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Kalifornien genehmigt Cannabis-Versicherung

07.11.2017 – cannabis_pixelioCannabis gilt gemeinhin als eine der ältesten Nutz- und Zierfplanzen der Welt. Wegen seiner Rauschwirkung verboten, gewinn die Hanfplanze hingegen wegen ihrer medizinischen Bedeutung zunehmend an Bedeutung. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat Cannabis nun Anfang Januar 2018. Der Versicherer Golden Bear Insurance bringt zudem eine entsprechende Police auf den Markt.

Wie das Finanzmagazin Wallstreet Online berichtet, haben die kalifornischen Behörden bereits Ende vergangener Woche die erste Versicherung für die Cannabis-Branche genehmigt. Hintergrund der Entscheidung sind die verheerenden Buschbrände, die den US-Bundesstaat vor wenigen Wochen heimgesucht hatten.

Davon besonders stark betroffen ist laut Bericht auch die Cannabis-Branche. Auch wenn Branchenkenner keine konkreten Schadenzahlen nennen konnten, gehen Experten bereits davon aus, dass der Schaden weit größer sein dürfte, als von vielen befürchtet.

Wachstumsmarkt Cannabis

Allerdings folgen die kalifornischen Behörden damit nur einem Trend, der bereits bis in die 1990er-Jahre zurückgeht. Nachdem der Bundesstaat an der US-Westküste die medizinische Nutzung von Cannabis bereits vor rund 20 Jahren legalisiert hat, können Patienten heute bereits in 28 US-Bundesstaaten die Droge auf Rezept bekommen. Auch Hobby-Kiffer, die Marihuana explizit nicht aus medizinischen Gründen nutzen, haben in den USA mehr gesetzlichen Freiraum, konstatiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV).

So ist der Cannabis-Konsum bereits in acht US-Bundesstaaten zum Freizeitgebrauch legal, nämlich in Alaska, Colorado, Oregon, Washington, Washington D.C., Kalifornien, Nevada und Massachusetts. Für die Versicherer hat sich damit ein neues Geschäftsfeld eröffnet, wobei heute im wesentlichen drei Produkte auf dem Markt verbreitet sind:

  • Produkthaftpflichtversicherung: Diese greift bei schwereren gesundheitliche Schäden der Kunden, die direkt auf das Cannabis-Produkt zurückzuführen sind. Versichert sind hier etwa die Arzt- und Anwaltskosten oder der Verdienstausfall.
  • Betriebs-Haftpflichtversicherung: Diese schützt die Marihuana-Hersteller laut GDV vor den Forderungen Dritter, die durch Fahrlässigkeit, Straftaten oder Zerstörung fremden Eigentums etwa durch Feuer auf sie zukommen können. Die Versicherungssummen liegen hier derzeit bei bis zu zwei Mio. Euro.
  • Gebäude- und Firmeninhaltsversicherung: Sie schützt die Cannabis-Hersteller unter anderem gegen gegen Schäden an ihren Gewächshäusern und Anbaugeräten. Häufigste Schäden sind übrigens der Diebstahl von Cannabis-Pflanzen.

Enormes Marktpotenzial

Das Marktpotenzial ist jedenfalls enorm: Nach Berechnungen der Strategieberatung LSP Digital wurde allein im vergangenen Jahr ein Umsatz von etwa 4,4 Mrd. US-Dollar mit Cannabis-Pflanzen und -Produkten erzielt. Bis 2029 soll das Marktvolumen auf 100 Mrd. US-Dollar steigen, konstatiert das Statistik-Portal. Davon werden die Hälfte auf cannabisbasierte Medikament, die andere Hälfte auf Marihuana oder Konzentrate wie Haschisch oder Öl entfallen.

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Zankapfel bei Jamaika

In Deutschland ist bereits seit März 2017 das Gesetz “Cannabis als Medizin” in Kraft. Damit können Patienten, die schwer krank sind und unter Schmerzen leiden, Cannabis-Arzneimittel auf Rezept erhalten. Ab 2019 sollen jedoch auch Ernteerträge aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen. Um den Anbau und Import von medizinischen Cannabis oder Cannabis-Medikamenten soll sich nach den Plänen der Politik künftig eine staatliche Cannabisagentur kümmern.

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Bei den aktuellen Sondierungsgesprächen der Jamaika-Parteien herrscht bei einer Freigabe von Cannabis jedoch noch Uneinigkeit. Während FDP und Grüne eine solche befürworten, warnte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) eindringlich davor, den Konsum von Cannabis zu verharmlosen.

“Wer eine Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken fordert, ignoriert das Gesundheitsrisiko bei einem Konsum dieser Droge. Das ist verantwortungslos. Insbesondere bei jungen Menschen darf nicht der Eindruck entstehen, dass der Konsum von Cannabis völlig harmlos ist”, betonte die Ministerin gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Demnach werde der Freistaat auch künftig an seiner klaren Linie gegen die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken festhalten. Zu begrüßen sei allerdings, dass es Cannabis auf Rezept für Schwerkranke zu medizinischen Zwecken gebe. (vwh/td)

Bildquelle: Susanne Schmich / PIXELIO (www.pixelio.de)

Grafikquellen: Statista

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