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Kassen verzeichnen weniger Behandlungsfehler

31.05.2017 – Arztbesuch_Philipp_Flury_PixelioDer Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen haben im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang bei den ärztlichen Behandlungsfehlern festgestellt. Demnach bestätigten die Fachärzte des medizinischen Dienstes in 2016 mit 3.564 anerkannten Behandlungsfehlern (2015: 4.064) knapp jeden vierten Fall (23,4 Prozent). Insgesamt wurden letztes Jahr 15.094 fachärztliche Gutachten (2015: 14.828) vom MDK erstellt.

Laut Statistik des Medizinischen Dienstes betrafen zwei Drittel der Vorwürfe vor allem Behandlungen in der stationären Versorgung, zumeist in Krankenhäusern. Ein Drittel bezog sich nach Angaben des MDK auf Behandlungen durch einen niedergelassenen Arzt oder eine niedergelassene Ärztin. 7.765 Vorwürfe standen zudem in direktem Zusammenhang mit der Behandlung im Operationssaal. Dies entspricht 51,4 Prozent aller Vorwürfe.

Nach Fachgebieten unterteilt bezogen sich 33 Prozent aller Fälle auf Orthopädie und Unfallchirurgie, zwölf Prozent auf die Innere Medizin und Allgemeinmedizin, weitere neun Prozent auf die Allgemeinchirurgie, ebenfalls neun Prozent auf die Zahnmedizin, sieben Prozent auf die Frauenheilkunde und vier Prozent auf die Pflege. In rund der Hälfte (51 Prozent) aller bestätigten Fehler wurde eine erforderliche medizinische Maßnahme nicht (40 Prozent) oder zu spät (elf Prozent) durchgeführt.

In 39 Prozent der Fälle wurde laut Statistik eine notwendige Behandlung nicht korrekt durchgeführt wurde. Zehn Prozent der festgestellten Behandlungsfehler resultieren zudem auf eine falsche Maßnahme, bei der von vornherein mehr Schaden als Nutzen zu erwarten war. Zwei von drei Patienten wurden dadurch vorübergehend geschädigt, einer von drei Patienten dauerhaft, teilte der MDK mit.

Demnach sei die Zahl der Behandlungsfehler zwar “im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Leider bedeutet das jedoch nicht, dass sich das Risiko, einen Behandlungsfehler zu erleiden, generell verringert hätte. Denn Daten zu Behandlungsfehler liegen in Deutschland nur punktuell vor. Darum lässt sich auch das Gefährdungsrisiko nicht beziffern”, kommentiert Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS. “Jeder Fehler, aus dem heute nichts gelernt wird, kann sich jedoch morgen wiederholen und erneut vielleicht einen schweren Schaden verursachen.”

Allerdings sei auch “von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, die systematisch erfasst und analysiert werden muss”, ergänzt PD Dr. Max Skorning, Leiter Patientensicherheit beim MDS. Dabei handele es sich vor allem um sogenannte “Never Events” wie nach der Operation verbliebene Tupfer, die Verwechslung von Blutkonserven und ähnliches. Solche Fehler zeigen einen Sicherheitsmangel im System an, weniger ein Versagen des Einzelnen, kritisieren die Fachärzte. In anderen Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen müssen sie verpflichtend gemeldet werden – bislang jedoch nicht in Deutschland, bemängelt der Medizinische Dienst. (vwh/td)

Bildquelle: Philipp Flury / PIXELIO / (www.pixelio.de)

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