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Madrid greift durch: Versicherer verlassen Katalonien

23.10.2017 – Flagge Barcelona Katalonien by_Anna-K. Frank_pixelio.deDer Konflikt zwischen Madrid und Barcelona spitzt sich zu. In den ersten drei Tagen nach dem Referendum haben 500 Unternehmen Katalonien schlagartig verlassen. Jetzt ziehen auch die Versicherer nach. Die Axa España und die Zurich haben ihren Standort nach Madrid verlegt. Ein möglicher Austritt aus der EU und die rechtliche Unsicherheit sind ein zu großes Risiko für die Versicherer. Die Allianz wartet noch ab.

“Diese Entscheidung haben wir getroffen, um angesichts der aktuellen Entwicklung in Katalonien die rechtlichen Rahmenbedingungen zu garantieren und die Interessen unserer Kunden, Vermittler, Aktionäre und Mitarbeiter zu schützen”, sagt die Axa España. Gemeint ist der Beschluss des Verwaltungsrats der Axa España, den Gesellschaftssitz ihrer Versicherer Axa Vida und Axa Pensiones von Barcelona in das nordspanische Bilbao zu verlegen. Die Axa ist nur eines der letzten Beispiele für den Aderlass der katalanischen Wirtschaft nach dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien vom 1. Oktober 2017.

Die unübersichtliche politische Situation hat in Katalonien umgehend zu scharfen wirtschaftlichen Reaktionen geführt. In den ersten drei Tagen nach dem Referendum haben über 500 Unternehmen Katalonien schlagartig verlassen. Darunter befinden sich nicht nur namhafte Großkonzerne aus Industrie, Infrastruktur  oder Energieversorgung, sondern auch Banken, Versicherer und Investmentgesellschaften. Mit der CaixaBank und der Banco Sabadell haben gleich zwei der fünf größten spanischen Bankengruppen ihren Gesellschaftssitz von Katalonien in andere Regionen verlagert.

Auch viele Versicherer haben schnell reagiert, denn Barcelona ist ein wichtiger Versicherungsstandort. Dazu zählt der katalanische Traditionsversicherer Catalana Occidente, der nach einer 150-jährigen Unternehmensgeschichte binnen Tagen von Barcelona nach Madrid gewechselt ist.

“So garantieren wir, dass sich unsere Aktivitäten unter stabilen wirtschaftlichen und juristischen Rahmenbedingungen mit voller Normalität entwickeln können”, sagt die Catalana Occidente. Der Marktführer VidaCaixa, Tochter der Caixabank, hat seinen Gesellschaftssitz als einer der ersten im Eiltempo von Barcelona nach Madrid verlagert. Ebenso die SegurCaixa Adeslas, das Joint Venture der Caixabank mit dem Versicherer Mutua Madrileña.

Der Branchendritte Zurich ist den gleichen Weg gegangen. Die Liste der abgewanderten nationalen und internationalen Versicherungsunternehmen wird täglich länger. Nur wenige in Barcelona ansässige Topversicherer haben bislang keine Schritte unternommen und warten ab. Dazu gehört die Allianz.

Lebensversicherer brauchen den Euro und die Kunden in Madrid

Die Gründe für den Exodus der Versicherer aus Katalonien ist das rechtliche Vakuum, das eine Unabhängigkeit für Katalonien bedeuten würde. Es wäre der automatische Austritt aus der Europäischen Union und dem Euro. Hinzu käme die Notwendigkeit, eine völlig eigenständige Versicherungsregulierung zu entwickeln. Der freie Dienstleistungsverkehr innerhalb der Union wäre für in Katalonien ansässige oder aktive Versicherer passé. Die in Katalonien ansässigen Vermittler müssten auf ihr Geschäft außerhalb der Landesgrenzen Kataloniens verzichten oder Filialen auf spanischem Territorium gründen.

Die Konsequenzen wären auch für Versicherungskunden unmittelbar spürbar. Besonders deutlich würde es bei Lebensversicherungskunden, da Katalonien bei einer Unabhängigkeit den Euro verlieren würde und die Bewertung des angesparten Kapitals bei einer neuen katalanischen Währung infrage stünde.

Es war einer der Gründe, warum Lebensversicherer zu den Ersten gehörten, die ihren Sitz aus Katalonien wegverlagert haben, um ihre Kunden erst einmal zu beruhigen. Aber auch die Sachpolicen von katalanischen Kunden wären betroffen. Beispielsweise wäre bei einer Unabhängigkeit das spanische Katastrophenkonsortium für Elementarschadenereignisse, das Consorcio de Compensación de Seguros, nicht mehr in Katalonien zuständig und die Kunden würden diesen Deckungsschutz verlieren. (reh)

Bildquelle: Anna-K. Frank  / PIXELIO / www.pixelio.de

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