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“Von einer massenhaften Altersarmut ist nichts zu sehen”

25.01.2017 – rente_Uwe Schlick_pixelio.deRente ist im Wahljahr ein Dauerthema. Die Funke-Mediengruppen befeuerte die Debatte indem sie ihren zwölf Zeitungen ein brisantes Schreiben beilegte. Dort stand, dass selbst bei eine “ganz erheblichen Erhöhung” des Rentenniveaus 66 Prozent der von Altersarmut Betroffenen nicht über Grundabsicherung hinauskommen würde. VWheute hat exklusiv nachgefragt.

Absender des Schreibens war der deutsche Rentenversicherung Bund und der eigentliche Empfänger die Bundesregierung. Der Zeitpunkt war wohl nicht zufällig gewählt, am selben Tag fand im Bundestag eine öffentliche Anhörung zum Thema Alterssicherung statt. In der Debatte ging es hoch her, mehrere Abgeordnete der Linken stellten Anträge auf eine deutliche Anhebung des Rentenniveaus und eine Überführung der Riester-Rente in die gesetzliche Rentenversicherung. Die CDU hielt dagegen und verwies darauf, dass das Rentenniveau eine abstrakte Größe sei, der nicht zu viel Beachtung geschenkt werden darf.

“Es ist ein Irrglaube, dass ein höheres Rentenniveau die Altersarmut beseitigt. Bei guter Lohnentwicklung und einem hohen Beschäftigungsgrad kann ein niedriges Rentenniveau eine absolut höhere Rente ergeben als umgekehrt. Faktoren wie Bildung und Qualifizierung, soziale Infrastruktur und Vereinbarkeit von Familie und Beruf bilden das Fundament gegen Altersarmut. Anstatt sich mit Kampfzahlen zu überbieten, gilt es mit Augenmaß an einer Politik mit Weitsicht für Jung und Alt zu arbeiten”, betont Fabian Gramling, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CDU, exklusiv gegenüber VWheute.

Ganz anders beurteilt naturgemäß Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linken, die Sachlage in seinem Statement: “Die Aussage der Deutschen Rentenversicherung, ist dann – und nur dann – richtig, wenn wir auf Menschen schauen, die gar nicht oder zu wenig in die Gesetzliche Rente einzahlen konnten. Für alle anderen Beitragszahlenden und für alle Rentnerinnen und Rentner bedeutet jede Anhebung des Rentenniveaus und die Streichung der Kürzungsfaktoren bares Geld. Das weiß auch die Deutsche Rentenversicherung.” Zudem führe an einer Wiederanhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent “laut der Sachverständigen Ursula Engelen-Kefer kein Weg vorbei und dies sei bei einer Rückkehr zur paritätischen Finanzierung auch finanzierbar”, ergänzt der Linken-Politiker.

Und was sagt die Versicherungsbranche zu dem Thema? Der Bund der Versicherten (BdV) betont: “Die Textaussagen sind zutreffend. Für Altersarmutsgefährdung gibt es im Wesentlichen drei Ursachen: Langzeitarbeitslosigkeit, Erwerbsminderung und geringe Einkommen aus kleinst- beziehungsweise soloselbstständigen Tätigkeiten. Es geht also überwiegend um Menschen, die über längere Phasen des Erwerbslebens nicht die nötigen Mittel zum Aufbau einer armutsrisikomindernden Altersvorsorge haben – unabhängig davon, ob es um gesetzliche, betriebliche oder private Altersvorsorge geht.”

GDV-Präsident Alexander Erdland warnt hingegen vor den Kosten einer Anhebung des Rentenniveaus: “Allein der letzte Koalitionsvertrag, in dem Mütter-Rente und die Rente ab 63 vereinbart wurden, verursacht bis 2030 zusätzliche Kosten von 160 Mrd. Euro. Viel Geld? Nein! Die derzeit diskutierte Anhebung des Rentenniveaus von 42 auf 46 Prozent im Jahr 2045 – das wird erst richtig viel Geld kosten.” Zudem sei aktuell “von einer massenhaften Altersarmut nichts zu sehen: Gerade einmal drei Prozent der Senioren beantragen Grundsicherung”, ergänzt der Erdland.

Der Kampf um die Rente wird bis zum 24. September weitergehen – das ist sicher, beide Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Letztendlich werden nicht Worte, sondern Wähler entscheiden. (vwh/mv)

Bildquelle: Uwe Schlick / pixelio.de

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