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Müssen Winterkorn und Stadler Schadenersatz leisten?

05.04.2017 – Martin Winterkorn - quelle IAADie Aufsichtsräte der Automobilbauer Volkswagen und Audi prüfen derzeit Schadenersatzansprüche gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn sowie gegen den aktuellen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel sollen Juristen prüfen, ob sich die Vorstände wegen Organversagens schuldig gemacht haben.

“Selbst wenn ein Konzernchef nichts von Manipulationen wusste, könnte man ihm unter Umständen vorwerfen, dass er dafür hätte sorgen müssen, dass er sie erfährt. Dafür könnte das Unternehmen ehemalige oder tätige Konzernchefs belangen”, wird ein mit dem Fall betrauter Jurist im Spiegel zitiert. Demnach bestehe die Pflichtverletzung grundsätzlich auch bei Fahrlässigkeit. Dabei liege die Beweispflicht  bei den Managern.

“Vorstände können auch dann in der Haftung für illegale Taten in ihrem Unternehmen stehen, wenn sie nichts davon wussten. Es reicht, wenn sie es hätten wissen müssen und wenn die Taten bei einer ordnungsgemäßen Organisation des Unternehmens nicht begangen worden wären”, ergänzt Rechtsanwalt Jonas Mark, Partner und Wirtschaftsrechtsexperte bei der Kanzlei Dornbach, gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Dabei hatte der Aufsichtsrat des Ingolstädter Autobauers Audi zwar erst jüngst seinem Vorstandschef das Vertrauen ausgesprochen. Allerdings muss dies zwangsläufig nichts heißen: Denn mit der vorgeschlagenen Entlastung durch die Hauptversammlung gehe kein Verzicht auf mögliche Schadensersatzansprüche gegen einzelne Vorstandsmitglieder einher, berichtet das Handelsblatt. So prüfe das Kontrollgremium seit Bekanntwerden der Dieselaffäre, ob gegen einzelne Vorstandsmitglieder möglicherweise Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden könnten.

Auch die D&O-Versicherer verfolgen die aktuellen Entwicklungen im Dieselgate durchaus mit großer Aufmerksamkeit. Der Fall sei “für alle Manager und Organmitglieder ein klarer Weckruf: Haftungsrisiken sind nicht nur theoretisch vorhanden, sondern es sind ganz reale Risiken, gegen die man sich absichern sollte. Den Sinn einer Unternehmens-D&O stellt niemand mehr in Frage”, betonte Diederik Sutorius, Geschäftsführer des Kölner D&O-Versicherers VOV GmbH, unlängst auf Anfrage von VWheute.

Trotzdem sei das Thema VW auch für die D&O-Versicherer “schon von Bedeutung”, ergänzt Sutorius. “Wir sehen, dass vermutlich die vereinbarte Schadenssumme erkennbar jetzt schon nicht ausreicht, um die Milliardenforderungen aufzufangen. Bei solchen großen öffentlich wirksamen Fällen bei den großen Dax-Unternehmen ist das oft zu beobachten. Aber eine Deckungssumme von 500 Mio. Euro oder mehr, die eine Unternehmens-D&O abdeckt, ist  ordentlich. Sehr viel größere Schadenssummen gibt der Markt derzeit nicht her”, erläutert der Experte. (vwh/td)

Bild: Martin Winterkorn (Quelle: IAA)

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