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Politik will bei Pflege nachbessern

02.02.2018 – Pflege_Rainer Sturm_pixelio.Pflege-Azubi Alexander Jorde sorgte bundesweit für Aufsehen, als er Kanzlerin Angela Merkel in einer Wahlkampfarena mit der aktuellen Pflegesituation in Deutschland konfrontierte. Wie es um die Pflege tatsächlich bestellt ist, zeigt der 5. Qualitätsberichts, der gestern vom GKV-Spitzenverband und vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) in Berlin vorgestellt wurde. Kurzum: Die Lage ist ernst und die Politik will nachbessern.

So konstatieren die Experten des GKV-Spitzenverbandes und ihres medizinischen Dienstes in ihrem aktuellen Bericht trotz guter Entwicklungen auch einige “Fehlentwicklungen”. Demnach sei im Jahr 2016 beispielsweise die Wunderversorgung bei jedem vierten Bewohner nicht ausreichend oder nur unzulänglich. Zudem wurde das Gewicht bei ebenfalls jedem vierten Pflegeheimbewohner nicht kontrolliert, obwohl eine Gefahr für Gewichtsverlust bestand.

Außerdem habe auch die Belastung in den Pflegeheimen weiter zugenommen, konstatieren die Experten. “Wir haben eine zunehmende Zahl von Demenzkranken und Bewohnern, die an mehreren Krankheiten leiden”, betont Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. So waren allein 70,7 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen durch Demenz oder ähnliche Krankheiten in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt. Zum Vergleich: 2013 waren es noch 63,9 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis: 77,5 Prozent der Bewohner benötigten 2016 eine Inkontinenzversorgung (2013: 76,9 Prozent); 37,8 Prozent hatten chronische Schmerzen (2013: 35,0 Prozent). Bei 8,7 Prozent der untersuchten Personen gab es einen erheblichen Gewichtsverlust (2013: 7,6 Prozent). Bei 24,9 Prozent wurde der Gewichtsverlauf nicht kontrolliert (2013: 10,6 Prozent), heißt es im Qualitätsbericht weiter.

“Groko” will neue Pflegestellen schaffen

Die Politik scheint zumindest bereits reagieren zu wollen. So haben sich die Verhandlungspartner von Union und SPD bereits auf eine bessere Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege verständigt. Zudem soll mit verschiedenen Sofortmaßnahmen die Personalausstattung in den Pflegeeinrichtungen verbessert werden. Außerdem sollen für die medizinische Behandlungspflege in Heimen 8.000 neue Fachkraftstellen geschaffen werden.

Wie groß der Fachkräftemangel gerade im Pflegebereich ist, zeigen jüngste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach blieben allein im vergangenen Jahr bereits 167 Tage (2016: 153 Tage). In der Gesundheits- und Krankenpflege liegt die durchschnittliche Vakanszzeit heute bei etwa 140 Tage, in der Physiotherapie 144 Tage. Besonders groß sei der Fachkräftemangel in Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen, Bayern und Rheinland-Pfalz.

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Pflegeazubi Jorde kann dem Pflegekompromiss von Union und SPD jedenfalls nicht viel abgewinnen: “Das ist eine minimale Korrektur, aber nicht der Neustart in der Pflege, den Martin Schulz versprochen hat”, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Union und SPD einigen sich auch bei der Rente

Parallel zur Pflege einigten sich Union und SPD auch auf ein Rentenpaket. Demnach sollen Mütter, die vor 1992 drei oder mehr Kinder zur Welt gebracht haben, künftig auch das dritte Jahr Erziehungszeit in der Rente angerechnet bekommen. Zudem soll das Rentenniveau bis 2025 bei 48 Prozent konstant bleiben, der Beitragssatz soll nicht über 20 Prozent steigen. Sollten Beschäftigte trotz 35 Beitragsjahren durch Arbeit, Erziehung und Pflege nicht über die Grundsicherung hinauskommen, erhalten diese nach den Plänen der Politik künftig einen Zuschlag von zehn Prozent.

Für die Rentenversicherung würde das Paket immerhin Mehrausgaben in Höhe von mehreren Milliarden Euro für die Rentenversicherung bedeuten. Dabei bezifferte die CSU-Politikerin Barbara Stamm allein die Mehrausgaben für die erweiterte Mütterrente auf 3,4 Mrd. Euro jährlich. (vwh/td)

Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)

Grafikquelle: Statista

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