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Krämer: “Reales Risiko einer Blase am Immobilienmarkt”

03.05.2017 – joerg_kraemer_commerzbankDie Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erhitzt weiterhin die Gemüter. So befürchtet Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, im Zuge der EZB-Geldpolitik, “dass sich in Deutschland in ein paar Jahren eine Blase am Immobilienmarkt entwickelt. Zudem geht er nicht davon aus, dass die “EZB ihre Leitzinsen mittelfristig erhöht”.

Wie beurteilen Sie die jüngsten Entscheidungen der EZB, nach wie vor an der Nullzinspolitik und den Anleihekäufen festzuhalten? Kann dies auch weiterhin zur Steigerung der Konjunktur beitragen? Worin sehen Sie die größten Gefahren dieser Geldpolitik?

Jörg Krämer: Die EZB hängt am Haken der Politiker. Sie übertüncht die ungelösten Probleme der Staatsschuldenkrise und greift den Finanzministern der hoch verschuldeten Staaten unter die Arme. Damit nimmt sie jedoch Druck von Ländern wie Italien, endlich ihre Probleme anzugehen und die Ursachen der Staatsschuldenkrise zu lösen. Außerdem verführen die Nullzinsen immer mehr Anleger dazu, in risikoreichere Anlagen zu investieren. Die EZB facht die Inflation der Vermögenspreise an. Das Risiko ist real, dass sich in Deutschland in ein paar Jahren eine Blase am Immobilienmarkt entwickelt.

Wie schätzen Sie die künftige Zinsentwicklung in der Euro-Zone ein? Inwieweit wird diese durch die Zinsentwicklung in den USA beeinflusst? Sehen Sie die europäischen Staatshaushalte für einen Zinsanstieg gerüstet?

Jörg Krämer: Zur Zeit spekulieren Anleger darauf, dass die EZB ihre Leitzinsen mittelfristig erhöht. Aber das halte ich für unwahrscheinlich. Erstens dürfte die Kerninflation, anders als von der EZB prognostiziert, nicht zulegen, weil die Arbeitslosenquote von fast zehn Prozent die Lohnkosten kaum steigen lässt. Zweitens drängen die Finanzminister der hoch verschuldeten Länder über ihre Vertreter im EZB-Rat auf eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik. Deshalb dürften sich Bundesanleihen auch weiterhin vom Renditenanstieg in den USA abkoppeln.

Welche möglichen Risiken könnten Ihrer Meinung nach aus den aktuellen politischen Entwicklungen und den im Jahr 2017 anstehenden politischen Entscheidungen erwachsen? Inwieweit spielen diese eine Rolle für die künftige Zinsentwicklung?

Jörg Krämer: Das Jahr 2017 wird ein Jahr der Politik. Die Populisten sind auf dem Vormarsch, früher oder später gibt es Neuwahlen in Italien, die die Euro-Gegner der Fünf-Sterne-Bewegung an die Regierung bringen könnten. Risiken gehen außerdem vom Protektionismus Trumps aus. All diese politischen Risiken werden für eine ordentliche Volatilität an den Staatsanleihenmärkten sorgen.

Bild: Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hält auf dem 6. Messekongress “Finanzen und Risikomanagement” der Versicherungsforen Leipzig am 22./23. Juni 2017 die Keynote zum Thema “Wann endet die Nullzinspolitik im Euroraum?” (Quelle: Commerzbank AG)

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