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IFRS 17: Wie Versicherer die Kostenwelle umgehen

09.08.2017 – Berechnung des Beitrags__I-vista_pixelio.de.Vor drei Monaten hat das International Accounting Standards Board (IASB) den ersten “echten” internationalen IFRS-Standard für Versicherungsverträge (IFRS 17) veröffentlicht. Kommen soll er im Januar 2021. Bei genauerer Betrachtung der Umsetzungsanforderungen wird schnell deutlich, dass ein Projektstart 2017 erforderlich ist. Wieso, erklären Hans Peter Hochradl und Michael Koch von Deloitte.

Kapitalmarktorientierung erfordert hohe Prozessgeschwindigkeit und Qualität: Auch wenn im ersten Jahr der IFRS 17-Anwendung einige Versicherer spätere Veröffentlichungstermine diskutieren, bleibt dennoch der Druck, im Wettbewerb mit Unternehmen anderer Branchen bestehen zu können. Um die deutliche höhere Komplexität bei gleicher (oder sinkender) Zeit ausgleichen zu können, sind signifikante Investitionen in Automatisierung, Standardisierung und Datenqualität erforderlich.

Es besteht die Gefahr, dass die etablierten Solvency II-Prozesse vielfach nicht oder nur teilweise geeignet sind, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Hiervon sind in besonderem Maße stochastische Modelle zur Cashflow-Erzeugung in Leben und Kranken betroffen. Vielfach erscheint eine weitere Beschleunigung der Prozesse rund um die Modelle sowie die eigentlichen Modell-Läufe kaum vorstellbar. Hier müssen oftmals komplett neue Wege und Ansätze entwickelt werden, um die benötigte Beschleunigung bei akzeptabler Qualität sicherzustellen. Dabei geht es aber nicht nur um eine technologische und methodische Weiterentwicklung.

Heterogenität treibt Implementierungskomplexität und resultierenden Aufwand: Über viele Jahrzehnte gewachsene nationale und internationale Versicherungsgruppen stehen häufig vor der Herausforderung uneinheitlicher Prozesse sowie einer sehr großen Anzahl unterschiedlicher IT-Systeme und aktuarieller Werkzeuge. Sie verfügen über eine eher dezentrale Datenhaltung. Zusätzlich unterscheiden sich in gewachsenen Strukturen häufig die Governance-Modelle, die Aufbauorganisation, das Know-how sowie die Qualität der Mitarbeiter.

Jeder erfahrene Projektmanager weiß, dass dies denkbar schlechte Voraussetzungen für eine kostengünstige Implementierung sind. Dennoch kann es gelingen, einige “Quick-Wins” zu generieren. In jedem Fall ist es sinnvoll, IFRS 17 zum Anlass zu nehmen, um über ein neues mittel- bis langfristiges Zielbild nachzudenken, bevor mit neuen Implementierungsaktivitäten der Status Quo weiter verfestigt wird.

Komplexes Langfristiges Geschäft und hohe Diversifikation treiben Aufwand: Versicherer, die hauptsächlich einjähriges Nicht-Leben-Geschäft in ihren Büchern aufweisen, werden mit IFRS 17 sehr gut zurechtkommen und müssen weder in der Implementierung noch in der Transition oder im Betrieb große Herausforderungen meistern. Beim klassischem deutschen Lebens- oder Krankenversicherungsgeschäft, aber auch bei komplexem mehrjährigem Rückversicherungsgeschäft, bestehen ungleich größere Herausforderungen. Unternehmensgruppen mit einem voll diversifizierten Portfolio werden in der Regel drei unterschiedliche Bewertungsansätze implementieren: den sogenannten Bausteinansatz (Building Block Approach), der vereinfachte Ansatz (Premium Allocation Approach) beispielweise für einjährige Verträge sowie der Variable Fee Approach für das klassische deutsche Lebensversicherungsgeschäft.

IFRS 17-Transition: Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aufwandstreiber liegt in der Transition. Der Standardsetzer verlangt, soweit praktikabel, die gesamte Historie von Versicherungsverträgen aufzurollen und die Bewertungsvorschriften rückwirkend zu betrachten, als wäre IFRS 17 schon über die gesamte (vergangene) Laufzeit anzuwenden gewesen. Das IASB ermöglicht zwei Vereinfachungsansätze, aber auch diese “Vereinfachungen” verursachen erhebliche Aufwände.

Als Zwischenfazit lässt sich feststellen, dass der Transition-Aufwand in der Regel um ein vielfaches höher ist als bei einer üblichen Finanzsystemmigration. Es ist empfehlenswert, in den Projekt-Roadmaps dem Thema Transition eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen und frühzeitig sowohl fachliche Analysen, inklusive Beispielrechnungen zur Ermittlung der vertraglichen Servicemarge (Contractual Service Marge), als auch Überlegungen für eine mögliche Transition-Plattform für eine effiziente, gruppenweit wiederverwendbare und im Detail nachvollziehbare Transition zu starten.

End-to-end Prozess- und Systemtests und “Parallel Run” im Jahr 2020: Um die erforderlichen Vergleichszahlen zu erzeugen, müssen vor dem ersten voll produktiven IFRS 17-Quartalsabschluss (Q1/2021) vier Abschlüsse durchgeführt werden. Grundlage für diese Abschlüsse stellt die Eröffnungsbilanz sowie die Start-Contractual Service Marge zum “Transition-Date” am 1. Januar 2020 dar. Durch diesen – wenn auch im Abschlussprozess zeitversetzten, d. h. nach IFRS 4 stattfindenden – Parallelbetrieb wird es 2020 zu erheblichen Zusatzbelastungen für die “Linie” kommen.

Um dies zu ermöglichen, werden alle Systeme entlang der Prozesskette bereits in 2020 benötigt. Um Ressourcenengpässen vorbeugend entgegenzuwirken, sollten andere für dieses Jahr geplante Projekte überdacht werden. Vor allem in komplexen Organisationen müssen umfangreiche End-to-end Prozess- und Systemtests eingeplant werden, um einen reibungslosen Übergang von IFRS 4 auf IFRS 17 zu ermöglichen. Der mögliche Schaden, der durch schlecht getestete Reporting-Prozesse entstehen kann, steht in keinem Verhältnis zu möglichen Einsparungen im Testablauf.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: I-vista / PIXELIO (www.pixelio.de)

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