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Unwetter belasten Landwirte und Versicherer

23.08.2017 – Ernte Landwirtschaft by_Bernd Kasper_pixelio.deDie Wetterextreme in diesem Jahr machen sowohl den Landwirten als auch den Agrarversicherern besonders zu schaffen. Wie der Deutsche Bauernverband am Dienstag mitteilte, fällt die Obsternte in diesem Jahr deutlich geringer als sonst. Auch die Getreideernte in diesem Jahr verwandle sich “vielerorts ein Nervenspiel”. Auch den Agrarversicherern macht das Wetter schwer zu schaffen.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes haben vor allem April-Fröste sowie regionale Hagel und Starkregen in einigen Anbauregionen, insbesondere bei den Obstbauern, für deutliche Ertragseinbußen gesorgt. So gab es vor allem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern in diesem Frühjahr erhebliche Frostschäden. “In diesem Jahr haben wir in Deutschland Frostschäden beim Obstbau in Höhe von rund 200 Mio. Euro bis hin zu regionalen Totalausfällen. Der Klimawandel und die Zunahme von Extremwetterereignissen erfordern ein wirksameres und besseres Risikomanagement für die Betriebe”, betont Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Neben den Frostschäden verzeichneten die Landwirte auch im Pflanzenbau bislang Schäden durch Hagel und Starkregen in Höhe von etwa 250 Mio. Euro.

So erwarten beispielsweise die deutschen Apfelanbauer frostbedingt die kleinste Apfelernte seit 1991. So rechnen diese derzeit mit einer Ernte von lediglich 555.000 Tonnen nach 1.033.000 Tonnen in 2016. Dies entspricht nur 46 Prozent der Erntemenge des Vorjahres. Die deutsche Birnenernte wird laut DBV bei 19.000 Tonnen liegen, einem Minus von 46 Prozent gegenüber 2016 (35.000 Tonnen). Auch die Kirschernte sei bundesweit durch Frost stark dezimiert worden.

Insbesondere in Baden-Württemberg verzeichnen die Landwirte große Totalausfälle. Insgesamt rechnet der DBV in Deutschland bei Süßkirschen in diesem Jahr mit rund 14.000 Tonnen weniger als die Hälfte der Ernte von 2016 mit 29.400 Tonnen. Auch bei den Erdbeeren und dem Beerenobst rechnet der Bauernverband mit deutlichen Ernteeinbußen. Lediglich die Spargelsaison fiel laut DBV mit insgesamt rund 127.000 geernteten Tonnen positiv aus. Dies entspreche einem Plus von rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 119.400 Tonnen.

Deutlich niedrigere Getreideernte

Auch bei der Getreideernte rechnet der Bauernverband mit einem neuerlichen Rückgang. Demnach zeichne sich derzeit eine Erntemenge von 44,5 Millionen Tonnen Getreide ab. Damit wird das enttäuschende Vorjahresergebnis (45,4 Millionen Tonnen) noch einmal um zwei Prozent verfehlt worden, heißt es beim DBV. Noch deutlicher fallen die Einbußen bei Raps aus: mit nur 4,3 Millionen Tonnen Winterraps wurden sechs Prozent weniger Raps als im Vorjahr geerntet, so der Verband.

“Die diesjährigen Getreide- und Rapserträge zeichnen sich durch große regionale Unterschiede aus, bleiben abgesehen von der Gerste im Bundesdurchschnitt jedoch hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Die Witterungsbedingungen waren nicht optimal und vielfach durch Extremwetterereignisse geprägt, die auch im Ackerbau Schäden verursacht haben”, kommentiert DBV-Präsident Rukwied.

Agrarversicherer verzeichnen Überschadenjahr

So überrascht es also wenig, dass auch die Agrarversicherer in diesem Jahr eine deutlich höhere Schadenbilanz ausweisen. “Nach drei bundesweit gesehen eher schadenärmeren Jahren wird 2017 – wie zuletzt 2013 – ein Überschadenjahr werden, in dem wir auf unsere Rücklagen zurückgreifen müssen”, bestätigt die Vereinigte Hagel auf Anfrage von VWheute. Demnach seien bislang “knapp 19.000 Schadenmeldungen (dies entspricht rund 89.000 einzelnen Feldstücken)”, beim Agrarversicherer eingegangen, “für die wir bislang eine Entschädigung in Höhe von 100 Mio. Euro geleistet haben. Da unter anderem Kulturen wie Wein, Obst oder Mais noch im Risiko stehen, wird sich diese Zahl bis zum Abschluss der Ernte vermutlich noch erhöhen”, betonte ein Sprecher des Unternehmens.

Markante Ereignisse seien die ersten Hitzewelle am 19. Mai von der Mitte Deutschlands bis nach Niederbayern mit fast 1.000 Meldungen, das Sturmtief “Paul”, das am 22. Juni zu rund 3.000 Schadenmeldungen führte. “Besonders auffällig ist in diesem Jahr, dass seit Anfang Juni praktisch so gut wie kein Tag ohne erneute Schadenmeldung abgeschlossen wurde. Das wechselnde Wetter mit häufigen heftigen Regenfällen und Unwettern hat einerseits die Erntearbeiten verzögert, andererseits aber auch gezeigt, dass die Gefahr durch Starkregen und Sturm enorm zugenommen hat. Zuletzt wurden in Niederbayern flächendeckend Maisbestände durch schwere Sturmböen umgeknickt”, erläutert die Vereinigte Hagel weiter.

Ähnlich sieht die Bilanz auch bei der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung (MMA) aus. So spricht die Allianz-Tochter vom Frost im April dieses Jahres bereits vom schwersten Frostereignis seit 1991. “Durch den wärmsten März seit Messbeginn im Jahr 1881 waren die Kulturen in ihrer Entwicklung bereits weit fortgeschritten: Bei Obst sind die Kulturen in der Vollblüte, selbst späte Sorten bei Wein sind schon ausgetrieben. Damit sind die Kulturen besonders empfindlich bei Frost. Aufgrund der nun aufgetretenen Spätfröste ist daher kaum mit ungeschädigten Flächen zu rechnen”, betonte Martin Heiß, Leiter Schadenaußendienst der MMA.

Auch bei der laufenden Getreideernte verzeichnet die MMA bereits Millionenschäden durch schwere Hagelunwetter. So wurden dem Agrarversicherer nach eigenen Angaben allein in Sachsen-Anhalt wurden knapp 100.000 Hektar als geschädigt gemeldet. Schäden an druschreifem Getreide und Raps wurden auch aus Hessen, der Hallertau, Oberbayern, Brandenburg und Sachsen gemeldet. In Rheinland-Pfalz wurden großflächige Hagelschäden im Wein verzeichnet. Nach Angaben der MMA seien die Sachverständigem bereits seit Anfang Juni im Dauereinsatz und sprechen schon jetzt von einem “überdurchschnittlichen Schadensgeschehen”. (vwh/td)

Bildquelle: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)

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