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Rosskur bei den Gelben Engeln

14.11.2017 – gelberengel_adacLange Zeit galten die Gelben Engel des ADAC als “Retter in der Not” für gestrandete Autofahrer. Seit den Manipulationen um den gleichnamigen Autopreis geriet Deutschlands größter Automobilclub immer wieder in die Schlagzeilen. Jüngstes Beispiel ist eine millionenschwere Steuernachzahlung für die Jahre 2014 und 2015. Gleichzeitig verordnete sich der ADAC einen Abbau von rund 400 Stellen.

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge muss der Automobilclub nun allein für die 2014 und 2015 einen Betrag von rund 90 Mio. Euro an Versicherungssteuern an den deutschen Fiskus abführen. Ein Sprecher des Automobilclubs bestätigte auf Anfrage von VWheute die Zahlung.

“Der ADAC e.V. hat Ende Juli 2017 eine Steuerfestsetzung des Bundeszentralamts für Steuern in zweistelliger Millionenhöhe erhalten und fristgerecht bezahlt. Festgesetzt wurden mit diesem Bescheid vermeintlich versicherungssteuerpflichtige Leistungen der ADAC Straßenwacht, der ADAC Straßendienste sowie der Tierkollision für den Zeitraum bis 2015. Die erstmalige Festsetzung ergibt sich aus einer veränderten behördlichen Zuständigkeit für das Thema ‘Versicherungssteuer’”, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Automobilclubs. Bis 2010 waren die bayerischen Finanzbehörden für die steuerliche Festsetzung der Versicherungssteuer zuständig.

ADAC will 400 Stellen bis 2020 abbauen

Zudem muss der Automobilclub auch den Gürtel enger schnallen und sparen. So plant der ADAC bis 2020 rund 400 der rund 2.500 Stellen in der Münchener Zentrale abzubauen. Medienberichten zufolge soll allerdings auch das Landsberger Technikzentrum von den Stellenstreichungen betroffen sein. Bundesweit sind beim ADAC und seinen Regionalclubs rund 9.000 Menschen beschäftigt.

“Der ADAC tut alles dafür, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt”, betonte ein Sprecher des Automobilclubs auf Anfrage. Aber: “Der ADAC spart auch in Zukunft nicht bei den Mitgliederleistungen wie etwa der Pannenhilfe”. Auch eine “Erhöhung der Mitgliedsbeiträge” sei nicht geplant. Medienberichten zufolge will der ADAC damit in den kommenden drei Jahren rund 170 Mio. Euro einsparen und ein entsprechendes Defizit verhindern.

Verein mit Minus im vergangenen Jahr

Immerhin hatte der Verein bereits im vergangenen Jahr mit einem Defizit abgeschlossen. So hatte der ADAC e.V. das Geschäftsjahr 2016 mit einem Minus von 327,9 Mio, Euro abgeschlossen. Bereinigt um die einmaligen Sondereffekte der “Reform für Vertrauen” stand dennoch ein Defizit von rund 2,4 Mio. Euro zu Buche. “Die Mitgliedsbeiträge decken somit 2016 die Kosten der ADAC Mitgliedsleistungen nicht vollständig ab, die sich in allen Leistungsbereichen erhöht haben”, hieß es bei der Präsentation der Zahlen.

Die Marschrichtung war demnach für den amtieren ADAC-Präsidenten August Markl klar: “Wir müssen das Haus ADAC jetzt wetterfest machen. Deshalb starten wir ein Programm, das vor allem in der Münchner Zentrale klug spart und auf intelligente Weise Mittel und Budgets für künftige Investitionen freisetzt, um die hohe Qualität unserer Mitgliederleistungen dauerhaft zu sichern”. Immerhin stieg die Mitgliederzahl des Vereins im vergangenen Jahr der Vertrauenskrise zum Trotz auf einen neuen Rekord in der 114-jährigen Geschichte.

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Handlungsbedarf nach Negativschlagzeilen

Beim Automobilclub scheint jedenfalls Handlungsbedarf von Nöten, um das angekratzte Image in der Öffentlichkeit wieder aufzubessern. So litt der ADAC lange an den Folgen der Manipulationen um den “Goldenen Engel” im Jahr 2014. Ende August sorgte der Automobilclub allerdings für neuerliche Negativschlagzeilen. Der Vorwurf: Laut einem Bericht der SZ sorgte ein neues Vertragswerk, welches die “Mobilitätspartner” des Automobilclubs in unfairer Weise benachteiligt haben soll und seine Marktmacht zu missbrauchen.

Ob es dem Automobilclub allerdings in Zukunft gelingen wird, verspieltes Vertrauen bei Kunden und Partnern wieder zu gewinnen, hängt davon ab, wie die Akteure in Zukunft agieren werden. Denn die aktuelle Dreiteilung des ADAC in Verein, Stiftung und SE birgt auch die Gefahr, dass die Geschäfte dem neu formulierten Anspruch des Vereins als Partner und Dienstleister für seine Mitglieder womöglich widersprechen können. (vwh/td)

Bild: Gelber Engel des ADAC. (Quelle: ADAC)

Grafikquelle: Statista

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