Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Millionenschwerer Fonds gegen Behandlungsfehler?

26.06.2017 – Arzt_Christoph Droste_pixelioBehandlungsfehler von Ärzten werden heute noch immer als sogenannte “Kunstfehler” verharmlost – zum Leidwesen der Patienten. Dennoch sind viele Ärzte nicht abgesichert, da sich immer mehr Versicherer aus dem Markt für ärztliche Haftpflichtversicherungen zurückziehen. Die Union fordert nun einen neuartigen Fonds über bis zu 200 Mio. Euro, aus dem Patienten nach einem “Ärztepfusch” angemessen unterstützt werden sollen.

Demnach fordert Reiner Meier (CSU), Berichterstatter für Patientenrechte in der Unionsfraktion, nun die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Behandlungsfehler. Diese soll paritätisch mit medizinischen und juristischen Experten besetzt sein, welche die Fälle kostenlos und zügig prüfen sowie zu strikter Neutralität verpflichtet sein sollen.

Werde ein Behandlungsfehler festgestellt, solle die Behörde eine Schlichtung vorschlagen, um Gerichtsverfahren möglichst zu vermeiden. “Für den Patienten ist es eine mitunter jahrelange Belastung, und Ärzten droht ein Reputationsschaden. Eine zentrale Anlaufstelle würde es ermöglichen, eine faire und zügige Lösung für eine schwierige Situation zu finden”, wird Meier in der Welt am Sonntag zitiert.

“Aktuell ist es für Patienten sehr schwer, ihre Ansprüche wirksam durchzusetzen”, ergänzt Meier. So sollen die Patienten in jedem Fall ein Gutachten erhalten, welches für den Patienten aber auch vor Gericht verwertbar sein solle. “Es steht für mich außer Frage, dass wir die Patienten in dieser Situation nicht alleinlassen dürfen”, betont der CSU-Politiker.

So gebe es beispielsweise bereits in Österreich einen Patientenfonds, der den Betroffenen von Behandlungsfehlern bis zu 100.000 Euro ausbezahlt. Würde man das österreichische Modell auf Deutschland übertragen, würde dies etwa 100 bis 200 Mio. Euro kosten. Finanziert werden soll dies nach dem Willen Meiers von Ärzten, Krankenhäusern und anderen medizinischen Dienstleistern, damit Kassenmitglieder oder Steuerzahler nicht für Behandlungsfehler aufkommen müssten.

Allein im vergangenen Jahr bestätigten die Fachärzte des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in 2016 insgesamt 3.564 anerkannte Behandlungsfehler (2015: 4.064). Insgesamt wurden letztes Jahr 15.094 fachärztliche Gutachten (2015: 14.828) vom MDK erstellt.

Clevere Vermittler ziehen bei Ärzte-Haftpflicht den Joker

Allerdings scheint dies nur die Spitze des Eisbergs zu sein. So geht nach Angaben der Welt am Sonntag beispielsweise das Forschungsinstitut der AOK davon aus, dass allein in deutschen Kliniken jedes Jahr 190.000 Behandlungsfehler passieren, von denen rund 19.000 tödlich enden. Damit gehören Ärzte zu den schwierigsten Berufsgruppen überhaupt zählen.

So verwundert es nach Ansicht von Horst Peter Schmitz, Vorstandsvorsitzender im Heilwesennetzwerk RM eG, daher nicht, dass sich immer mehr Versicherer aus dem Markt für ärztliche Berufshaftpflichtversicherungen zurückziehen. Oder sie verteuern oder verengen ihre Produkte so dermaßen, dass sie sich kaum noch im Markt unterbringen lassen.

Und dennoch: “Bei etwas genauerem Hinsehen werden pfiffige Makler allerdings feststellen, dass die Ärzteschaft dennoch Potential hat. Denn sie ist zwar über Rahmenverträge größerer Organisationen oder über die jeweilige Klinik abgesichert, aber wie so oft liegt die Crux im Detail. Ohne spezielles Wissen über die Zielgruppe “Arzt/Ärztin” allerdings wäre ein Makler oder Vermittler hoffnungslos verloren.

Neuerliches Milliardenplus für Krankenkassen

An finanziellen Mittel zur Unterstützung des Fonds gegen Behandlungsfehler dürfte es jedenfalls nicht unbedingt mangeln. So hat die Rekordbeschäftigung erneut viel Geld in die Sozialkassen gespült – darunter auch in die gesetzliche Krankenversicherung.

So erwirtschafteten die Krankenkassen nach Angaben des Gesundheitsministeriums allein im ersten Quartal ein Plus von rund 612 Mio. Euro. Damit seien deren Finanzreserven auf insgesamt 16,7 Mrd. Euro gestiegen, berichtet das Handelsblatt. Im Vorjahreszeitraum hatten die Krankenkassen noch einen Überschuss von 406 Mio. Euro und damit um gut 200 Mio. Euro als in diesem Jahr.

Blickt man auf das Gesamtjahr 2016 zurück, erzielten die Krankenkassen ein Plus von 1,62 Mrd. Euro. Zudem befanden sich im Gesundheitsfonds Ende 2016 rund 9,1 Mrd. Euro. Allerdings scheint der Überfluss nicht bei allen Kassen gleichzeitig anzukommen.

So konnten lediglich die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ihren Überschuss auf 361 Mio. Euro ausbauen. Bei den Ersatzkassen, zu denen die drei großen Kassen TK, Barmer und DAK-Gesundheit gehören, sank dieser nach Angaben des Handelsblatt auf 155 Mio. Euro. Zudem kamen die Betriebskrankenkassen nur noch auf ein plus von rund 27 Miio. Euro. Be den Innungskrankenkassen halbierte sich der Überschuss auf rund 17 Mio. Euro. Die Knappschaft-Bahn-See erreichte ein Plus von 58 Mio. Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung machte in den ersten drei Monaten ein Minus von sechs Mio. Euro.

Dabei gehen Experten zwar davon aus, dass die gute Finanzlage der Sozialkassen auch noch in der nächsten Legislaturperiode anhalten werde. Kritik gibt es bei den Kassen allerdings vor allem am sogenannten Risikostrukturausgleich. Zudem verzeichneten die Kassen im ersten Quartal 2017 deutliche Ausgabenanstiege bei der Prävention, allen bei den Ausgaben für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung sowie den Zuschüssen der Krankenkassen für ambulante und stationäre Hospize. (vwh/td)

Bildquelle: Christoph Droste / PIXELIO (www.pixelio.de)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten