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Schadenfall Schlecker: Eine Familie auf der Anklagebank

07.03.2017 – schlecker_photocapyHaben sie Millionenbeträge vor ihren Gläubigern versteckt oder nicht? Seit Montag wird der Schlecker-Clan um Unternehmensgründer Anton vor dem Stuttgarter Landgericht mit dieser Frage konfrontiert. Die Vorwürfe: vorsätzlicher Bankrott, Veruntreuung von Firmenvermögen und Insolvenzverschleppung. Der Prozess-Ausgang ist offen. Die Versicherer ihrerseits dürften mit Interesse in die Schwabenmetropole blicken.

“Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da.” Mit diesem legendären Satz besiegelte Erbin Meike Schlecker die wohl größte Firmen-Pleite des Jahres 2012. Die ehemals größte Drogeriemarktkette Europas meldete Insolvenz an. Rettungsversuche scheiterten, die berühmten Schlecker-Frauen verloren ihre Jobs.

Heute beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft unter anderem mit der Frage, ob nicht zu spät gehandelt wurde. Schlecker habe vorsätzlich Bestandteile seines Vermögens, das den Gläubigern zugestanden hätte, vor der Insolvenz im Jahr 2012 beiseite geschafft, lautet die Anklage. Es soll um mehr als 20 Mio. Euro in vielen Einzelbeträgen gehen.

Der Zeitpunkt der Anmeldung einer Insolvenz liegt immer in einem Spannungsfeld. Wird er als zu früh betrachtet, besteht die Gefahr einer Forderungserhebung durch die Vertretungsgremien des Unternehmens selbst wegen Gefährdung der Kreditwürdigkeit und der Reputation. Hier können Schadenersatzforderungen nach dem Prinzip der Innenhaftung erhoben werden.

Besteht der Verdacht einer zu späten Einreichung des Insolvenzantrags, wie im Fall Anton Schleckers, zieht der Betroffene oft den Vorwurf der Insolvenzverschleppung auf sich. Gläubiger, Zulieferer und Dienstleister des Unternehmens können darin einen Nachteil für sich benennen und entsprechende Schadenersatzleistungen nach dem Prinzip der Außenhaftung erheben.

In beiden Fällen steht zunächst der betreffende Entscheidungsträger im Mittelpunkt – und auch im Fokus der gesetzlich verorteten Haftung für den entstandenen Schaden in voller Höhe und mit Wirkung bis in sein Privatvermögen hinein.

Dass der Zustand des Unternehmens im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht wurden, gehört zu den weiteren Vorwürfen gegenüber dem 72-Jährigen Anton Schlecker. Mit auf der Anklagebank sitzen seine Frau Christa und seine beiden Kinder Meike und Lars. Bei ihnen geht es um Beihilfe zum Bankrott.

Das Schlecker-Aus vor rund fünf Jahren kostete die Kreditversicherer rund 100 Mio. Euro. (vwh/mst)

Bildquelle: Photocapy

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