schwieriger entwickelt als prognostiziert.

Eine Überprüfung und Anpassung nach nunmehr sieben Jahren ist in meinen Augen angemessen. Unsere bereits abgestimmten konstruktiven Verbesserungsvorschläge werden für eine stärkere zeitliche Angleichung des ZZR-Aufbaus mit den Solvenz-Regeln sorgen. Gleichzeitig wird damit ein gutes Sicherheits-Niveau für die Unternehmen geschaffen. Ganz wichtig: Die ZZR kommt zu 100 Prozent unseren Kunden zugute.

VWheute: Sie kennen den Kfz-Markt wie kaum ein anderer. Wird es die Kfz-Versicherung klassischer Prägung in wenigen Jahren überhaupt noch geben, wie Experten weissagen wollen?

Wolfgang Weiler: Natürlich wird es die Kfz-Versicherung klassischer Prägung in wenigen Jahren noch geben. Allerdings werden technologische oder rechtliche Entwicklungen deutlich Einfluss auf die Kfz-Versicherung nehmen – wie sie es übrigens schon immer getan haben. Bereits über die vergangenen Jahrzehnte haben starke Individualisierung und viele Tarifierungsmerkmale zu einem hohen Wettbewerb geführt.

Und der ist gut für die Kunden. Auch künftig wird es Anpassungen an das Spektrum und die Leistungen rund um die Kfz-Versicherung geben, was von manchen Versicherern auch heute schon intensiv betrieben wird. Ganz wichtig dabei ist: Neue Daten bedeuten nicht das Ende der Kollektive – sie werden nur anders zusammengesetzt. Auch mit Big Data bleibt der Einfluss des Zufalls.

VWheute: Die Digitalisierung verändert die Versicherungswelt grundlegend. Wie wird sich das auf die Arbeitsplätze in der Versicherungsbranche auswirken?

Wolfgang Weiler: Ich sehe in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren ziemliche Veränderungen bezüglich der Arbeitsinhalte auf uns zukommen. Seit Jahren nimmt die Zahl der Arbeitsplätze mit einfachen Tätigkeiten ab, weil auf der anderen Seite Technik immer leistungsfähiger wird.

Das hat nunmehr einen weiteren Schub durch die Digitalisierung bekommen. Damit steigen aber auch die Anforderungen an Beschäftigte durch komplexere Arbeitsinhalte. Weiterbildung ist ein ganz zentrales Thema. Wir sehen also einerseits Rationalisierung, gleichzeitig entwickeln sich neue Arbeitsfelder, was einen gewissen Kompensationseffekt auslöst. Und Sie dürfen die demografische Entwicklung nicht vergessen.

Auch in der Versicherungsbranche gibt es Babyboomer, uns wird in den nächsten Jahren eine Ruhestandwelle erreichen. Diese Arbeitsplätze müssen wir neu besetzen. Die Unternehmen stellen sich schon heute bei Neueinstellungen auf diese Veränderungen ein.

VWheute: … und auf den Vertrieb?

Wolfgang Weiler: Die Digitalisierung wird auf jeden Fall zu mehr Online-Einsatz im Vertrieb führen. Zugleich wachsen auch die Chancen für den persönlichen Vertrieb. Ein guter Vermittler ist bereits heute nicht nur persönlich für seine Kunden da, sondern ist breit vernetzt und nutzt die Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien. Für den Kunden bedeutet das einen Mehrwert durch bessere Erreichbarkeit und höhere Qualifikation der Beratung. Der persönliche Vertrieb bleibt ein wichtiges Rückgrat unserer Branche.

Bild: GDV-Präsident Wolfgang Weiler (Quelle: GDV)

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