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VZBV fordert Vorsorgefonds ohne Gewinninteresse

07.07.2017 – 242466_web_R_K_B_by_Hans-Peter Reichartz_pixelio.deNur jeder Vierte (26 Prozent) Bürger vertraut der Politik darin, Verbraucherinteressen zu schützen, obwohl 70 Prozent dafür den Staat in der Pflicht sehen. Das geht aus dem ersten Verbraucherreport des Verbraucherzentrale Bundesverbands hervor. Der VZBV selbst kritisiert die Versicherungsbranche und fordert ein Non-Profit Altersvorsorgeprodukt.

VZBV-Vorstand Klaus Müller fordert die Parteien auf, ihrer Verantwortung für Verbraucherschutz gerecht zu werden. “Der Verbraucherreport hat ein Vertrauensleck offengelegt. Wenn Verbraucher das Gefühl haben, dass ihre Interessen nicht ausreichend wahrgenommen werden, sorgt das für Verunsicherung.”

Verbraucherschutz spielt für das Sicherheitsempfinden eine zentrale Rolle. Demnach sagen 90 Prozent der Befragten, dass dies eher bis äußerst wichtig für ihre persönliche Sicherheit als Verbraucher sei. Der Report brachte allerdings einige Defizite ans Licht. Jeder dritte Befragte (35 Prozent) hat schon einmal erfahren müssen, dass seine Interessen als Verbraucher nicht ausreichend geschützt waren. Am wenigsten gelte das bei den Themen Finanzen und Versicherungen sowie Telefon und Internet. Nur jeweils 58 Prozent geben an, dass ihre Interessen in diesen Bereichen eher oder sehr gut geschützt seien. Bei Reisen und Verkehr meinen das immerhin 72 Prozent.

Die Erkenntnisse aus dem Report decken sich mit Erfahrungen aus den 16 Verbraucherzentralen in den Ländern. Im Jahr 2016 gingen hier rund 265.000 Beschwerden ein, die meisten zu Postdienstleistungen und Telekommunikation (28,7 Prozent) sowie zu Finanzdienstleistungen (27,6 Prozent). Um den Verbraucherschutz zu verbessern, ist den Befragten am wichtigsten, dass die Politik Verbraucherprobleme stärker beachtet (82 Prozent).

Non-Profit Altersvorsorgeprodukt

Ein Top-Thema aus Verbrauchersicht ist die Altersvorsorge: 89 Prozent der Verbraucher halten die Forderung, eine ausreichende Altersversorgung sicherzustellen, für wichtig oder sogar äußerst wichtig. Der VZBV spricht sich für ein effizientes Non-Profit-Standardprodukt aus: “Viele Anlageprodukte sind zu teuer und werfen damit zu wenig Rendite ab. Verbraucher müssen für ein gutes Leben im Alter mehr von ihrem Geld haben”, unterstreicht Müller.

Der VZBV schlägt einen Non-Profit-Vorsorgefonds vor, der kosteneffizient wirtschaftet und keine eigenen Gewinninteressen verfolgt. Auf teure Garantien sollte verzichtet werden. Verbraucher sollten aber zwischen Risikoklassen wählen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich auf dem Deutschen Verbrauchertag des vzbv im Juni offen für ein solches Vorsorgeprodukt gezeigt und es als “gute Idee” bezeichnet.

Anlässlich der Bundestagswahl fordert der vzbv zudem mehr Transparenz bei Algorithmen und unabhängige Kontrolle. Ob bei Vergleichsportalen oder Versicherungen. Algorithmen sollen Entscheidungen schneller und einfacher machen. Sie können aber auch die Gefahr der Diskriminierung bergen und zu Nachteilen für Verbraucher führen. Müller: “Algorithmen dürfen kein Geheimnis sein. Nur wenn klar ist, mit welchen Kriterien Algorithmen arbeiten und wie diese bewertet werden, können sich Verbraucher gegen Diskriminierung wehren.” Gerade in sensiblen Bereichen, etwa beim Auto oder bei Finanzen, sei Kontrolle nötig.

Banken müssen Zinsen erstatten

Auch in anderen Ländern gibt es Probleme mit dem Verbraucherschutz – und Verbraucherschützer, die dagegen angehen: In Österreich haben Kreditnehmer mit Hilfe des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) einen juristischen Sieg gegen Banken erstritten. Seit Anfang 2015 hatten diese als Reaktion auf die sinkenden Referenzzinsen bei Krediten eine Zinssatzuntergrenze in Höhe des Aufschlages eingeführt.

So sollte gesichert sein, dass der Kreditnehmer immer Zinsen mindestens in Aufschlagshöhe zahlen muss. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat nun in seiner Rechtsprechung durch zwei Urteile die Unzulässigkeit der Untergrenze endgültig bestätigt. Anspruch auf Rückerstattung der zu viel bezahlten Zinsen haben Kreditnehmer, die einen Verbraucherkredit abgeschlossen haben und bei denen kein Fixzinssatz, sondern ein variabler Zinssatz auf Basis einer Zinsanpassungsklausel vereinbart wurde. (vwh/wo)

Bildquelle: Hans-Peter Reichartz/PIXELIO/ pixelio.de

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