Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Terror: Weniger Anschläge und mehr Tote in Europa

16.11.2017 – terror_pixelioBerlin, Paris, Brüssel, London, Madrid, New York: Die Liste von terroristischen Anschlagszielen ist lang. Laut aktuellem Global Terrorism Index (GTI) 2017 sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Menschen durch Terroranschläge ums Leben gekommen. Aber: In Europa gab es soviel Terrortote wie seit 14 Jahren nicht mehr. Besonders stark betroffen ist dabei Frankreich.

Laut Index sank die Zahl der Todesopfer durch terroristische Anschläge im Jahr 2016 auf 25.673. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um ein Achtel. Im Vergleich zum Höhepunkt der Terroraktivitäten im Jahr 2014 mir 32.500 Terrortoten ist dies sogar ein Minus von 22 Prozent. Den stärksten Rückgang verzeichneten die australischen Experten. Hier ging die Zahl der Todesfälle durch Terrorismus, die Boko Haram zugeschrieben werden, im Jahr 2016 um 80 Prozent zurück.

Immerhin 94 Prozent aller durch Terroranschläge verursachten Todesfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr im Nahen Osten, in Afrika und in Südasien. Trauriger Spitzenreiter ist demnach der Irak vor Afghanistan, Nigeria, Syrien und Pakistan. Zudem war der Irak das einzige Land, in dem die Zahl der terrorbedingten Todesfälle im vergangenen Jahr zugenommen hat. Der Großteil des Anschläge war laut Experten dabei auf die Terrorgruppe “Islamischer Staat” (IS) zurückzuführen. Dabei stieg Gesamtzahl der dem IS zugeschriebenen Todesfälle um 50 Prozent und markierte damit das tödlichste Jahr seit Bestehen der Gruppe. Die Mehrzahl der Todesfälle ereignete sich dabei im Irak, auf den 40 Prozent des Anstiegs entfielen.

Mittelamerika und die Karibik sind mit lediglich Todesfällen oder weniger als 0,4 Prozent der Gesamtzahl hingegen die am wenigsten betroffene Region. Zu den sichersten Ländern ohne Terroanschlag gehören Costa Rica, Kuba, Litauen, Lettland, die Mongolei, Norwegen, der Oman, Portugal, Rumänien, Singapur und Vietnam.

Mehr Terroropfer in Europa

Die europäischen Länder und andere Industrieländer verzeichneten jedoch weiterhin einen negativen Trend. Hauptauslöser waren laut Index auch hier die Aktivitäten des IS. So hatte der Kontinent im vergangenen so viele Terrortote zu beklagen wie seit 14 Jahren nicht mehr. Insgesamt 826 durch Terroranschläge ums Leben, davon 658 allein in der Türkei. Gleichzeitig hat sich laut Bericht sich die Zahl der Toten durch Terroranschläge zwischen den Jahren 2007 und 2016 in OECD-Ländern verzehnfacht. Besonders stark betroffen seien die Türkei, Frankreich, die USA und Belgien.

“Der diesjährige Bericht markiert einen Meilenstein im Kampf gegen den radikalen islamischen Extremismus. Vier der fünf am stärksten betroffenen Länder, Syrien, Pakistan, Afghanistan und Nigeria, verzeichneten einen deutlichen Rückgang der Todesfälle. Boko Haram, der Taliban und Al-Qaida töteten 2016 insgesamt 6.000 Menschen weniger als 2015. Der Rückgang von Boko Haram in Nigeria hat einen positiven Welleneffekt. Kamerun, der Tschad und Niger konnten insgesamt dadurch 75 Prozent weniger Todesfälle verzeichnen”, kommentiert Steve Killelea, Vorstandsvorsitzender des IEP

“Obwohl diese Zahlen ermutigend sind, gibt es nach wie vor ernste Besorgnis erregende Bereiche. Die künftige Stabilität Syriens und des Irak wird eine entscheidende Rolle dabei spielen, welche Auswirkungen der Terrorismus in den kommenden Jahren haben wird. Im Irak wird sich die Regierung der Herausforderung gegenübersehen, einen dauerhaften Frieden durch eine integrative Gesellschaft aufrechtzuerhalten, die es vermeidet, sektiererische Gewalt zu schüren. Auch die wachsende Bedrohung durch IS bleibt bestehen. Obwohl IS erhebliche Rückschläge hinsichtlich seines Einflussgebiets, seiner militärischen Stärke und seiner Finanzierung erlitten hat, ist das Potenzial für abgebrühte Kämpfer, sich neuen Permutationen in anderen Konfliktgebieten auf der ganzen Welt anzuschließen, sehr real. Die OECD-Länder müssen sich mit diesen Problemen auseinandersetzen, weil ausländische Kämpfer aus Syrien und dem Irak zurückkehren und von IS gesteuerte Angriffe von elf Ländern im Jahr 2015 auf 15 im Jahr 2016 anstiegen”, erläutert der Experte weiter.

Extremus konstatiert “ansteigende Bedrohungslage”

“Der Index zeigt, dass Krisenregionen, wie Irak, Syrien, Nigeria usw. am stärksten von Terroranschlägen betroffen sind. Aber auch in Europa und damit Deutschland zeigt sich seit 2015 eine ansteigende Bedrohungslage”, kommentiert Gerhard Heidbrink, Vorstandsvorsitzender von Extremus, den aktuellen Weltterrorindex. “Die größte Eintrittswahrscheinlichkeit in Deutschland haben Anschläge von Einzeltätern mit Waffen oder auch mit Fahrzeugen auf Personenansammlungen. Das Risiko größerer Anschläge durch Terrorgruppen mit Waffen und Sprengstoffgürteln oder mit Fahrzeugen, die mit Sprengstoff beladen sind, ist geringer, weil hier schon erheblicher logistischer Planungsaufwand erforderlich ist. Jedoch ist das Schadenausmaß sowohl bezüglich Personen- als auch Sachschäden erheblich größer”, betont der Experte.

“Ein organisierter Großanschlag, wie am 11.09.2001 in New York, ist in Deutschland sehr unwahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich auszuschließen. Ein solcher Anschlag würde die Tragfähigkeit eines einzelnen Versicherers übersteigen, deshalb bedarf es der Bündelung der Deckungskapazitäten der Versicherungswirtschaft und einer nachgelagerten Staatsgarantie, wie in Deutschland mit Extremus umgesetzt. Viele Unternehmen in Deutschland haben mit der gestiegenen Bedrohungslage in Deutschland das Terrorrisiko neu bewertet und bei Extremus eine Terrordeckung in den letzten zwei Jahren eingedeckt. Die größte Nachfrage gibt es bei allen Einrichtungen mit großen Personenansammlungen, wie Einkaufs- und Veranstaltungszentren, aber auch Verkehrsbetriebe, Flughäfen, Bahnhöfe und Fußballstadien”, erläutert Heidbrink.

Versicherer prüfen genauer

Allerdings schauen die deutschen Versicherer angesichts der Bedrohungslage nun genauer hin, wenn es um die Versicherbarkeit der Risiken geht. “Vor allem in deutschen Großstädten wie Berlin als Hauptstadt, Hamburg, München und Frankfurt als Finanzdienstleistungsstandort wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die zu versichernden Unternehmen mit einem guten Risikomanagementkonzept in Vorleistung gehen. Auch mögliche Folgekosten eines Anschlags werden vor Erteilung einer Zusage für Versicherungsschutz analysiert”, heißt es im Aon-Marktreport von 2017.

“Neben der reinen Terror- und Sabotagedeckung wird von den Unternehmen vermehrt eine Deckung nachgefragt, mit der auch politische Risiken versichert sind. Gerade für international tätige Firmen ist dies im Hinblick auf die nicht abzuschätzenden Entwicklungen in einigen Ländern sehr interessant”, heißt es bei Aon weiter.

Bei den Deutschen ist die Angst vor dem Terror jedenfalls weit verbreitet. Laut aktueller R+V-Studie “Die Ängste der Deutschen 2017″ hat sich mit 71 Prozent die Furcht vor Terrorismus einsam an der Spitze etabliert. Danach folgen die vor politischem Extremismus (62 Prozent) und vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (61 Prozent). (vwh/td)

Link: Der vollständige Global Terrorism Index 2017 (PDF)

Bildquelle: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten