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Schlecker-Prozess: Euler Hermes in der Kritik

21.06.2017 – schlecker_photocapyDie Insolvenz der Drogerie-Kette Schlecker gehört in Deutschland sicherlich zu den spektakulärsten Unternehmenspleiten der letzten Jahre. Seit Anfang März muss sich der Schlecker-Clan um Unternehmensgründer Anton Schlecker vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Kritik gab es nun an der Rolle von Euler Hermes, dem Hauptgläubiger im Verfahren.

Der Vorwurf: Der Kreditversicherer hat die Probleme bei Schlecker erkannt, aber wenig dagegen unternommen haben, schreibt die Badische Zeitung. Das Blatt berichtet dabei über die Zeugenaussage des ehemaligen Risikovorstandes von Euler Hermes im Schlecker-Prozess am vergangenen Montag. Demnach habe der Kreditversicherer den Drogerie-Konzern noch bis Mitte 2011 “als relativ solide” eingestuft haben.

So habe Schlecker im Rahmen eines Euler-Hermes-Ratings von Null (sehr gut) bis Zehn (Pleite) das Rating Sechs erhalten. Nach Aussage des ehemaligen Euler-Hermes-Managers habe diese Einschätzung bedeutet, dass die Drogerie-Kette lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Prozent binnen zwölf Monaten insolvent wurde. Allerdings habe sich diese Einschätzung wohl als falsch herausgestellt, war das Unternehmen doch bereits Ende Januar 2012 insolvent, so die Zeitung weiter.

Zudem habe der damalige Manager des Kreditversicherers ausgesagt, dass Euler Hermes jahrelang Bürgschaften für Lieferungen an Schlecker gegeben, diese im Januar 2012 aber zurückgezogen. Dabei sollen Vertreter des Drogeriekonzerns Anfang Januar 2012 darum gebeten haben, millionenschwere Rechnungen erst später begleichen zu können. Dies habe Euler Hermes hingegen abgelehnt mit der Begründung: “Das Unternehmen hat keinen plausiblen Plan darlegen können, warum man zu einem späteren Zeitpunkt hätte zahlen können.”

Darüber hinaus soll Euler Hermes nach der Insolvenz ein “Post-Mortem-Team” eingesetzt haben, welches die entstandenen Kosten für den Kreditversicherer beziffern sollte. Der Arbeitsauftrag soll dabei den Titel “Betrug durch Lügen über die finanzielle Lage von AS” (AS=Anton Schlecker) getragen haben, berichtet die Badische Zeitung unter Berufung auf Gerichtsdokumente. In seiner Aussage wollte der ehemalige Vorstand von Euler Hermes hingegen von einer solchen Analyse nichts gewusst haben.

Euler Hermes hingegen wies die Kritik auf Anfrage von VWheute jedoch zurück. “Die Bewertung von Unternehmen erfolgt bei Euler Hermes grundsätzlich nach einheitlichen Prozessen. Wir hätten uns einen anderen Ausgang gewünscht, deswegen haben auch wir von unserer Seite alle Möglichkeiten zur Rettung des Unternehmens und eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeit sorgfältig geprüft”, heißt es in einer Stellungnahme des Kreditversicherers. “Aber ohne einen nachhaltig belastbaren Plan und ohne Investoren blieb am Ende nur die konstruktive Begleitung im Insolvenzverfahren. Euler Hermes entstand ein Schaden in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe”, betont eine Unternehmenssprecherin. (vwh/td)

Bildquelle: Photocapy

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