Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Solvenzquote: Ein Lebensversicherer fällt durch

30.05.2017 – franziska_bach_versicherungsforenVon Franziska Bach, Projektreferentin im Team “Aktuariat, Produkt- und Risikomanagement” der Versicherungsforen Leipzig. Im Rahmen einer ersten Auswertung der veröffentlichten SFCR haben wir jeweils die Top Ten der Lebensversicherer, Krankenversicherer und Schaden-/Unfallversicherer (gemäß Marktanteilen 2015 aus der Statistik der Bafin) betrachtet. Dabei sind wir zu folgenden Erkenntnissen gelangt.

grafik_solvenzquote_versicherungsforen

Lebensversicherung

Bei den zehn größten Lebensversicherern beträgt die durchschnittliche Seitenanzahl der veröffentlichten Berichte (inklusive QRT im Anhang) 98. Vier der Unternehmen haben ein (partielles oder vollständiges) internes Modell im Einsatz. Drei Unternehmen verwenden die Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen, sieben die Volatilitätsanpassung (dabei haben zwei von ihnen beides im Einsatz).

Im Durchschnitt ergibt sich damit eine Solvenzquote von 361 Prozent. Ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung läge die durchschnittliche Solvenzquote bei 234 Prozent, wobei ein Unternehmen die Kapitalanforderung nicht erfüllen würde. Die durchschnittliche MCR-Quote der Top-Ten-Lebensversicherer beträgt 850 Prozent. Ein Unternehmen musste eine Unterdeckung von SCR und MCR im Berichtszeitraum offenlegen. Erst nach Genehmigung der Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen konnte die Bedeckung der beiden Kapitalanforderungen sichergestellt werden.

Welche Anteile haben die verschiedenen Risikokategorien am SCR? Hierfür betrachten wir das SCR als Summe aus dem Basis-SCR und der Kapitalanforderung für operationelle Risiken (ohne Berücksichtigung von Diversifikation und Verlustausgleichsfähigkeit der versicherungstechnischen Rückstellungen und latenten Steuern). Bei den Top 10 Lebensversicherern hat das Marktrisiko mit 52,6 Prozent den größten Anteil, gefolgt vom versicherungstechnischen Risiko mit einem Anteil von 32,1 Prozent. Der Anteil des Gegenparteiausfallrisikos beträgt 11,2 und der des operationellen Risikos 4,1 Prozent.

Zwei der zehn größten Lebensversicherer haben keine der Schlüsselfunktionen ausgelagert. Die übrigen acht Unternehmen haben drei oder sogar alle vier Schlüsselfunktionen intern innerhalb der Gruppe ausgelagert. Externes Outsourcing der Schlüsselfunktionen liegt nicht vor.

Krankenversicherung

Von den Top-Ten-Krankenversicherern liegen bisher nur neun SFCR vor. Die Barmenia Krankenversicherung wird ihren SFCR als einzigen Bericht gemäß § 277 Abs. 2 VAG für die Barmenia Gruppe erstellen und somit erst Anfang Juli veröffentlichen. Im Durchschnitt kommen die Krankenversicherer auf 93 Seiten im SFCR. Vier der Unternehmen haben ein (partielles oder vollständiges) internes Modell im Einsatz.

Von der Volatilitätsanpassung machen vier Krankenversicherer Gebrauch, einer von ihnen nutzt zusätzlich die Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen. Die durchschnittliche SCR-Quote liegt bei 475 Prozent. Ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung würde sie 429 Prozent betragen. Die durchschnittliche MCR-Quote der Top 10 Krankenversicherer liegt bei 1.183 Prozent.

Um die Anteile der einzelnen Risikokategorien am SCR zu bestimmen, betrachten wir wiederum das SCR als Summe aus dem Basis-SCR und der Kapitalanforderung für operationelle Risiken (ohne Berücksichtigung von Diversifikation und Verlustausgleichsfähigkeit der versicherungstechnischen Rückstellungen und latenten Steuern). Auch bei den Krankenversicherern hat das Marktrisiko mit 58,1 Prozent den größten Anteil. Das versicherungstechnische Risiko macht 27,1 und das operationelle Risiko 9,3 Prozent aus. Den kleinsten Beitrag liefert das Gegenparteiausfallrisiko mit 5,5 Prozent.

Bei den Top 10 Krankenversicherern wurden ebenfalls keine externen Auslagerungen von Schlüsselfunktionen vorgenommen. Sechs der Unternehmen haben drei oder vier Schlüsselfunktionen, ein Unternehmen hat eine Schlüsselfunktion intern innerhalb der Gruppe ausgelagert.

Schaden-/Unfallversicherung

Bei den zehn größten Kompositversicherern hat der durchschnittliche Bericht 106 Seiten. Ein (partielles oder vollständiges) internes Modell verwenden sechs Unternehmen. Fünf Unternehmen nutzen die Volatilitätsanpassung, eins davon auch die Matching-Anpassung. Im Durchschnitt liegt die Solvenzquote bei 246 Prozent. Ohne Volatilitäts- und Matching-Anpassung läge die durchschnittliche Solvenzquote bei 241 Prozent. Die durchschnittliche MCR-Quote beträgt 634 Prozent.

Bei den Top-Ten-Kompositversicherern hat das versicherungstechnische Risiko mit 42,8 Prozent den größten Anteil an der Solvenzkapitalanforderung, gefolgt vom Marktrisiko mit 38,3 Prozent. Das Gegenparteiausfallrisiko macht 10 und das operationelle Risiko 8,9 Prozent des SCR aus. Zwei der zehn größten Kompositversicherer haben keine Schlüsselfunktionen ausgelagert. Die übrigen acht Unternehmen haben drei oder vier Schlüsselfunktionen intern innerhalb der Gruppe ausgelagert.

Keines der insgesamt 29 betrachteten Unternehmen hat unternehmensspezifische Parameter im Einsatz. Bei einem Vergleich der Unternehmen muss man natürlich berücksichtigen, dass den Berechnungen zum Teil unterschiedliche Modelle und Annahmen (Standardmodell / internes Modell) zu Grunde liegen. Vor diesem Hintergrund wird ab 2018 die Entwicklung der Kennzahlen und Quoten innerhalb der einzelnen Häuser von Interesse sein.

Bild: Franziska Bach (Quelle: Versicherungsforen Leipzig)

Grafikquelle: Versicherungsforen Leipzig

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten