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Pflichtverletzung: Bilfinger fordert Schadenersatz von Koch

22.02.2018 – BilfingerMehrere Gewinnwarnungen hintereinander besiegelten 2014 das Ende von Ex-CEO Roland Koch und Ex-CFO Joachim Müller beim Bauriesen Bilfinger. Zur Krise des Konzerns könnte ein mögliches Fehlverhalten der Manager bei M&A-Projekten beigetragen haben. Deswegen verlangt der Bilfinger-Aufsichtsrat Schadenersatz von Vorstandsmitgliedern, die zwischen 2006 und 2015 amtierten. Koch reagiert “mit Befremden” auf die Vorwürfe.

Das Debakel beim angeschlagenen Bilfinger-Konzern hat ein Nachspiel für den früheren Vorstandschef und hessischen Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch, der von 2011 bis 2014 das Unternehmen führte. Konkreter Vorwurf: “Den ehemaligen Vorstandsmitgliedern werden Pflichtverletzungen bei der Implementierung  eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems vorgeworfen. Einzelne ehemalige Vorstandsmitglieder haben darüber hinaus nach Ansicht des Aufsichtsrats im Zusammenhang mit M&A-Projekten in der Vergangenheit Pflichtverletzungen begangen”, heißt es in einer Pressemitteilung von Bilfinger. Dazu könnte etwa der Erwerb der Helmut Mauell GmbH im Jahr 2012 oder auch Nigeria-Geschäfte des Konzerns zählen.

Der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung “als Ergebnis seiner im März 2016 eingeleiteten Untersuchung” getroffen. Der erstattungsfähige Schaden, den Bilfinger durch die Pflichtverstöße erlitten hat, “liegt nach derzeitiger vorläufiger Berechnung in einem niedrigen dreistelligen Mio.-Euro-Bereich.” Nach Medieninformationen handelt es sich um rund 100 Mio. Euro. Wie aus informierten Kreisen zu erfahren war, will das Unternehmen die früheren Mitarbeiter zunächst außergerichtlich informieren und zur Zahlung auffordern, notfalls auch vor Gericht ziehen. Namen der verantwortlich gemachten Manager nannte Bilfinger nicht, es gilt jedoch als sicher, dass auch Koch betroffen ist. Der mittlerweile wieder als Rechtsanwalt tätige Koch habe mit Befremden auf das Vorgehen gegen Generationen von Bilfinger-Vorständen reagiert, erklärte sein Sprecher. Koch sei sich keinerlei Schuld bewusst. Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben.

Bilfinger steht seit 2014 unter Aufsicht durch das US-Justizministerium. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. Das Unternehmen musste 2013 eine Strafe von 32 Mio. US-Dollar zahlen und eine Überwachung seines Compliance-Systems hinnehmen, das solche Fälle verhindern soll. (vwh/dg)

Bild: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch (l), spricht am 20.03.2014 in Mannheim in der Konzernzentrale bei der Bilanzpressekonferenz mit Finanzvorstand Joachim Müller.(Quelle: picture alliance / Uwe Anspach/ dpa)

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