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Krankenkassen sitzen auf Schuldenberg

08.09.2017 – Gesundheitskarte_Tim Reckmann_pixelioDie gesetzlichen Krankenversicherer sitzen bekanntlich noch auf einem dicken Finanzpolster. Gleichzeitig scheinen diese jedoch auf einem immer größeren Schuldenberg zu sitzen. Wie die Berliner Zeitung berichtet, verzeichneten die 113 Krankenkassen Ende Juli 2017 Beitragsrückstände von insgesamt 7,045 Mrd. Euro. Dies sei fast eine halbe Mrd. Euro mehr als noch zu Jahresanfang.

Wie das Blatt weiter berichtet, hat sich der Schuldenstand in der gesamten Wahlperiode zudem verdreifacht. Besonders häufig von den Beitragsschulden sind demnach vor allem die Selbstständigen. Allein diese Gruppe schulde den gesetzlichen Kassen gegenwärtig mehr als fünf Mrd. Euro. Besonders betroffen seien vor allem kleine Selbstständige ohne Angestellte betroffen. Dennoch verbuchten die Krankenkassen im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesversicherungsamtes einen Einnahmen-Überschuss von von 0,5 Mrd. Euro (2015: 1,1 Mrd. Euro) aus.

Höhere Zuzahlungen für Kassen-Versicherte

Darüber hinaus haben die gesetzlich Krankenversicherten im vergangenen Jahr im Durchschnitt 448 Euro aus eigener Tasche für medizinische Leistungen bezahlt. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Continentale unter 1.365 Befragten hervor. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 waren es noch 344 Euro, so der private Krankenversicherer. Die Zuzahlungen seien demnach in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen.

Dadurch hätte rund ein Drittel der gesetzlich Krankenversicherten medizinische Behandlungen aus Kostengründen im vergangenen Jahr unterlassen oder verschoben. So gaben rund 32 Prozent der GKV-Versicherten an, dass sie medizinische Behandlungen wegen der Kosten nicht wahrgenommen haben. Bei den Geringverdienern lag der Wert laut Studie bei 42 Prozent. Besonders stark betroffen von den Selbst- und Zuzahlungen seien laut Studie vor allem ältere Menschen über 60 Jahre. Diese zahlten nach Angaben der Continentale durchschnittlich 577 Euro aus eigener Tasche für medizinische Leistungen.

Die meisten Zuzahlungen verbuchte die Continentale vor allem bei den Ausgaben in der Apotheke, für die 75 Prozent der gesetzlich Versicherten aus eigener Tasche im Durchschnitt 153 Euro pro Jahr gezahlt haben. Bei Zahnärzten zahlen 59 Prozent der Versicherten rund 390 Euro aus der eigenen Tasche dazu. Bei den Ausgaben für Heilpraktiker lagen die Zuzahlungen in den letzten zwölf Monaten bei durchschnittlich 290 Euro. Für Physiotherapie waren es 144 Euro, im Krankenhaus 139 Euro und beim Haus- oder Facharzt 126 Euro.

Dennoch ist das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem laut Umfrage ungebrochen. So schätzen 66 Prozent der Befragten die gesundheitliche Versorgung in Deutschland als “gut” ein, 23 Prozent sogar als “sehr gut”. Lediglich zehn Prozent beurteilen diese als “eher schlecht” oder “schlecht”. Gleichzeitig würden sich 95 Prozent der Befragten am liebsten in Deutschland behandeln lassen. 86 Prozent halten das deutsche Gesundheitswesen für eines der leistungsfähigsten der Welt. 73 Prozent bewerten dies jedoch als zu teuer. 55 Prozent kritisieren zudem die staatliche Lenkung. (vvwh/td)

Bildquelle: Tim Reckmann / PIXELIO (www.pixelio.de)

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