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Krankenversicherung bleibt politische Dauerbaustelle

20.02.2017 – jens_baas_epoEs ist ein dickes Brett, das durch die neu zu wählende Regierung endlich gebohrt werden muss: die Verbesserung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das betonte der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, während eines Symposiums der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen in Berlin.

Warum eine Neuordnung des GKV-Ausgleichs nötig ist, ergibt sich laut Baas allein schon aus aktuellen Zahlen. So habe die AOK rund eine Mrd. Euro mehr aus dem Gesundheitsfonds bekommen, als sie für die Versorgung ihrer Mitglieder benötige. Demgegenüber stehe etwa ein Defizit von 780 Mio. Euro bei den Ersatzkassen. “Mittelfristig steht wegen der strukturellen Unterdeckung ganzer Kassenarten nicht nur der Wettbewerb, sondern die Existenz des bisherigen Systems bei der GKV auf dem Spiel”, beklagte er.

GKV sollte elektronische Gesundheitsakte entwickeln

Man erwarte von der Politik, dass das vorliegende Reformpaket der Ersatzkassen geprüft und der Risikostrukturausgleich einfacher, unbürokratischer und weniger manipulationsanfällig gemacht werde. Als zweite wichtige Baustelle der Gesetzlichen sieht Baas die viel zu langsame Digitalisierung. Grund sei der fehlende Wille einiger Beteiligter, sich der damit verbundenen höheren Transparenz zu stellen. Daher hat sich die TK z.B. die Entwicklung einer elektronischen Gesundheitsakte aufs Programm geschrieben. Er hält die GKV als prädestiniert dafür, da ein solches Instrument stark reguliert und staatlich kontrolliert werden müsse, um Missbrauch auszuschließen.

Beitragsanpassungen anders regeln

Auch die PKV habe etliche Baustellen, erklärte Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung. Zwar fühle man sich als Korrektiv und “Stachel” im System der Krankenversicherung und als Innovationstreiber recht wohl. Dennoch gehe es natürlich darum besser zu werden. Was die PKV allein bewerkstelligen will ist ein kundenfreundlicheres Tarifwechselrecht und eine verbesserte Annahmepraxis.

“Die Rosinenpickerei im Angestelltenbereich haben wir weitgehend überwunden”, ging er auf einen Vorwurf an die PKV ein. Das Thema Beitragserhöhungen müsse hingegen mit dem Gesetzgeber geklärt werden, da das vorhandene Regelwerk, nachdem häufig erst nach Jahren eine Anpassung möglich sei, nicht im Interesse der Versicherten ist.

Dadurch entstehe auch ein verzerrtes Bild. “Tatsächlich sind die Beiträge in der GKV in den letzten zehn Jahren um 3,2 Prozent pro Jahr, bei der PKV hingegen nur um drei Prozent gestiegen”, rechnete er vor. (epo)

Bild: Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK) (Quelle: epo)

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