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Viele Schäden durch Flut und Glatteis

09.01.2017 – An der deutschen Ostseeküste wütete in der vergangenen Woche die höchste Sturmflut seit elf Jahren. Das gesamte Ausmaß der Schäden lässt sich nur abschätzen, dürfte aber in die Millionen gehen. Sturmtief Axel sorgte für überflutete Straßen und Keller sowie abgebrochene Dünenabschnitte. Trotz Warnung mussten vielerorts Autos aus den Gefahrenbereichen abgeschleppt werden. Zudem machten am Wochenende Glatteis und Frost vor allem den Autofahrern zu schaffen.

Entgegen den Erwartungen lief das Wasser sehr viel später ab als erwartet, so dass es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Küstenbereich und sogar in der Hansestadt Lübeck kam, die rund 19 Kilometer von der Ostsee entfernt liegt. Besonders betroffen war dort die Altstadt. Der höchste Pegelstand der Trave lag bei 1,79 Meter über normal. Viele Hausbewohner hatten entgegen den Vorwarnungen ihre Häuser nicht ausreichend abgesichert.

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Die Feuerwehr half mit Sandsäcken aus. Aber auch die Städte Kiel, Flensburg, Warnemünde, Rostock und Wismar waren schwerpunktmäßig von der Wassermassen betroffen. Teilweise standen die Häfen unter Wasser. Besonders hohe Schäden wurden auf den Inseln Usedom und Rügen registriert. An einigen Küstenabschnitten brach die Düne in einer Tiefe von drei bis acht Meter ab.

Ursache für dieses verheerende Naturereignis war neben dem Sturmtief auch der hohe Füllungsgrad der Ostsee von rund 30 bis 40 Zentimetern über normal. Das Tief, das von Skandinavien über die zentrale Ostsee und Russland zog, schob einen “Wasserberg” vor allem an die südliche Ostseeküste.

Genaue Angaben zur Schadenhöhe konnte Jens Carnehl, Hauptabteilungsleiter Schaden der Provinzial Nord Brandkasse, auf Anfrage von VWheute nicht machen, “da wir noch kein abschließendes Bild haben. Wir hatten in den vergangenen Tagen zwar teils hohe Windgeschwindigkeiten insbesondere auf Sylt und im Raum Flensburg. Doch dürfte die Höhe der Sturmschäden noch unter der durch das Tief Barbara an Weihnachten verursachten Summe von schätzungsweise zwei Mio. Euro liegen”, ergänzt Carnehl.

“In einigen an der Ostsee-Küste gelegenen Städten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind gestern Abend und nachts ufernahe Straßen und Flächen überspült worden. Durch Sturmflut entstandene Schäden an dort liegenden Wohngebäuden sind nicht abgedeckt. Insofern erwarten wir hier auch keine Schadenmeldungen. Anders sieht dies bei Fahrzeugen aus: Sturmflutbedingte Schäden an im Hochwasserbereich abgestellten Fahrzeugen sind durch die Kaskoversicherung abgedeckt. Aber auch hier erwarten wir aufgrund der Vorwarnungen in den Medien derzeit keine hohe Anzahl an Schadenmeldungen”, ergänzt der Experte.

Neben den sturmbedingten Schäden machten auch Frost und Glatteis vor allem den Autofahrern besonders zu schaffen. So hatte gefrierender Sprühregen in der Nacht zum Sonntag vor allem in Nord- und Westdeutschland zu zahlreichen Unfällen geführt. Allein in Hannover war die Feuerwehr laut Spiegel Online innerhalb weniger Stunden zu 250 wetterbedingten Einsätzen ausgerückt.

Auf der Autobahn 46 wurden bei einer Massenkarambolage von fünf Fahrzeugen mindestens sechs Menschen verletzt, darunter mehrere Kinder. Bei einer weiteren Massenkarambolage auf der A30 in Ostwestfalen mit zwei Lastwagen und 16 Autos wurden vier Menschen leicht verletzt. In Hamburg verzeichneten die Behörden zudem allein bis Sonntagmorgen 415 Unfälle durch Eisregen und extreme Glätte. Zudem wurden auf Rügen bei Glätteunfällen fünf Menschen verletzt.

Damit scheint sich der Trend einer Zunahme wetter- und naturbedingter Schäden weiter fortzusetzen. Allein 2016 haben eine Reihe schwerer Erdbeben und Stürme die höchsten Schäden aus Naturkatastrophen seit vier Jahren verursacht. Nach den Berechnungen der Munich Re lagen diese im vergangenen Jahr bei mit rund 175 Mrd. US-Dollar rund zwei Drittel höher als im Vorjahr und annähernd so viel wie 2012 (180 Mrd. US-Dollar). Der Anteil der nicht versicherten Schäden, die so genannte Versicherungslücke, blieb laut Rückversicherer mit rund 70 Prozent unverändert hoch. Knapp 30 Prozent der Schäden über 50 Mrd. US-Dollar wurden von Versicherern getragen.

Zudem kamen im vergangenen Jahr rund 8.700 Menschen kamen bei den Naturkatastrophen ums Leben. Dies ware deutlich weniger als 2015 (25.400) und im Zehn-Jahres-Durchschnitt (60.600). Zudem verzeichnete die Munich Re im vergangenen Jahr nach 2014 (8.050 Tote) das Jahr mit der geringsten Zahl an Todesopfern seit 30 Jahren (1986: 8.600).

Teuerste Naturkatastrophen des Jahres waren laut Munich Re zwei Erdbeben auf der südjapanischen Insel Kyushu nahe der Stadt Kumamoto im April (Gesamtschaden 31 Mrd. US-Dollar einem versicherter Anteil von knapp ein Fünftel) und schwere Überschwemmungen in China im Juni und Juli (Gesamtschaden 20 Mrd. US-Dollar, davon waren nur knapp zwei Prozent versichert). Auch der Schweizer Rückversicherer Swiss Re verzeichnete in 2016 einen deutlichen Anstieg der Katastrophenschäden auf mindestens 158 Mrd. Dollar – 65 Mrd. Dollar mehr als im Vorjahr. Die Versicherungsschäden belaufen sich auf rund 49 Mrd. Dollar. (vwh/td/wo)

Bilder: Schäden der Sturmflut in Lübeck (Quelle: Wolfgang Otte)

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